Zwischen Pistache und Protein-Eis: Die Glacesaison 2026

Social-Media-Trends in der Glacetheke oder doch lieber Fokus auf regionale Spezialitäten? Das beschäftigt Schweizer Glacehersteller diese Saison.

Die Glacetheken sind heute vielfältiger gefüllt als früher. (Bild Pexels)

Glace wurde in den letzten Jahren vom sommerlichen Nebendarsteller zum Star, der ganzjährig gefragt ist. Handwerk, Einzigartigkeit und regelmässig wechselnde Kreationen statt immer gleiche Sortimente sorgen für lange Schlangen vor Gelaterias. Kunden sind bereit, für eine gute Kugel Glace auch etwas tiefer in die Tasche zu greifen. 

Die heissen Temperaturen Ende Mai haben die Glacesaison 2026 so richtig ins Rollen gebracht. «Die warmen Tage zeigen jeweils sofort, wie stark Glace mit Emotion, Wetter und Lebensfreude verbunden ist», sagt Christian Enzler, CEO von Sepp's Glace. Bei sommerlicher Hitze steige die Nachfrage spürbar. Die Konsumentinnen und Konsumenten achteten stärker auf Qualität, Herkunft und Handwerksarbeit. Dies entspricht auch der Philosophie von Sepps Glace. «Als IFS-zertifizierte Glacemanufaktur arbeiten wir nach klar definierten Prozessen und legen grossen Wert auf Rückverfolgbarkeit, Hygiene, geprüfte Abläufe und gleichbleibende Produktqualität», so Enzler.

Die Kamera isst mit

Auch Nachhaltigkeit und Regionalität spielen eine wichtige Rolle. Wenn möglich kommen regionale Rohstoffe zum Einsatz, dazu wird auf kurze Wege und sinnvolle Verpackungs- und Produktionslösungen geachtet. Aktuell seien fruchtige, frische und gleichzeitig besondere Sorten mit Erlebnisfaktor gefragt, sagt Christian Enzler. Besonders beliebt seien Beeren, exotische Früchte, Sorbets und cremige Dessertsorten wie zum Beispiel Bananensplit, Cheesekace oder Mango Sorbet. Die sozialen Medien spielten dabei eine wichtige Rolle, so der Geschäftsführer. «Glace muss heute nicht nur gut schmecken, sondern auch visuell funktionieren.» Farbe, Struktur, Toppings, cremige Texturen und emotionale Momente seien wichtig.

Zudem behält das Team Foodtrends im Auge, wie den Trend zu Produkten mit Zusatznutzen. Zum Beispiel Glace mit mehr Protein, weniger Zucker oder natürlichen funktionellen Zutaten. «Die Herausforderung besteht darin, Genuss, Qualität, Kosten und Machbarkeit sauber zusammenzubringen – ohne Kompromisse bei Lebensmittelsicherheit und Qualitätsstandards.»

Inspiriert von Produkten und Menschen

In der Gelateria di Berna sind Social-Media-Phänomene kein grosses Thema. «Als Gelateria folgen wir eigentlich keinen Trends», sagt Co-Gründer Hansmartin Amrein. Diese seien meistens industriegetrieben, wie beispielsweise Protein oder Matcha. «Wären wir jedem Social Media Trend auf den Leim gegangen, gäbe es die Gelateria di Berna mit ihrem Versprechen und den gelebten Werten in dieser Form nicht mehr.» Die sozialen Medien nutze man, um die Geschichten hinter den Gelati zu erzählen. 

In der Produktion folge das Team vielmehr spannenden Produkten oder Köpfen. Beispielsweise sei vor kurzem der Schriftsteller und Kolumnist Max Küng auf sie zugekommen, der sich ein Gusto passend zu seinem neuen Werk «Supertoskana» zur Buchpräsentation wünschte. «Da sind Kreativität und tolle Zutaten gefragt – wie frische Feigen, Miele millefiori oder Rosmarin», so Amrein. 

Entwickelt das Team eine neue Sorte, spiele die Vorfreude auf ein sensorisches Erlebnis die grösste Rolle. Ist eine Kombination oder ein besonderes Produkt gefunden, werden die folgenden Aspekte berücksichtigt, in absteigender Reihenfolge: die Sensorik; die Produkteherkunft ­– so lokal wie möglich; die Saisonalität; die Verfügbarkeit der Produkte; die Kosten; eine mögliche Zuckerreduktion. «Es macht Spass ­– auch nach 15 Jahren», sagt Hansmartin Amrein. Die Welt des Gelato sei noch lange nicht in ihrer ganzen Pracht entdeckt. «Das treibt uns weiter an.»

Glace von Tanja Grandits

Die Glacemanufaktur Kalte Lust arbeitet regelmässig mit Spitzenköchinnen und -köchen zusammen, um ganz besondere Sorten zu kreieren. Dieses Jahr ist es die Zwei-Sterne-Köchin Tanja Grandits, die eine belebende, frische Glace auf Joghurtbasis kreiert hat. Der cremige Joghurt trifft auf frische, sonnengereifte Limette, kombiniert mit den feinherben, komplexen Noten des japanischen Sencha-Grüntees, wie es in einer Medienmitteilung heisst. Die Produkte von Kalte Lust werden in Handarbeit hergestellt, Nachhaltigkeit gehört zur Unternehmenskultur. Bei der Beschaffung der Rohstoffe setzt Kalte Lust auf umweltschonende Ressourcen: Die Früchte werden wann immer möglich, aus regionaler Landwirtschaft beschafft und der Zucker stammt ebenfalls aus einheimischer Produktion. Für die Herstellung der Glace verwendet Kalte Lust Bio-Jerseymilch.

(Alice Guldimann)