Wie man Wissen so lange wie möglich in der Branche behält

Länger arbeiten statt Frühpensionierung: Damit ältere Mitarbeitende im Beruf bleiben, braucht es konkrete Massnahmen.

Der Bundesrat hat Ende Mai die Vernehmlassung zur AHV-Reform 2030 gestartet. Ein zentraler Punkt ist dabei, Frühpensionierungen wo möglich zu verhindern und das Weiterarbeiten über das Pensionsalter hinaus zu fördern. Frühpensionierungen sollen künftig erst ab 63 Jahren möglich sein, nicht wie bisher ab 58.

Damit das funktioniert, müssen sich Betriebe verstärkt nach den Bedürfnissen von Mitarbeitenden über 60 richten, um Arbeitsfähigkeit und Motivation zu erhalten. Der Oberbegriff für solche Massnahmen lautet Altersmanagement. Dabei werden Arbeitsanforderungen und -bedingungen an die Leistungsfähigkeit angepasst. Häufige Gründe für das frühzeitige Verlassen der Arbeitswelt seien konstante psychische und physische Belastung sowie Schicht- und Nachtarbeit.

Altersmanagement ist auch ein Thema für die Schweizer Jugendherbergen. «Wir setzen auf Gesundheits- und Unterstützungsangebote sowie attraktive Vorsorgelösungen, um Mitarbeitende langfristig zu begleiten», sagt Karin Joss, People & Culture Manager. Dazu gehörten externe Sozialberatung, Case Management bei Krankheit oder Unfall sowie eine Pensionskassenlösung, die besonders Teilzeitmitarbeitende besserstelle. Langjährige Mitarbeitende profitierten von Benefits wie Treueprämien in Form eines zusätzlichen Monatslohns sowie sechs Wochen Ferien.


«Wir investieren in Aus- und Weiterbildung für alle Altersgruppen.»

Karin Joss, Schweizer Jungendherbergen


Die Arbeit in einer Jugendherberge sei ausserdem vielseitig, wodurch sich flexible Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten ergeben. «Mitarbeitende können je nach Erfahrung, Interessen und Belastbarkeit unterschiedliche Aufgabenbereiche übernehmen.» Auch Pensumsreduktionen stehe man laut Karin Joss offen gegenüber, sofern diese organisatorisch umsetzbar seien. Diversität bei den Nationen, Geschlechtern und beim Alter ist bei den Schweizer Jugendherbergen ein wichtiger Teil der Personalpolitik. «Altersdurchmischte Teams vereinen verschiedene Perspektiven und Kompetenzen», so Joss. Jüngere Mitarbeitende würden neue Ideen und digitale Selbstverständlichkeit einbringen, erfahrene Mitarbeitende wertvolles Fachwissen, Routine und Branchenkenntnisse. Den Wissenstransfer bei Pensionierungen stelle man durch interne Dokumentation und sorgfältige Einarbeitungen sicher. «Wenn möglich, erfolgt die Einführung von Nachfolgern und Nachfolgerinnen bereits vor der Pensionierung.»

Fachkräftemangel entschärfen

Auch das Kantonsspital Aarau KSA hat Handlungsbedarf erkannt. Per 2026 führte die Geschäftsleitung verbesserte Arbeitsbedingungen für Mitarbeitende über 60 ein. So erhalten beispielsweise Mitarbeitende in der Pflege mehr Autonomie in der Einsatzplanung. Alle Mitarbeitenden, auch in der Hotellerie und Küche, profitieren von zwei Wochen mehr Ferien, wenn sie über das Pensionsalter hinaus arbeiten. Auch Dienstjubiläen werden weiterhin gewährt. «Die Verbesserungen sollen auch dazu motivieren, länger im Arbeitsprozess zu bleiben. So bleibt wertvolles Know-how erhalten, und das KSA kann dem Fachkräftemangel entgegenwirken», sagt Jürg Rebholz, Leiter Hotellerie. Die Personalsituation in seinem Bereich sei aktuell besonders in der Diätküche herausfordernd.

(Alice Guldimann)


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Reform AHV 2030

Die Reform will die AHV für den Zeitraum 2030 bis 2040 stabilisieren und die Versicherung an die gesellschaftliche Entwicklung anpassen. Sie befindet sich bis September in der Vernehmlassung.

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