Ramona Bolliger coacht Gwenda Bösch für die World Skills in Shanghai. Sie spricht über Talent, Druck und die Bedeutung internationaler Wettbewerbe.

Ramona Bolliger weiss, wie es sich anfühlt, Gold zu gewinnen. (Swiss Skills)
Sie musste sich bereits einmal von ihrer Konkurrenz abheben. Ihr Talent ist offensichtlich. Zudem hat sie sich ohne begleitenden Coach auf die Schweizer Meisterschaften vorbereitet. Das zeugt von Eigenverantwortung und Motivation. Sie hat es schon einmal geschafft, unter Druck eine Bestleistung zu erzielen.
Ich koordiniere das Training, suche Kurse und Coaches oder organisiere für meine Kandidatin Praktika im Ausland. Ab und zu stehen wir zusammen in der Backstube und arbeiten an Produkten. Oft trainiert Gwenda aber alleine, und wir besprechen dann die Produkte sowie das weitere Vorgehen. Zudem kommuniziere ich mit den internationalen Expertinnen und Experten über das Chatforum der World Skills. Ich kann dort Fragen zu Materialien, Maschinen oder zur Wettbewerbsaufgabe klären.
Ihre Motivation und Lebensfreude. Ich habe sie noch nie frustriert erlebt. Dazu kommt ein grosses Talent, eine unglaubliche Fingerfertigkeit beim Modellieren von Schaustücken und ein exzellentes Auge für Dekoration. Sie hat die Fähigkeit, Kritik direkt konstruktiv umzusetzen.
An den World Skills treffen internationale Experten und Kandidierende aufeinander. Dadurch gehen auch die Meinungen zu Bewertungskriterien auseinander. Das Umfeld ist anspruchsvoller, etwa wegen ausländischer Maschinen und Rohstoffe. Zudem ist eine WM deutlich grösser als eine Schweizer Meisterschaft.
Es werden nicht zwingend neue Produkte erfunden, aber Methoden und Techniken verbessert. Der internationale Austausch ist wichtig und hilft weniger entwickelten Ländern, von anderen zu lernen und eigene Methoden weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sind die World Skills eine Standortbestimmung: Sind wir hier mit unserer Arbeitsweise auf dem neuesten Stand?
Ich erinnere mich gut daran, wie es war, selbst Kandidatin zu sein – das war einzigartig. Ich möchte jungen, motivierten Fachpersonen diese Erfahrung ermöglichen und sie dabei unterstützen, ihr Bestes zu leisten.
(Andrea Decker)