Nach Crans-Montana: Sicherheit von Ausgehbetrieben rückt in den Fokus

Das Unglück zu Beginn des Jahres hat die Debatte um die Sicherheit in Bars und Clubs neu entfacht. Die Folge sind verstärkte Kontrollen und erste Massnahmen.

Seit Jahresbeginn haben die Bilder des Brandes, der die Bar «Le Constellation» in Crans-Montana zerstörte und 40 Todesopfer sowie über 110 Verletzte forderte, die Öffentlichkeit tief erschüttert. In der Schweiz wie auch im Ausland folgten zahlreiche Zeugnisse der Anteilnahme und Gedenkbekundungen. Parallel dazu muss die laufende Untersuchung die strafrechtlichen Verantwortlichkeiten klären. Zugleich mehren sich die Stimmen, welche die bestehenden Sicherheitsvorkehrungen in Ausgehbetrieben grundsätzlich hinterfragen.

Der Schock ist einer ganzen Nation ins Gesicht geschrieben. (KEYSTONE-ATS)

Am Tag nach der Tragödie stand nicht nur die Branche, sondern das ganze Land unter Schock. «Bei den Verantwortlichen der Betriebe, die ich getroffen habe, herrscht grosse Trauer und viel Empathie für die Opfer und ihre Angehörigen», sagte Alexander Bücheli, Sprecher der Schweizer Bar- und Clubkommission CSBC und Geschäftsführer der Zürcher Bar- und Clubkommission, gegenüber Keystone-ATS. In der Schweiz wie auch in anderen europäischen Ländern ist die Frage der Sicherheit in Bars und Clubs damit ins Zentrum gerückt.

Zusätzliche Kontrollen

Mehrere Behörden reagierten rasch mit konkreten Schritten. Im Kanton Waadt ordnete der Staatsrat zusätzliche Kontrollen in als risikobehaftet eingestuften Betrieben an. Diese erfolgen unter der Koordination der Kantonspolizei für Handel und des kantonalen Versicherungsinstituts. Gleichzeitig wurde der Einsatz pyrotechnischer Geräte in Innenräumen von Betrieben, die dem Gastgewerbegesetz unterstehen, verboten. Im Berner Oberland beschlossen Adelboden und Lauterbrunnen, die Sicherheit ihrer Betriebe im Zusammenhang mit den alpinen Ski-Weltcuprennen zu überprüfen. In Frankreich kündigte der Pariser Polizeipräfekt ebenfalls verstärkte Kontrollen in den Nachtlokalen der Hauptstadt an.

In der Schweiz ist die Eröffnung eines Betriebs an die Genehmigung eines Sicherheitskonzepts geknüpft. Dieses muss unter anderem die Anzahl der Notausgänge, die Belüftung sowie die Installation von Rauchmeldern und Feuerlöschern festhalten. «Ist das Konzept nicht vollständig, darf der Betrieb nicht öffnen», erinnert Alexander Bücheli. Die Regulierung liegt in der Zuständigkeit der Kantone und gilt als streng.

Für den Präsidenten von Gastrosuisse, Beat Imhof, hat das Drama von Crans-Montana «eine grosse Verantwortung» geschaffen – sowohl für die Betreiber als auch für die Kontrollbehörden. «Alle wollen verhindern, dass sich ein solches Ereignis wiederholt. Jeder wird überprüfen, ob Brandschutztüren geschlossen sind oder ob Fluchtwege frei bleiben», sagt er. In der Sendung der RTS stellte Gilles Meystre, Präsident von Gastro Vaud, zudem das Alter eines Teils der Kundschaft am Unglücksabend zur Diskussion. Er wies darauf hin, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen von Kanton zu Kanton unterschiedlich seien und auch die Frage der Kontrollen im Licht der Untersuchung geprüft werden müsse.

Untersuchung und Präventivhaft

Nach dem aktuellen Stand der Ermittlungen steht der Brandausbruch im Zusammenhang mit dem Einsatz sogenannter «Fontänen», pyrotechnischer Geräte, die Funken erzeugen. Obwohl diese für den Innenbereich zugelassen und von Fedpol der Kategorie F1 zugeordnet sind, unterliegen sie strengen Auflagen. Dazu zählen ein Mindestabstand von einem Meter zur Decke sowie das Fehlen von leicht entflammbaren Materialien in der Umgebung. Mehrere Betriebe haben bereits entschieden, künftig auf solche Effekte zu verzichten.

Ein weiterer zentraler Punkt betrifft die Kontrollen selbst. Der Walliser Staatsrat Stéphane Ganzer zeigte sich «schockiert» darüber, dass in dem betroffenen Betrieb seit 2019 keine periodischen Inspektionen mehr stattgefunden hatten, obwohl diese jährlich vorgesehen gewesen wären.

Vertreter der Branche mahnen jedoch zur Zurückhaltung. «Es ist wichtig, die definitiven Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten, bevor wir wirksame Massnahmen definieren», betont Alexander Bücheli. Als ebenso zentral erachtet Beat Imhof die Schulung des Personals: «Die Mitarbeitenden müssen wissen, wie sie reagieren sollen – nicht nur im Brandfall – und die Sicherheitssysteme kennen, auch wenn die Betriebsleitung nicht anwesend ist.»

Nach seiner Einvernahme durch die Behörden wurde der Geschäftsführer des Lokals, Jacques Moretti, in Untersuchungshaft genommen.

(pcl/ATS-SDA/ade)