Am 5. Juni war Weltumwelttag. Er soll das globale Bewusstsein für Umweltschutz schärfen und zum aktiven Handeln anregen. In der Hospitality-Branche wird in Sachen Nachhaltigkeit bereits viel getan.

Die UNO hat auch einen internationalen Tag der nachhaltigen Gastronomie proklamiert. Dieser ist jeweils am 18. Juni. Infos dazu gibt es unter fao.org.
Schneebedeckte Berggipfel oder türkisblaues Meer mit Palmenstrand – Tourismus ist ein Industriezweig, der weltweit auf eine gesunde Umwelt angewiesen ist. Es müsste daher im Eigeninteresse von allen liegen, die direkt und indirekt vom Tourismus leben, der Umwelt sorge zu tragen.
Um dieses Bewusstsein global zu wecken und zu schärfen, gibt es den internationalen Weltumwelttag. Er wurde am 5. Juni 1972 in Stockholm ins Leben gerufen. An diesem Tag fand in der Hauptstadt Schwedens der erste Weltumweltgipfel der Vereinten Nationen statt. Seit 1974 steht der World Environment Day der UNO jeweils unter einem Motto. 2026 lautet es «Climate Action». Ebenfalls jährlich wechselt das Gastgeberland, in welchem die UNO-Weltumwelttag-Hauptveranstaltung stattfindet. Dieses Jahr war Aserbaidschan der Gastgeber.
Zusätzlich zur Hauptversammlung finden weltweit Aktionen statt. Auch Schweizer Umweltorganisationen nutzen den Weltumwelttag, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Der WWF und das renommierte Gottlieb Duttweiler Institute wiesen darauf hin, dass die Schweiz bereits am 11. Mai den «Overshoot Day» erreicht hatte. Das bedeutet: Rechnerisch hat die Schweiz am 11. Mai ihr Jahresbudget an natürlichen Ressourcen aufgebraucht und lebt ökologisch den Rest des Jahres auf Kosten anderer Regionen und kommender Generationen.
«Jetzt ist die Zeit zum Handeln – für unsere Umwelt und unsere Zukunft.»
Antonio Guterres, Generalsekretär der Vereinten Nationen
Der Overshoot Day wird vom Global Footprint Network berechnet. Dessen Daten zeigen: Die Schweiz liegt im Ländervergleich im oberen Drittel der Überverbraucher. Der globale Overshoot Day wird voraussichtlich um den 24. Juli herum sein. Was auch keine gute Nachricht ist. Sie bedeutet, dass die gesamte Menschheit wesentlich mehr Ressourcen verbraucht, als regenerierbar sind.
Der Tourismus gilt als eine der umweltschädlichsten Branchen weltweit. Er verursacht acht bis zwölf Prozent der globalen Treibhausemissionen. Rund ein Viertel dieser klimaschädlichen Emissionen entstehen bei der An- und Abreise der Gäste. Weitere tourismusmotivierte Belastungen sind die Versiegelung von Landflächen durch den Bau von Unterkünften, Strassen, Flughäfen und Freizeitattraktionen, übermässiges Gästeaufkommen (Overtourism) und erhöhter Verbrauch von Wasser, Strom und Lebensmitteln. Die tourismusbedingte Zunahme von Abfall und Abwasser belastet die Umwelt zusätzlich.
In der Schweiz ist man sich der Problematik schon länger bewusst und reagiert mit verschiedenen Programmen und Konzepten. Dies sowohl auf politischer Ebene wie auch branchen- oder auch betriebsintern (siehe Boxen).
Touristische Unternehmen, die umweltschonend handeln und nachhaltig wirtschaften, können mit durchdachten Massnahmen Ressourcen und damit auch Geld sparen. Zudem wirkt sich ihr Tun positiv auf das Image ihres Betriebes aus: als verantwortungsvolle Gastgeber, aber auch als zeitgemässe Arbeitgeber, die sinnstiftende Jobs anbieten.
(Riccarda Frei)
Mehr Informationen unter: uvek.admin.ch/de/klima

Anita Gschwind ist bei Ibex Fairstay Ansprechperson für Hotels, Ferienwohnungen, Campingplätze und Hostels, ihre Kollegin Monika Reinau für die Gastronomie.
Aktuell sind 150 Betriebe mit Ibex Fairstay zertifiziert, 20 weitere sind auf dem Weg dahin. Die Nachfrage nach Zertifizierung hat sich auf konstantem Niveau eingependelt. Wir spüren, dass Digitalisierung, Fachkräftemangel und geopolitische Lage die Branche beschäftigen und Nachhaltigkeit etwas aus dem Blick gerät. Betriebe, die Wert auf langfristige Qualität legen, interessieren sind aber weiterhin für ein Tool, welches sie auf dem Weg zur Nachhaltigkeit begleitet und durch ihren ganzen Betrieb führt.
Ja, wir sind eine neutrale Stelle, die hilft, Management und Mitarbeitende zu sensibilisieren, Scheuklappen zu öffnen und hinzuschauen. Gemeinsam durchleuchten wir den ganzen Betrieb, um herauszufinden, wo und wie er nachhaltiger sein kann. Dazu erfragen wir zum Beispiel auch Krankheits- sowie Unfalltage und schauen uns die Angebotsgestaltung – vom Einkauf über Menügestaltung bis zu Lebensmittelresten – genau an. Über Foodsafe wird viel geredet, aber nur mit genauem Messen und Hochrechnen der Kosten wird ins Verständnis gebracht, wie viel Geld ein Betrieb spart oder wortwörtlich wegwirft. Gemäss einer United-against-Waste-Studie betragen die Vollkosten für ein Kilo Lebensmittelabfall nämlich 24 Franken.
Nachhaltigkeit wird in vielen Betrieben gut gelebt. Sie kann aber oft nicht kommuniziert werden, weil sie ohne Zertifizierung nicht nachweisbar ist. Oft werden die Massnahmen kaum kontrolliert und die Ergebnisse gemessen. Das ist aber nötig, damit man sieht, ob und wie sie greifen.
In der Regel fünf bis acht Monate.
Neu zertifiziert sind die Casa Santo Stefano in Miglieglia/TI sowie sieben Restaurants der Segmüller Collection in Zürich. Rezertifiziert wurde das Hotel Gaia in Basel.
(rif)
Schon seit Jahren beschäftigt sich die SV Group intensiv mit den verschiedenen Facetten der Nachhaltigkeit. Das Gastronomie- und Hotelmanagement-Unternehmen mit Sitz in Dübendorf betreibt rund 500 Betriebe und beschäftigt gegen 5500 Mitarbeitende. Nun hat das Unternehmen erstmals einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht, der alle Aktivitäten aus der gesamten Gruppe enthält und sich an den European Sustainability Reporting Standards ESRS orientiert. Der Bericht macht Entwicklungen und Herausforderungen in den Bereichen Ernährung, Energie, Kreislaufwirtschaft und soziale Verantwortung transparent. Unter anderem geht aus dem SV-Nachhaltigkeitsbericht hervor, dass der Lebensmittelabfall pro Hauptmahlzeit seit 2006 um rund 40 Prozent gesenkt wurde.
Zudem achtet das Unternehmen auf klimafreundliche Angebote. So waren 2025 in der Gemeinschaftsgastronomie über 60 Prozent der Speisen fleischlos. Kommt Fleisch auf den Teller, stammen 76 Prozent davon aus IP-Suisse-Betrieben. Und der Fisch kommt sogar zu 99,5 Prozent aus Quellen, die der WWF empfehlenswert oder akzeptabel findet. Damit Gäste wissen, wie umweltfreundlich ein Menü ist, setzt SV das Menüorientierungssystem Eco-Score ein. Zusätzlich verfolgt SV wissenschaftsbasierte Klimaziele, um langfristig Netto-Null zu sein.
Dass Überproduktion und Lebensmittelwegwerfen nicht nur der Umwelt, sondern auch dem Geldbeutel schaden, dürfte inzwischen wohl jedem bekannt sein. Nachhaltige Kulinarik beginnt daher bereits bei der Menüplanung und beim Wareneinkauf. Ein starkes Zeichen setzt diesbezüglich Novotel. Vor zwei Jahren startete die Hotelkette eine Partnerschaft mit WWF Frankreich. Seither haben 41 Prozent der Novotel-Hotels im Einklang mit den WWF Sustainable Seafood Principles mehr als 350 gefährdete Fisch- und Meeresfrüchtearten von ihren Speisekarten gestrichen. Zudem setzt sich die Hotelkette für die Rückverfolgbarkeit der Lieferkette bei Fischen und Meeresfrüchten ein und hat bereits mehr als 1600 Köche und Köchinnen ein WWF-Seafood-Training absolvieren lassen.
Man muss kein internationaler Grosskonzern sein, um nachhaltig zu kochen. Das beweist Oliver Thialer in der «Chasa Chalavaina» im Münstertal/ GR. Der Küchenchef des historischen Hotels des Jahres 2024 bezieht 80 Prozent der Zutaten, die er verwendet, von Produzenten aus der Region. Das Münstertal sei ein Mikrokosmos mit einer unverbrauchten, wertvollen Erde. «Es ist der Boden, der für die Aromenfülle sorgt», sagt Oliver Thialer. Für ein Gericht seiner Terroir-Küche setzt der Südtiroler drei, höchstens vier Komponenten in Szene.
Immer öfter buchen Gäste Auszeiten, in denen sie sich ihrem körperlichen und mentalen Wohlbefinden widmen. Das Romantik-Hotel Schweizerhof in Flims beispielsweise bietet ganzheitliche Programm an: von A wie Achtsamkeit bis Z wie Zen. Es führt auch seit über 15 Jahren Yoga-Retreats durch, und die Co-Direktorin Sandra Schmidt ist ausgebildete Meditations- und Achtsamkeitstrainerin. Damit der Wohlfühleffekt nicht mit der Heimreise verpufft, gibt es Hotels, die Pflegeprodukte, aber auch Nachbetreuung wie Telefon- oder Videocoachings für Zuhause anbieten.
Ein Angebot, das in der Schweiz gerade lanciert wird, sind die Take-Care-Pakete der Good-Life-Online-Akademie von Silke Sieben. Die deutsche Psychologin mit Schwerpunkt Arbeits- und Organisationspsychologie, hat ganzheitliche, digitale Self-Care-Begleitprogramme für Gäste entwickelt. Damit können Hotels ihren Gästen ohne zusätzlichen Zeit-, Infrastruktur- und Personalaufwand eine bis zu zwölfmonatige Begleitung und Nachbetreuung anbieten. Dadurch entsteht eine tiefere, nachhaltige Gästebindung über den eigentlichen Hotelaufenthalt hinaus. Hotels können die Take-Care-Pakete den Gästen entweder als individuell buchbare Zusatzprodukt (Up-Selling) anbieten oder sie in die bestehende Wellness- und Healthpauschalen inkludieren.
Seit 2022 ist das Kompetenzzentrum Nachhaltigkeit Kona die zentrale Anlauf- und Vermittlungsstelle für Anliegen im Bereich des nachhaltigen Tourismus in der Schweiz. Das Kona fördert entsprechende Entwicklungen entlang der gesamten touristischen Wertschöpfungskette, bündelt Ressourcen, unterstützt den Wissensaufbau und -transfer und misst die Wirkung der getroffenen Massnahmen.
Der Tourismus bringt einer Destination Mehrwert, kann aber auch den Alltag der lokalen Bevölkerung belasten. Damit das Zusammenspiel zwischen Gästen und Einheimischen nachhaltig gelingt, braucht es ein bewusstes, respektvolles Miteinander. Eine neue Toolbox mit sechs Modulen, Good-Practice-Beispielen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen soll Destinationen und touristischen Leistungsträgern als Inspiration dienen, das Thema Tourismusakzeptanz in ihrem Umfeld systematisch zu bearbeiten. Erarbeitet wurde die Toolbox von der Regional Tourism Alliance RTA, Schweiz Tourismus, dem Schweizer Tourismus-Verband STV sowie der Hochschule Luzern HSLU. Die Toolbox ist kostenlos verfügbar. Auf der Webseite des STV in der Rubrik Nachhaltigkeit gibt es den Bereich Sustainable Tourism Network. Dort werden die Toolbox und ihre Verwendungsmöglichkeiten in einer Videopräsentation vorgestellt.
Nicht nur Betriebe können nachhaltig agieren und sich zertifizieren lassen, sondern auch ganze Tourismusdestinationen. Das Nachhaltigkeitsprogramm Swisstainable zeichnet neben Hotels, Restaurants, Bergbahnen und anderen Leistungsträgern auch Ferienregionen aus. Das Label «Swisstainable Destination» baut auf dem Swisstainable-Basisprogramm für Betriebe auf und ist, wie dieses, dreistufig. Die Stufen heissen «Level I – committed», «Level II – engaged» und «Level III – leading».
Erst vor kurzem sind die Destinationen Davos-Klosters/GR und Saas-Fee/VS mit dem Label «Swisstainable Level II – engaged» ausgezeichnet worden. Bereits im Januar konnte sich Zug Tourismus über das Erreichen dieser Zertifizierungsstufe freuen. Joel de Buren, Leiter Marketing und Nachhaltigkeitsverantwortlicher bei Zug Tourismus, betonte damals: «Dieser Schritt war für uns ein wichtiger und lehrreicher Meilenstein. Diesen Weg möchten wir konsequent weitergehen, weitere Projekte realisieren und die Destination verantwortungsvoll und zukunftsorientiert weiterentwickeln.»
In Sachen Nachhaltigkeit als führend bezeichnen, dürfen sich in alphabetischer Folge die «Level III – leading»-Tourismusdestinationen Basel, Biosfera Val Müstair, Engadin Scuol Zernez, Gstaad, Surselva, Unesco Biosphäre Entlebuch und Zürich.
«Wie wird Nachhaltigkeit zum Wettbewerbsvorteil ohne Greenwashing?» Diese Frage wird am dritten Netzwerktag «Graubünda wiitsichtig», am 25. August, geklärt. Eines ist jetzt schon klar: Damit Nachhaltigkeit kein leeres Versprechen ist, braucht es Authentizität, Transparenz und einen ganzheitlichen Kommunikationsansatz. Dieser wird am Netzwerktag in einem Workshop vertieft.
Mit dem KI-Tool Verdai werden dann die Erkenntnisse aus dem Workshop direkt umsetzbar gemacht. Zudem wird die Nachhaltigkeitskommunikation auf ihre Glaubwürdigkeit, Marketingtauglichkeit und Regelkonformität überprüft. Ergänzend dazu wird exklusiv eine Studie mit Erkenntnissen zu anonymisierten Daten vorgestellt. Diese wurden mit dem KI-Tool Verdai gesammelt und aufbereitet. Verdai ist ein Werkzeug zur Überprüfung von Nachhaltigkeitsaussagen im Tourismus. Es hilft Unternehmen, ihre «Green Claims» transparent, nachvollziehbar und regelkonform zu gestalten, was sie vor Greenwashing-Risiken schützt.
Bereits am 18. Juni, um 10 Uhr, wird in einem Live-Webinar gezeigt, wie Verdai funktioniert und wie sich damit Nachhaltigkeitskommunikation optimieren lässt. Die Teilnahme ist kostenlos, aber verbindlich. Die Plätze sind begrenzt, daher ist eine Anmeldung bis 17. Juni erforderlich.