«Die Ausbildungen müssen näher an den Markt»

Die Grundbildungen in der Gastronomie und der Hotellerie werden derzeit überprüft. Wie sie in Zukunft aussehen, soll in wenigen Jahren klar sein.

Eine gute Ausbildung bildet das Fundament der Branche. (Adobe-Stock)

Mike Kuhn, was bedeutet «Gastgewerbliche Berufsbildung 2030» genau?

Mit dem aktuellen Projekt «Gastgewerbliche Berufsbildung 2030» möchte Hotel & Gastro formation Schweiz in Weggis/LU zu einer langfristigen Sicherung des Berufsnachwuchses und damit der Wettbewerbsfähigkeit der Hotellerie und Gastronomie beitragen. Wir reagieren damit auf das grosse Bedürfnis eines strukturierten Vorgehens in der Entwicklung der Berufe der Branche. Ziel ist, praxisorientierte und zukunftsfähige Lösungsansätze zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Branche entsprechen und den Lernenden eine erstklassige Qualifikation bieten.

Wie sieht das Vorgehen aus?

Wir haben im letzten August elf Anspruchsgruppen zu den Grundbildungen in der Gastronomie und Hotellerie befragt. Darunter waren Schülerinnen und Schüler, Lernende, Lehrpersonen in Berufsfachschulen, Ausbildungsbetriebe, Betriebe, die nicht ausbilden, und Eltern. Wir konnten bis Februar über 6000 Rückmeldungen sammeln. Nun sind wir daran, diese auszuwerten. Jede Zielgruppe konnte rund fünfzig auf sie angepasste Fragen beantworten.

Welche Organisationen sind involviert?

Unsere Begleitgruppe besteht unter anderem aus Mitgliedern der Trägerverbände, Personen aus den kantonalen Bildungsämtern, Florian Berset als Vertreter des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, Arbeitgebenden, Arbeitnehmenden und Berufsfachlehrpersonen. Auf unserer Website ist ein Anmeldeformular aufgeschaltet, über das sich Interessierte für eine Mitarbeit melden können.

Wie weit ist das Projekt derzeit?

Im Moment sind wir daran, die Fragebogen auszuwerten. Einen grossen Teil haben wir bereits bearbeitet, und es liegen auch schon Erkenntnisse vor.


Mike Kuhn ist Vizedirektor bei HGf Schweiz. Er ist für das Projekt «Gastgewerbliche Berufsbildung 2030» verantwortlich.


Können Sie Beispiele nennen?

Bei den Umfragen kam beispielsweise heraus, dass die Arbeitszeiten für den Einstieg in die Branche kein Hindernis sind. Wichtig dabei ist, dass die Lernenden ihre Freizeit rechtzeitig und verlässlich planen können. Zudem sind ein gutes Arbeitsklima und Wertschätzung gefragt. Das heisst, neben den Ausbildungsinhalten wünschen sich vor allem Schülerinnen und Schüler ein angenehmes Umfeld, das von Wertschätzung und gutem Arbeitsklima geprägt ist. Bei der Frage, welche Berufsbilder der Markt in Zukunft braucht, zeigt sich über alle Zielgruppen hinweg, dass Spezialisierungen in den Berufen erst nach der Lehre geschehen sollten. Einigkeit herrscht darin, dass eher eine generalistische Grundbildung zielführend ist.

Was ist bis Ende dieses Jahres geplant?

Wir sind nach wie vor daran, die vorliegenden Daten auszuwerten. Zudem organisieren wir Fokusgruppen, mit denen wir in Workshops die Ergebnisse weiter diskutieren und vertiefte Fragen beantworten wollen.

Welches Ziel verfolgt das Projekt langfristig?

Im ersten Quartal 2027 beginnen wir zu planen, in welche Richtung die Grundbildungen in der Gastronomie und Hotellerie in Zukunft gehen sollen. Wir möchten Berufe entwickeln, welche die Branche braucht. Denn es stellt sich regelmässig die Frage, ob wir die richtigen Kompetenzen vermitteln. Die Grundbildungen sollen für die zukünftigen Lernenden attraktiv sein und gleichzeitig den Bedürfnissen der gesamten Branche entsprechen.

(Daniela Oegerli)


Mehr Informationen unter:

hotelgastro.ch/projekt-ggbb-2030


Entwicklungsprozess

Die Ergebnisse der Auswertungen sowie der Verlauf des Projekts werden in regelmässigen Abständen auf der Website der Hotel & Gastro formation Schweiz unter «News und Aktuelles» veröffentlicht.