L-GAV: Gute Leute verdienen guten Lohn

Die Verhandlungen über einen neuen Landes-Gesamtarbeitsvertrag L-GAV laufen derzeit auf Hochtouren. Was fordert die Hotel & Gastro Union?

Applaus für feines Essen reicht nicht. Wer gut kocht, soll auch von guten Arbeitsbedingungen profitieren können. (Keystone-SDA)

Die Branche hat seit Jahren dieselben Probleme: Tiefe Löhne in Verbindung mit unattraktiven Arbeitszeiten treiben immer mehr Mitarbeitende aus dem Beruf. Zurück bleiben jene, die die steigende Arbeitslast auffangen müssen. Der Arbeitskräftemangel führt zu Ertragseinbussen. Viele Betriebe reagieren mit Sparmassnahmen, was die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert. Ein Teufelskreis, aus dem die Sozialpartner ausbrechen wollen. Und so will es die Arbeitnehmerorganisation Hotel & Gastro Union:

Lohn: Wertschätzung, die man bezahlen kann

Arbeit ist etwas wert – und darf etwas kosten. Wer jahrelang Erfahrung gesammelt hat, Verantwortung trägt und am Abend, in der Nacht sowie an Wochenenden im Einsatz ist, braucht Perspektiven und nicht nur Applaus von den Gästen oder ein nettes Trinkgeld. Ohne faire Löhne wandern jene Fachkräfte ab, auf welche die Branche dringend angewiesen ist. Deshalb fordert die Hotel & Gastro Union eine spürbare Mindestlohnerhöhung auf allen Qualifikationsstufen. Dazu kommen ein automatischer, jährlicher Teuerungsausgleich sowie die Erfahrungsstufen als lohnrelevanter Faktor. Auch ausländische Abschlüsse müssen genauso anerkannt werden wie inländische. Faire Löhne sind kein Luxus, sondern Voraussetzung dafür, dass gute und motivierte Berufsleute in der gesamten Branche gehalten werden können.

Esther Lüscher ist Präsidentin der Arbeitnehmerorganisation Hotel & Gastro Union und verhandelt zusammen mit ...

Arbeitszeiten: die Freizeit und das Familienleben planen können

Zimmerstunden, Wochenendarbeit und spontane Dienstplanwechsel – das zerstört die Vereinbarkeit von Beruf, Familie, Freizeit und Aus- und Weiterbildung. Planbarkeit ist heute ein zentrales Attraktivitätskriterium, vor allem für jüngere Mitarbeitende. Die Hotel & Gastro Union setzt sich deshalb für eine Senkung der Arbeitszeit in Klein- und Saisonbetrieben ein. Dienstpläne müssen mit einem längeren Planungshorizont erstellt werden. Darüber hinaus sollen kurzfristige Einsatzänderungen abgelehnt werden können. Hinzu kommt im neuen Vertragswerk die Verankerung eines Anspruchs auf zusammenhängende Ruhetage.

... Roger Lang, Leiter Recht, Sozialpolitik & Kampagnen, im Interesse der Mitglieder einen neuen Landes-Gesamtarbeitsvertrag.

Bessere Löhne und Arbeitszeiten sind nur zwei von insgesamt fünf Forderungen, mit denen die Hotel & Gastro Union derzeit in den L-GAV-Verhandlungen steht. Dieses Vertragswerk gilt für insgesamt 280'000 Beschäftigte im Schweizer Gastgewerbe. Neben Mindestlöhnen und Arbeitszeiten regelt der L-GAV auch die Ferien- und Feiertage, die Lohnfortzahlung bei Krankheit und Unfall sowie die Beiträge an Aus- und Weiterbildungen. Nicht zuletzt bietet er Schutz vor Missbrauch bei Missachtung der Regelungen.

Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag entsteht nur, wenn sich Arbeitnehmer- und Arbeitgeber einigen. Kommt es am Verhandlungstisch zu einer Einigung, müssen die jeweiligen Verbandsgremien das Vertragswerk noch genehmigen. Der Bundesrat erklärt es schliesslich in letzter Instanz für allgemeinverbindlich. Im besten Fall tritt der neue Landes-Gesamtarbeitsvertrag für das Gastgewerbe 2028 in Kraft.

(rup)


Ohne die HGU kein neuer L-GAV

Gute Löhne und gute Arbeitsbedingungen im Gastgewerbe fallen nicht vom Himmel. Um sie wird heftig gerungen. Je stärker die Hotel & Gastro Union ist, desto stärker ist ihre Stimme.

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