Die Gastkolumne von Carmen Himmel, Direktionsassistentin, Kartause Ittingen, Warth/TG.
Mit den Jahren wird ein Betrieb zur vertrauten Bühne. Jeder Handgriff sitzt, jeder Ablauf ist eingespielt. Darin liegt eine bekannte Gefahr: Was für uns selbstverständlich ist, kann für Gäste unklar, umständlich oder gar unangenehm sein. Es mag sich ungewohnt anfühlen, aber wer sich einen Perspektivenwechsel erlaubt und (wieder) einmal als Hotelgast im eigenen Betrieb eincheckt, schärft den Blick für Wirkung statt Gewohnheit – und entdeckt konkrete Möglichkeiten, um das Gästeerlebnis spürbar runder zu machen. Es ist anders als der regelmässige Rundgang oder das gelegentliche Mittagessen im Restaurant. Denn man sieht nicht nur, man nutzt, man spürt, man erlebt. Selbst klarkommen müssen mit der Zimmertechnik, mit der Duscharmatur, mit der Ablagemöglichkeit fürs Necessaire. Schnell wird man daran erinnert, wie stark der Wohlfühlfaktor von Kleinigkeiten abhängt. Der Duft. Das Bett. Das Licht. Die Haptik der Materialien. Fühlen sich Entscheidungen, die man einst gefällt hat, stimmig an? Und: Sind sie noch zeitgemäss? Details prägen den Eindruck von Sorgfalt, sei es bezüglich Sauberkeit an weniger offensichtlichen Stellen oder in der Auswahl von Gästematerial und Aufmerksamkeiten. Viele kleine Eindrücke summieren sich zu einem Gefühl. Und Gefühle bleiben – weit stärker als Fakten. Das Spannende: Man muss nichts erzwingen oder künstlich testen. Die Hinweise kommen von selbst. Viele Punkte lassen sich rasch verbessern. Eine zusätzliche Info, eine andere Platzierung, eine kurze Sensibilisierung im Team. Andere Erkenntnisse brauchen Zeit und fliessen später in grössere Anpassungen ein. Beides ist wertvoll.
