Stabwechsel im Basler «Teufelhof»

37 Jahre prägte Michael Baader die Gastronomie des Restaurants Bel-Etage im Basler Teufelhof. Nun zieht er sich in Raten zurück.

In seiner Laufbahn hat Michael Baader rund 70 Lernende ausgebildet und sich als Prüfungsexperte in Basel engagiert. (ZVG)

Michael Baader, Sie sind seit 37 Jahren in der Spitzenküche des Basler Teufelhofs tätig. Ende Jahr gehen Sie mit 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Was hat Sie dazu bewogen, so lange zu bleiben?

Der «Teufelhof», das war Liebe auf den ersten Blick. Ich bin mit dem Haus auf eine Art verwachsen, die über einen normalen «Job» hinausgeht. Der «Teufelhof» ist mein zweites zu Hause und entsprechend kam mir nie der Gedanke, mit Erreichen des Pensionsalters einfach aufzuhören. Das Kochen, bei Gästen Emotionen wecken, der Kontakt mit Menschen und das Handwerk mit tollen Produkten: Dies waren und sind bis heute für mich die Gründe, warum ich die Gastronomie so schätze.

Wie kam es damals dazu, dass Sie den Weg in die Basler Gastronomie fanden?

Die Geschichte ist wirklich einmalig, denn ich bin quasi einem Traum entsprungen! Monica Thommy, die Mitgründerin des «Teufelhof», hat im Kochbuch «Kulinarische Jahreszeiten von den Schweizer Stuben» ein Rezept von mir gesehen und anschliessend davon geträumt, dass ich der richtige Koch und Mensch sei, im «Teufelhof» zu kochen. So ist der Kontakt entstanden und nach dem ersten Treffen war für mich klar, dass ich an diesem Ort wirken wollte.

Wenn Sie zurückdenken, was war das Highlight der letzten 37 Jahre?

Schöne Erinnerungen, davon gibt es enorm viele. Das Wichtigste war für mich, dass ich mit Monica und Dominique Thommy-Kneschaurek zwei liebe Menschen gefunden habe mit klaren Vorstellungen. Ich hatte immer freie Hand und konnte kreativ meine Ideen umsetzen. Sehr speziell war natürlich der Übergang von den Gründern - dem Ehepaar Thommy - zu den heutigen Besitzern, Raphael Wyniger und Nathalie Reinhardt. Sie haben mir die gleichen Möglichkeiten eingeräumt, die ich schon immer hatte. Der Start war damals sehr harzig aufgrund der Finanzkrise, Vulkanausbrauch in Island und stagnierenden Umständen. Sie haben die nötigen Änderungen eingebracht. Es war für uns alle eine grosse Freude zu sehen, dass die neuen Ideen und Konzepte Wirkung zeigten und der «Teufelhof» auf diese Weise so erfolgreich weitergeführt werden konnte wie bis anhin. Dadurch konnte ich ein neues Kapitel mit Raphael und Nathalie aufschlagen und meinen «Traum-Arbeitsplatz» in gewohnter Weise beibehalten.

Und welches war das Schlimmste?

Ich bin ein positiv denkender Mensch und wenn ich zurückschaue, sehe ich vor allem die guten Erinnerungen. Aber klar, die Corona-Pandemie würde ich sofort streichen, wenn ich könnte.

Bis Ende Jahr und damit während der letzten Monate Ihres Berufslebens ist Ihr ehemaliger Lehrling Christoph Hartmann Ihr Chef. Wie fühlt sich das an?

Es ist für mich eine grosse Freude, dass wir für den «Teufelhof» eine so tolle Nachfolgelösung gefunden haben. Und dass ich nun noch ein Weilchen «mitschwimmen» darf, in einem reduzierten Pensum, freut mich natürlich. Ich werde dann quasi vom Chef wieder zum lernenden Mitarbeiter.

Was geben Sie Christoph Hartmann mit auf den Weg?

Christoph ist nicht nur ein toller Koch, er ist auch ein feiner Mensch. Er und Fabian Borer – aktuell zweiter Küchenchef – werden das bestimmt grossartig machen, auch ohne meine Ratschläge. Was mir immer wichtig war, ist der Umgang miteinander. Der respektvolle Ton, die Wertschätzung des gesamten Teams und ein harmonisches Miteinander im ganzen «Teufelhof». Dazu kommt das Handwerk, wir haben bei uns immer alles selbst hergestellt. Es wäre natürlich schön, wenn diese Philosophie Bestand haben würde. So wie ich Christoph und Fabian kenne, werden sie dies auch weiterverfolgen.

Und Sie selbst, was planen Sie für den Ruhestand?

Zunächst freue ich mich auf die kommenden Monate. Wir haben noch einiges vor, unter anderem einige Events, die ich mit alten Wegbegleitern bestreiten werde. Und dann stehen zwei Dinge im Vordergrund: Meine Frau und ich freuen uns auf vermehrtes Reisen und wir werden endlich dazu kommen, unseren Haushalt zu reduzieren, um in eine kleinere Wohnung zu ziehen.

(Ruth Marending­­­­­­)


Zur Person

Michael Baader wuchs im deutschen Lossburg auf und machte seine Kochlehre im Kurhotel Sonne in Freudenstadt (DE). 1983 wechselte er in den «Teufelhof» in Basel.