Pizza geht auch luxuriös: In New York steht die teuerste kommerziell erhältliche Pizza der Welt auf der Karte. Doch im Wettlauf um Kaviar, Gold und Preis gibt es noch eine zweite Kandidatin.

Pizza ist per se ein einfaches Gericht. Teig, Tomaten, Käse, Toppings nach Lust und Laune – und Hitze. Mehr braucht es im Grunde nicht. Doch wie so oft in der Gastronomie lässt sich auch aus dem beliebten Teigfladen ein Luxusprodukt machen. Ein Beispiel dafür ist die 24K Pizza von «Industry Kitchen» in New York (US). Laut «Guinness Buch der Rekorde» ist sie mit 2700 US-Dollar die teuerste kommerziell erhältliche Pizza der Welt. Diese Luxusversion steht allerdings nicht in einem Fine-Dining-Restaurant auf der Speisekarte. «Industry Kitchen» beschreibt sich als modernes amerikanisches Restaurant am East River. Das Lokal bietet innen sowie auf der Terrasse rund 300 Gästen Platz. Blick auf die Skyline von Brooklyn inklusive. Auf der Karte stehen saisonale Gerichte, Salate, Grillgerichte aus dem Holzofen, Craft Beer, Cocktails – und eben Pizza.
Gerade aus diesem Grund wirkt die 24K Pizza wie ein spektakulärer Ausreisser auf einer sonst zugänglichen Karte. Im aktuellen Menü des Restaurants wird sie als «The Guinness World Record 24K Pizza» geführt, mit dem Hinweis, dass sie 48 Stunden im Voraus bestellt werden muss. «Guinness» nennt weitere Details: Der Teig wird mit schwarzer Tintenfischtinte gefärbt, dazu kommen weisser Stilton aus Grossbritannien, Foie gras und Trüffel aus Frankreich, Ossetra-Kaviar aus dem Kaspischen Meer, Almas-Kaviar und Blattgold.
Doch es sind nicht nur die exklusiven Zutaten, die den Preis nach oben treiben. Entscheidend ist die Inszenierung. Die Pizza wird zum Erlebnis, sorgt für Gesprächsstoff und wird zum Objekt, das man fotografiert, über das man spricht und das damit auch vermarktet wird.
Noch deutlicher zeigt sich das bei der Pizza Louis XIII des italienischen Pizzaiolos Renato Viola. Der Koch bewirbt sie auf seiner Website als aktuell teuerste Pizza der Welt. Sie misst nur 20 Zentimeter im Durchmesser, ist für zwei Personen gedacht und wird nicht im Restaurant serviert, sondern beim Gast zuhause. Das Team besteht aus Pizzaiolo, Sommelier und Koch. Der Teig wird 72 Stunden im Voraus vorbereitet. Zu den Zutaten gehören unter anderem Bio-Büffelmozzarella DOP, drei Sorten Kaviar, Garnelen, Mittelmeer-Hummer und australisches Murray-River-Salz. Begleitet wird die Pizza von Cognac und Champagner. Kostenpunkt: rund 8300 Euro.
Damit ist die Louis XIII zwar noch teurer als die New Yorker 24K Pizza, aber sie ist weniger ein klassisches Restaurantgericht als ein exklusives Catering-Erlebnis. Genau darin liegt der Reiz der Geschichte: Die teuerste Pizza erzählt nicht nur von seltenen Zutaten. Sie zeigt, wie aus einem Volksgericht ein Luxusprodukt wird: mit Handwerk, Seltenheit und Storytelling.
(Andrea Decker)