Die Non-Profit-Organisation «fairunterwegs» setzt sich seit 1977 für einen fairen, sozialverträglichen und umweltfreundlichen Tourismus ein. Letztes Jahr geriet sie in finanzielle Schieflage und kündigte die Auflösung an. Nun kommt es aber anders als gedacht.

Hans-Peter Egler ist der Präsident des Vereins «fairunterwegs». (ZVG)
Die Auflösung war Ende letzten Jahres leider eine reale Perspektive. Die damalige Finanzierung reichte nicht mehr aus, um die Arbeit im bisherigen Umfang weiterzuführen. Insbesondere gelang es nicht, die wegfallenden Gelder zu kompensieren. Der damalige Vorstand prüfte deshalb verschiedene Optionen. Schliesslich entschied er sich für die Auflösung des Vereins. Die Entscheidung erschien zu diesem Zeitpunkt als die richtige Lösung.
Es kam zu einer sehr erfreulichen Wende: Nach der Bekanntgabe des geplanten Auflösungsentscheids meldeten sich verschiedene Organisationen, die ein konkretes Interesse daran hatten, «fairunterwegs» weiterzuführen. Dadurch entstand eine neue Perspektive. An der Mitgliederversammlung vom 21. April 2026 konnte Swiss Fair Trade, der Dach- und Branchenverband der Schweizer Fair-Trade-Organisationen, die Mitglieder überzeugen, auf die Auflösung zu verzichten. «fairunterwegs» blieb erhalten, erhielt angepasste Statuten und einen neuen Vorstand. Die Geschäftsstelle wird heute im Mandatsmodell von Swiss Fair Trade geführt. «fairunterwegs» und Swiss Fair Trade teilen die gleiche Vision und die gleichen Werte. Mit der Weiterführung von «fairunterwegs» sollen die aufgebauten Strukturen und Partnerschaften gesichert und wirkungsvoll weiterentwickelt werden.
Der Neustart ist für uns mehr als eine organisatorische Weiterführung. Wir wollen «fairunterwegs» inhaltlich weiterentwickeln und noch stärker dazu beitragen, dass zukunftsfähiges und faires Reisen im In- und Ausland konkret und zugänglich wird.
Deshalb geben wir Reisenden Orientierung, vermitteln Wissen und machen zukunftsfähige Angebote sichtbar. Gleichzeitig wollen wir Entwicklungen im Tourismus kritisch hinterfragen und zeigen auf, wo Handlungsbedarf besteht. Dadurch sollen Reisende konkrete Möglichkeiten erhalten, ihre Reisen verantwortungsvoller und bewusster zu gestalten. Dabei geht es nicht darum, den Menschen das Reisen auszureden. Im Gegenteil: Reisen kann Begegnungen ermöglichen, lokale Wirtschaft stärken und neue Perspektiven eröffnen. Entscheidend ist aber, wie wir reisen und welche Auswirkungen unsere Entscheidungen haben.
Unser Ziel bleibt ein Tourismus, der Menschen und Umwelt respektiert und bei dem auch die Menschen an den Reisezielen direkt vom Tourismus profitieren.
Tourismus bringt Chancen, aber auch Probleme mit sich. Dabei geht es beispielsweise um Menschenrechte und faire Arbeitsbedingungen, Klimaschutz, Abfall und Biodiversität, aber auch darum, wie Tourismus die Menschen vor Ort und die Orte beeinflusst und wer von den Einnahmen profitiert.
Für uns sind aktuell vier Themen besonders wichtig: Overtourism, Plattformökonomie, also internetbasierte Geschäftsmodelle, bei denen digitale Plattformen als Vermittler Angebot und Nachfrage zusammenbringen, Wertschöpfung vor Ort sowie Kommerzialisierung und Authentizität. Sie bilden die vier Schwerpunkte unserer neuen Kampagne «Weniger Hype, mehr Ort». Wir wollen die einzelnen Phänomene verständlich erklären. Gleichzeitig möchten wir Reisenden konkrete Tipps, Handlungsmöglichkeiten und Inspiration geben, wie sie ihre Reisen bewusster gestalten können.
Am Ende geht es für uns um einen Tourismus, der nicht nur fragt: Was möchte ich als Reisende und Reisender erleben? Sondern auch: Welche Wirkung hat meine Reise auf die Menschen, die lokale Wirtschaft, die Umwelt und den Ort, an den ich reise?
(Interview: Ruth Marending)
Hans-Peter Egler, Präsident des Vereins «fairunterwegs», verfügt über langjährige internationale Erfahrungen aus seiner Arbeit bei Seco, Deza und South Pole in Tourismus-, Handels-, Investitions– und Nachhaltigkeitsbereichen.