Auf dem Weingut Clos du Rocher in Yvorne/VD wird dieses Jahr das 200-jährige Bestehen gefeiert.

Der vielfach ausgezeichnete Clos du Rocher wächst auf steilen Terrassen. (ZVG)
Der Clos du Rocher Yvorne Grand Cru duftet dezent nach Blüten und Früchten. Im Auftakt füllt saftige Frische den Gaumen. Der Weisswein hat Kraft, Komplexität und endet mit viel Geschmack von reifen Trauben sowie einer leicht salzigen Note. Das macht ihn – bereits in der Jugend, aber auch mit bis zu 30 Jahren Reife – zu einem grossartigen Begleiter von Fisch, hellem Fleisch und Käse. Der Clos du Rocher ist weniger vom Jahrgang geprägt als vom Terroir, dem Boden, auf dem die Reben wachsen. Dessen Geschichte beginnt mit einer Katastrophe.
Am 1. März des Jahres 1584 erschütterte ein starkes Erdbeben die Region Chablais. Als Folge löste sich eine gewaltige Gesteinsmasse vom Massiv des Tour d’Aï, donnerte 2000 Meter in die Tiefe und verschüttete Teile der Dörfer Corbeyrier und Yvorne. Nach intensiven Regentagen löste sich auf der Terrasse von Luan eine Schlammlawine, die den Schuttkegel des Bergsturzes überflutete.
Das Gebiet galt lange als verflucht und wurde gemieden. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts kehrten Menschen nach Yvorne zurück und bauten das Dorf im Ortsteil Maisons Neuves (neue Häuser) wieder auf.
Dann, vor 200 Jahren, legte Aimé-Benjamin Mégroz mit dem Erwerb des kargen Hangs oberhalb von Yvorne den Grundstein für das heutige Weingut Clos du Rocher. Das steinreiche Terrain mit kalkhaltigem Untergrund galt als anspruchsvoll, zugleich aber als vielversprechend für Weine von unverwechselbarem Charakter. Mit Mauern, eingebrachten Erdschichten und einem Gewölbekeller im Felsen entstand ein in sich geschlossener Clos, der über lange Zeit hinweg als verborgenes Juwel galt – abgeschirmt, schwer zugänglich und umso begehrter bei Kennern. Heute ist das Gut im Besitz von Maison Obrist, das wiederum Teil von Schenks «The Wine Family» ist.
Die Pflege der Reben liegt in den Händen von Martin Suardet. Er bewirtschaftet auch die benachbarte Domaine Château Maison Blanche. Für die Vinifizierung ist der Önologe Léonard Pfister verantwortlich.
Das Herzstück des Clos du Rocher bleibt der in grossen Eichenfässern gereifte Chasselas. Doch es gibt auch einen roten Yvorne Grand Cru. Schon früh wurden entlang der Trockenmauern die Wärme liebenden Sorten Syrah, Merlot und Cabernet Sauvignon gepflanzt. Separat gekeltert, bis zu 15 Monate in Barriques gereift und dann assembliert, zählt er zu den besten Rotweinen des Kantons Waadt.
(Gabriel Tinguely)