Der Bäcker-Gesamtarbeitsvertrag GAV läuft 2028 aus. Die Sozialpartner verhandeln wieder. Worauf pocht die HGU?

Wer in gute Arbeitsbedingungen investiert, verbessert die Zukunftsperspektiven der Branche. (Keystone-SDA)
Die Schweizer Bäckerei-, Konditorei- und Confiseriebranche steht unter Druck. Die wachsende Konkurrenz etwa durch Grossverteiler und Import-Backwaren macht dem Handwerk zu schaffen. Fachkräfte fehlen ebenso wie genügend Nachwuchs. «Wir wissen um die Probleme», sagt Roger Lang, Leiter Recht, Sozialpolitik und Kampagnen bei der Hotel & Gastro Union HGU. «Dennoch kann die Antwort auf den Druck nicht darin bestehen, Arbeitnehmende nicht zu entlasten und die Löhne tief zu halten.»

Roger Lang ist Leiter Recht, Sozialpolitik und Kampagnen bei der HGU. Er vertritt deren Mitglieder an den GAV-Runden.
Wenn am 13. Oktober die Verhandlungen über einen neuen GAV beginnen, gehen die HGU und ihr Verhandlungsleiter Roger Lang mit Forderungen in vier Kategorien in die Gespräche.
Die Hotel & Gastro Union setzt sich für die Einführung verbindlicher Wochenend- und Feiertagszulagen ein. «Wer regelmässig dann arbeitet, wenn andere frei haben, leistet einen sozialen Verzicht, der finanziell anerkannt werden muss», so Roger Lang. Darüber hinaus fordert die HGU eine Berücksichtigung der Berufserfahrung auf Mindestlohnstufe. Weiter: einen Teuerungsausgleich auf Effektivlöhnen und den vollen 13. Monatslohn für alle ab dem ersten Arbeitstag. Zudem setzt sich die Hotel & Gastro Union für eine deutliche Erhöhung der Mindestlöhne ein.
Die Planbarkeit von Arbeits- und Freizeit ist keine Nebensache. Dienstpläne sollen spätestens Mitte des Monats für den Folgemonat abgegeben werden. Und von den heute geltenden sechs bezahlten Feiertagen pro Kalenderjahr fordert die HGU eine Aufstockung auf neun. «Feiertage sind gesellschaftlich besonders wertvolle Tage. Wer an solchen Tagen arbeitet, verliert Zeit mit Familie und Freunden», so Roger Lang.
Die HGU setzt sich für eine Erhöhung der Lohnfortzahlung bei Arbeitsausfall ein. «Wer mit einem tiefen Bruttolohn lebt, kann sich eine Einkommensreduktion bei einem Arbeitsausfall nicht leisten», so Roger Lang. Darüber hinaus drängt die HGU auf Verbesserungen bei der Pensionskasse, etwa durch höhere Arbeitgeberbeiträge und bessere Sparpläne.
Des Weiteren strebt die HGU eine Regelung an, wonach Weiterbildungstage zukünftig als bezahlte arbeitsfreie Tage gelten.
«Uns ist bewusst, dass nicht jede Verbesserung von heute auf morgen umgesetzt werden kann», erklärt Roger Lang. «Eine Branche, die vom Handwerk lebt, muss in Menschen investieren. Das gelingt durch eine gemeinsame Entwicklungsperspektive. Nur so kann die Branche Fachkräfte halten, Nachwuchs gewinnen, Betriebe stabilisieren und deren Zukunft sichern.»
(Jörg Ruppelt)
Der seit 1. Juli 2025 geltende GAV endet per 31. 12. 2028. Ziel der neuen Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern ist, bis Ende 2027 einen neuen GAV zu verhandeln. Gelingt dies, kann beim Bundesrat ein Gesuch um Allgemeinverbindlicherklärung gestellt werden. Ein neues Vertragswerk könnte am 1. 1. 2029 in Kraft treten.