«Ich geniesse die Selbstständigkeit»

Der Landgasthof zur alten Herberge in Niederbüren/SG ist ein traditioneller Betrieb, der von einer jungen Berufsfrau geführt wird.

Wenn es ihre Zeit erlaubt, steht Jasmin Angehrn ab und zu in der Küche. (ZVG)

Jasmin Angehrn, wie ist es dazu gekommen, dass Sie den Landgasthof zur alten Herberge übernommen haben?

Meine Eltern, mein Bruder und ich sind schon sehr lange Gäste hier. Und als der ehemalige Besitzer Rolf Bossart uns mitteilte, dass er aufhört, wurde die Übernahme für unsere Familie ein Thema. Ausserdem liebäugelte ich schon länger damit, mich selbständig zu machen.

Sie haben den Betrieb im letzten Jahr umfassend renovieren lassen. Was musste gemacht werden?

Als wir die «Alte Herberge» übernommen hatten, war uns klar, dass es einiges zu tun gibt. Wir haben beispielsweise im Riegelhaus in der Gaststube und in der Äbtestube Böden, Leuchten, Fenster und Türen erneuert. Die Küche haben wir ebenfalls komplett neu erstellt. Davor befand sie sich auf zwei Etagen, was unpraktisch war.

Beim Landgasthof zur alten Herberge handelt es sich um ein denkmalgeschütztes Haus. Welche Herausforderungen gab es beim Umbau?

Die Planung haben wir bereits 2023 nach der Übernahme des Betriebs begonnen. Ab Oktober 2024 bauten wir ein Jahr lang um. Damit wir dennoch für unsere Gäste da sein konnten, zogen wir in einen Holzpavillon hinter dem Haus, der als Provisorium diente. Für den Umbau des Hauses haben wir einen Architekten engagiert, der sich mit solchen Umbauten bestens auskannte. Das hat die Sache immens erleichtert.

Konnten Sie die bestehenden Mitarbeitenden auch übernehmen?

Das gesamte Team ist geblieben. Sie haben beim Vorbereiten des Umbaus und Einrichten des Provisoriums tatkräftig mitgeholfen. Wir sind froh, dass wir die Mitarbeitende unseres Vorgängers beschäftigen dürfen. Aktuell gehören zwischen 18 und 22 Mitarbeitende zu unserem Team.

Bilden Sie auch Lernende aus?

Selbstverständlich, wir haben drei Lernende in der Küche und eine Lernende im Service. Man kann sich nicht über den Fachkräftemangel beklagen und selbst nichts dagegen tun. Wichtig für mich ist jedoch, dass die jungen Menschen wirklich eine Ausbildung in der Gastronomie machen möchten. Nur aus Gefälligkeit bilden wir nicht aus. Zudem haben wir einen Mitarbeiter aus dem zweiten Arbeitsmarkt eingestellt. Das ist für beide Seiten ideal. Er unterstützt das Küchenteam bei den Vorbereitungsarbeiten, was sehr wertvoll ist. Zudem möchte er später, wenn möglich, eine Ausbildung absolvieren.


«Die Arbeit in der Gastronomie ist sehr vielseitig, und das ist es, was mir Spass macht.»


Was fasziniert Sie an der Gastronomie?

Es ist kein Tag wie der andere, das gefällt mir. Die Arbeit fordert die Kreativität und das Handwerk gleichermassen. Und die Gastronomie lässt sich nicht durch KI ersetzen. Zudem schätze ich die Gespräche mit den Gästen. Mir macht auch die administrative Arbeit grossen Spass. Kurz, die Vielfalt in unserer Branche.

Ihr Vorgänger Rolf Bossart führte den Betrieb 18 Jahre lang. Was konnten Sie von ihm mitnehmen?

Während der Übergabe waren wir drei Wochen lang gemeinsam im Betrieb. Er hat mich den Gästen sowie den Geschäftspartnern vorgestellt. Sein Konzept habe ich übernommen und später schrittweise an meine Vorstellungen und an das Restaurant angepasst.

Wie ist es für Sie als junge Berufsfrau, einen solchen Betrieb zu führen?

Ich fühle mich in meiner Aufgabe sehr wohl. Zugute kommt mir natürlich, dass ich ausgebildete Köchin sowie Konditorin-Confiseurin bin. Ausserdem habe ich die Hotelfachschule Belvoirpark in Zürich absolviert. Dank meiner Ausbildung befinde ich mich mit meinen Mitarbeitenden und Geschäftspartnern auf Augenhöhe. Ausserdem versuche ich, ein wertschätzendes und spannendes Arbeitsumfeld zu schaffen. Wir setzen zum Beispiel nicht nur Klassiker auf die Speisekarte, sondern probieren auch viel aus, das ist für die Mitarbeitenden spannend. Und wir führen zahlreiche spezielle Events durch, was die Arbeit zusätzlich interessant macht.

Wie würden Sie das Konzept Ihres Betriebes beschreiben?

Grundsätzlich kann man sagen: Geschichte trifft auf Moderne. Das spiegelt sich im Gebäude und in der Küche wider. Zudem setzen wir auf Gastfreundschaft und Begegnung sowie auf Regionalität und Qualität.

In einem ländlichen Ort wie Niederbüren ist es sicher wichtig, dass man lokale Lieferanten berücksichtigt?

Wir beziehen viele Lebensmittel direkt aus dem Ort oder aus der näheren Umgebung. Rolf Bossart hat das so gehandhabt und wir bauen es noch aus.

(Daniela Oegerli)


Mehr Informationen unter:

alte-herberge.ch


Zur Person

Jasmin Angehrn (29) ist ausgebildete Köchin und Konditorin-Confiseurin. Sie hat die Hotelfachschule Zürich absolviert und ist Teammitglied der Swiss Culinary Creators. Zusammen mit ihren Eltern und dem Bruder hat sie den Landgasthof zur alten Herberge in Niederbüren erworben.