Das Hotel Schweizerhof in Flims/GR wird in vierter Generation von der Familie Schmidt geführt.
Es gibt wenige Hotels, über die sich so viele Geschichten erzählen lassen wie über das Romantik Hotel Schweizerhof in Flims und seine Besitzerfamilie. Die Vorfahren von Christoph und Sandra Schmidt, dem jetzigen Direktionspaar, führten im 19. und 20. Jahrhundert unter dem Familiennamen Candrian mehrere luxuriöse Hotels: von Arosa bis Zermatt und von London bis Palermo.
Christoph Schmidts Ururgrossvater, der Jurist Walter Candrian, wurde Hotelier, als er 1869 bei einem Kartenspiel das Hotel Segnes und Post in Flims gewann. Seine Tochter Mengia Candrian baute dann mit ihrem Mann Daniel Schmidt 1902/03 das Hotel Schweizerhof. Dies genau an dem Platz, wo sich das Bänkli befand, auf dem sie als Verlobte turtelten. Das sind zwei der unzähligen Anekdoten, die dieses Hotel prägen.
Sandra Schmidt, Gastgeberin
Geschichte wird im «Schweizerhof» nicht bloss wiedergege-ben, sondern aktiv gelebt und dadurch weitergeschrieben. Auch von Therese Schmidt. Die Hoteldirektorin der dritten Generation ist Christoph Schmidts Mutter. Jeden Freitag nimmt sie Gäste mit auf eine Hotelführung. Dabei entstehen neue Storys wie die von dem Gast, der überrascht entdeckte, dass sein eigener Grossvater früher im «Schweizerhof» gearbeitet hatte.
Die Gäste können die Geschichte des «Schweizerhof» bei einer Audiotour durchs Hotel auch auf eigene Faust erkunden. «Wir versuchen stets, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden», erklärt Sandra Schmidt. Und so hört man an der Audiostation in der Bar die Enkel (5. Generation) von Therese und Rudolf Schmidt (3. Generation) das Caumasee-Lied singen. Es wurde von Arthur Schmidt (2. Generation) um 1940 herum am Klavier, das noch heute im Lesesaal steht, komponiert.
Christoph Schmidt, Gastgeber
Auf die Frage, was er anders mache als seine Ahnen, antwortet Christoph Schmidt: «Nichts. Wir pflegen die gleichen Werte und leben sie dem aktuell herrschenden Zeitgeist entsprechend. So haben das die Generationen vor uns bereits gemacht.» Dem Zeitgeist entsprechend liegt der Fokus der heutigen Direktion auf Themen wie Nachhaltigkeit, Achtsamkeit und Selfcare. Das zeigt sich auf der Speisekarte – etwa am Tatar aus Wurzelgemüse – wie im Eventkalender, wo Yoga-Retreats, Waldbaden, Qi Gong und «Mindfulness-Based Stress Reduction» angeboten werden.

Der Hoteliersfamilie Schmidt gelingt es, Vergangenes geschickt und authentisch mit der Gegenwart zu verbinden, um dadurch zukunftsfähig zu bleiben.
Christoph Schmidt ist 54. Doch wie seine Ahnen hat auch er die Nachfolgeregelung frühzeitig im Blick. Zwar sind die fünf Vertreter und Vertreterinnen der nächsten Generation erst zwischen zwölf und 20 Jahre alt, dennoch führt er sie sachte in die Familien-AG ein. «Altersgerecht erkläre ich ihnen die Bilanzen und Erfolgsrechnungen. Und ich spreche mit ihnen offen über die Aufgaben und die Herausforderungen eines Hoteliers. Sie müssen das wissen, um entscheiden zu können, welchen beruflichen Weg sie einschlagen wollen.» Wie er selbst sollen auch seine Kinder, Nichten und Neffen frei sein in ihrer Berufswahl.
«Es gibt bereits leise Anzeichen, dass die 5. Generation den Betrieb später weiterführen will», beobachtet Christoph Schmidt. Er schmunzelt: «Sie sind sich aber noch nicht einig, wer dann Chef sein darf.»
(Riccarda Frei)