Zwischen Digitalisierung und Menschlichkeit, Automatisierung und Empathie. In diesem Spannungsfeld muss sich das Gesundheitswesen einen Weg bahnen. Die Entwicklungen bewegten auch am sechsten Symposium der Hotellerie im Gesundheitswesen in Suhr/AG.

Bei dieser Veranstaltung bestimmen die Teilnehmenden, welche Themen besprochen werden. Jedes Jahr fragen die Organisatoren von LH Medical Management die Teilnehmenden, was sie für die nächste Ausgabe des Symposiums Hotellerie im Gesundheitswesen interessiert. Vergangene Woche fand die sechste Ausgabe mit rund 420 Teilnehmenden statt. Digitalisierung und künstliche Intelligenz standen ganz vorne auf der Liste, wie Schirmherr Leo Ackermann erklärt (siehe Interview rechte Spalte). Neue Entwicklungen lösen Interesse, aber auch Unsicherheiten aus.
Ein Referat beschäftigte sich beispielsweise mit dem Thema Smart Cleaning. Lorenz Steiner, Leiter Hotellerie der Stiftung Nägeligasse in Stans/NW, berichtete von der Umstellung auf das digitalisierte Reinigungssystem Soobr. Dieses zeigt auf, welche Räume mit welcher Priorisierung gereinigt werden müssen und was genau erledigt werden muss. «Vorher hatten wir einen hohen wöchentlichen Planungsaufwand», erzählt Lorenz Steiner. «Ausfälle führten zu grossen Herausforderungen.» Heute priorisiert das System in solchen Fällen automatisch neu. Dringende Aufgaben werden an Stellvertreter weitergeleitet, nicht Dringendes wird verschoben. «Es ist immer klar, wer was zu tun hat», so der Leiter Hotellerie. Die Implementierung habe allerdings Zeit und Aufwand bedeutet – sechs bis acht Wochen hätten sie gebraucht. «Das darf man auf keinen Fall unterschätzen. Es braucht die nötigen digitalen Kompetenzen im Betrieb.» Auch sei besonders wichtig, die Mitarbeitenden abzuholen. Sie müssen eine bekannte Struktur verlassen und neue Arbeitsroutinen etablieren. «Man muss klar aufzeigen, welche Vorteile die neue Arbeitsweise im Alltag bietet.» Diese bringt der Leiter Hotellerie wie folgt auf den Punkt: «Digitalisierung macht es nicht sauberer, aber die Aufgabenverteilung wird klarer, und wir nutzen unsere Ressourcen besser.»
Ein weiterer Teil der Veranstaltung drehte sich darum, wie in Spitälern in Zukunft gekocht wird. Leo Ackermann, Leiter Hotelservice am Luzerner Kantonsspital Luks, und Nico Schefer von der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften beschäftigten sich mit den Herausforderungen der Branche und den Vorund Nachteilen verschiedener Speiseverteilsysteme.
«Nicht mehr die Küche wird künftig entscheiden, was auf den Teller kommt, sondern der Patient und das Klima», sagte Nico Schefer. Wer jetzt damit anfange, neue Lösungen zu suchen, gewinne in der Zukunft. «Nachhaltigkeit kostet nicht, Ineffizienz schon.» Er nannte das Beispiel Food Waste. Laut einer Studie der Berner Fachhochschule in Zusammenarbeit mit United Against Waste kostet ein Kilo Food Waste 24 Franken, wenn man Personal-, Energie und Entsorgungskosten einrechnet.
Leo Ackermann verglich derweil die Vor- und Nachteile verschiedener Speiseverteilsysteme. «Micropast bietet zum Beispiel konstante Qualität, und für den Patienten entstehen nur geringe Wartezeiten. Dafür benötigt das System viel Verpackung und ermöglicht nur begrenzt frische Komponenten.» Bei Micropast werden die Mahlzeiten in Grossküchen vorgekocht und haltbar gemacht. Serve on Demand, wobei die Küche quasi à la carte auf Nachfrage produziert, sei zwar flexibel, aber sorge für einen personalintensiven Transport, so Ackermann. «Jedes System löst bestimmte Probleme, schafft aber andere Abhängigkeiten.» Der Entscheid hänge stark von der Infrastruktur und der Patientengruppe ab. Klar ist für den Leiter Hotelservice jedoch, dass die Zukunft des Bestellprozesses digital ist: «So können alle Daten eines Patienten erfasst werden, und dieser erhält dann nur diejenigen Mahlzeiten angeboten, die auch seiner Kostform entsprechen.»
Um das Küchenteam zu entlasten, ist geplant, dass im Luzerner Kantonsspital bald ein neuer Mitarbeiter seinen Dienst antritt: ein Kochroboter. «Wir sind sehr stolz auf unsere Küche, und das bleibt auch so», stellte der Leiter Gastronomie Bastian Mantey klar. «Um aber auch zu Randzeiten hochwertige Mahlzeiten anbieten zu können, gehen wir diesen neuen Weg.» Der Roboter kommt von der deutschen Firma Goodbytz. Diese hat drei Modelle im Angebot, die alle vollständige Mahlzeiten herstellen können. Eines davon liefert kalte Bowls, die anderen beiden auch warme Gerichte. Das Modell Enzo arbeitet vollkommen autonom. Die Gäste wählen ihr Gericht und holen dieses auch selbst mittels QR-Code aus einer Abholbox. «Der Mitarbeitende, der den Roboter bedient, muss nur wissen, wie man diesen befüllt und reinigt», sagte Ulrich Rohrmayr von Goodbytz. «Per Videoüberwachung durch unserem Support können wir Probleme früh erkennen und eingreifen.» Der Kochroboter sorgte im Publikum für einige Diskussionen. «Ich bin da zwiegespalten», sagte auch Kurt Aeschbacher, der die Veranstaltung moderierte. Er fände es traurig, wenn die menschliche Interaktion rund uns Essen komplett wegfallen würde.
Dass der Mensch und seine Empathiefähigkeit gerade im Gesundheitsbereich unersetzlich ist, zeigte das Symposium Hotellerie im Gesundheitswesen aber genauso wie die Bedeutung neuer Technologien. Veranstaltungen wie diese zeigen, wie wichtig Austausch ist, gerade in herausfordernden Zeiten.
(Alice Guldimann)
600 Millionen Franken kostete das neue Spitalgebäude. Im Zentrum steht die sogenannte Heilende Architektur. Lichtdurchflutete Räume, sanfte Farben und natürliche Materialien sorgen dafür, dass kein bedrückendes Spitalgefühl entsteht. Hinter dem Design verbirgt sich jede Menge High-Tech. Von neuester Medizintechnik über ein hochmodernes Rohrpostsystem bis zum digitalen Spitalmanager, der Beleuchtung, Energie- und Klimasysteme optimiert und den Energieverbrauch reduziert.
Auch die Hotellerie wird durch Technologie unterstützt. So werden die Mahlzeiten von Transportrobotern auf die Stationen verteilt. «Das neue System hatte in der Anfangszeit mit einer ganzen Reihe von Kinderkrankheiten zu kämpfen», sagt Andri Müller, Leiter Küche. «Im Grossen und Ganzen läuft die Anlage jetzt aber stabil und führt für uns rund 100 Transporte täglich aus.»
Durch ein neues Speiseverteilsystem beim Frühstück konnte Müller ausserdem in der Küche die Zimmerstunde abschaffen. Pro Station gibt es im neuen Spital zwei Frühstückswagen – einen mit Kaffee, einen mit dem Speisenangebot, der über Kühlmöglichkeiten verfügt. Die Wagen haben einen elektrischen Antrieb und lassen sich so leicht von Zimmer zu Zimmer schieben. Dort wählen die Patienten aus, was sie gerne hätten. So entsteht auch deutlich weniger Food Waste.
Keine typische Spitalkantine ist das Mitarbeiterrestaurant Waldblick. Gestaltung und Angebot sollen Wertschätzung widerspiegeln. «An unserer Front-Cooking-Station können wir uns kulinarisch ausleben», sagt Andri Müller. Von Pizza und Pasta über Kebab bis zu Wok-Gerichten sei alles möglich. Durch das neue Konzept habe man den Food Waste im Mitarbeiterrestaurant um 80 Prozent reduzieren können.
In einem High-Tech-Spital zu arbeiten, habe Vor- und Nachteile. «Unsere Küche ist hell, geräumig, bietet Sicht ins Grüne und ist sogar klimatisiert.» Wenn seine Mitarbeitenden aber die Küche nicht betreten oder keine Berufswäsche beziehen könnten, weil die Zutritte nicht funktionierten, sei dies ärgerlich. Insgesamt sieht der Leiter Küche Technologie aber als Chance, Köchinnen und Köchen mehr Zeit dafür zu geben, was ihren Beruf ausmacht. «Intelligente Tools, zum Beispiel für Dienstplanung oder Bestellungen, können die Effizienz massiv steigern.» ALICE GULDIMANN

Das Symposium sollte nicht nur Kaderleute ansprechen, sondern auch Mitarbeitende, die neue Impulse suchen. Wir wollen eine Plattform für die Hotellerie und Patientenverpflegung in Spitälern und Heimen bieten, damit alle voneinander lernen. In der Spitalwelt nehmen wir uns nicht als Konkurrenten wahr. Ziel von uns allen ist, den Spitalaufenthalt der Patienten zu verbessern.
Wir haben den Vorteil planbarer Arbeitszeiten. Aber auch für uns ist nicht einfach, Mitarbeitende zu finden, die am Wochenende arbeiten. Zusätzlich sind wir auf gut ausgebildete Personen angewiesen. Sie tragen Verantwortung dafür, dass ein Patient die richtige Mahlzeit erhält. Fehler können Konsequenzen haben, für den Patienten sowie den Spitalbetrieb, wenn beispielsweise Eingriffe verschoben werden müssen.
Es ist weithin akzeptiert, dass wir durch unseren Service viel zum Wohlbefinden der Patientinnen und Patienten beitragen. Wenn jemand nicht isst, muss er länger bleiben, weil sich der Körper weniger schnell regenerieren kann. Deshalb lohnt es sich auch aus unternehmerischer Sicht, einen guten Service anzubieten.
In der Robotik und Logistik gibt es viel Potenzial, um Mahlzeiten auf die Stationen zu liefern oder Patienten aus dem Bett zu heben. Auch eine automatische Bandkontrolle der Bestellungen ist denkbar. Den Pflege- oder Service-Roboter, der individuell und auf den Menschen eingeht, sehe ich – zumindest in den nächsten zehn Jahren – noch nicht.