Vom 1. bis zum 31. August laden Walliser Winzerinnen und Winzer zu 24 genussvollen Tavolatas ein. Zwischen ihren Rebzeilen unter freiem Himmel tischen sie auf, was in regionalen Gärten gedeiht und lokalen Kellern reift.

Gemeinsam essen, Wein geniessen, Geschichten teilen – und die Landschaft mit allen Sinnen erleben. (Bild Sedrik Nemeth)
Eine Tavolata steht für Genuss und Geselligkeit. Man stelle sich vor, 350 Personen sitzen an einem Tisch inmitten eines Weinbergs. Gemeinsam geniessen sie ein köstliches Essen, das hauptsächlich aus lokalen Produkten besteht. Ob zu zweit oder mit Freunden – die Gruppe übergreifende Gespräche lassen nicht lange auf sich warten. Der weiss gedeckte Tisch der längsten Walliser Tavolata steht im Naturpark Pfyn-Finges. Sechs Winzerfreunde aus der Region präsentieren ihre Weine. Im Jahr 2022 wurde diese Tavolata mit dem Preis «Best of Wine Tourism» ausgezeichnet. Die diesjährige, siebte Ausgabe ist bereits seit Wochen ausverkauft. Wer eine Tavolata erleben möchte, hat jedoch an 23 weiteren Orten die Gelegenheit dazu. Drei spannende Events seien hier vorgestellt.
Die Première der diesjährigen Tavolate findet am Samstag, 1. August, statt. Weshalb also nicht, den Nationalfeiertag bei der Cave Bridy in Savièse feiern. Wenn dort zur Mittagszeit die Sonne am höchsten steht und die Hitze flimmert, empfängt Martine Bridy ihre Gäste im kühlen Keller. Von Chamoson bis Corin verteilen sich ihre Rebparzellen auf Terrassen und Steillagen zwischen Felsen und Himmel. Im Einklang mit der Natur wird jeder Rebstock, jede Traube, jeder Wein von Hand bearbeitet. «Ich strebe vor allem nach Harmonie: einen ehrlichen, ausgewogenen Wein, der seinem Terroir treu bleibt», sagt Martine Bridy. Ihre strahlenden Weissweine und die tiefgründigen Rotweine sind Bio-Suisse-zertifiziert. Sie bringen die Kraft der Berge und die Präzision der Arbeit zum Ausdruck.
Bei einem Glas Wein und in geselliger Runde, erwartet die Gäste ein kulinarisches Erlebnis im Weinkeller. Martine Bridy bietet einen reichhaltigen Brunch mit regionalen Produkten an. Dazu gibt es Grilladen. Natürlich darf ein traditionelles Raclette nicht fehlen. Den Abschluss machen hausgemachte Desserts.
Die Trockensteinmauern der Cochetta-Terrassen sind mit bis zu 18 Metern Höhe imposante Bauwerke. Genauso beeindruckend ist die daran vorbeifliessende Bisse de Claveau. Ein beliebter Wanderweg führt entlang des Wasserlaufs von Uvrier nach Sion. Dort besitzt das Weinhaus Gilliard die Domaine Clos du Mont, die vor über 135 Jahren den ikonischen Dôle des Monts hervorbrachte.
Am Freitag und Samstag, 28. und 29. August, jeweils von 16 bis 23 Uhr, lädt Maison Gilliard inmitten der Reben zu Genuss und geselligen Momenten in bester Stimmung. Wer den 25-minütigen Fussmarsch über ansteigendes Gelände (1,2 km – 120 m positiver Höhenunterschied) bewältigt, wird reich belohnt. Maison Gilliard führt durch die Domaine Clos du Mont serviert eine breite Palette von Crus seiner Kellerei. Darauf folgt ein Fünf-Gänge-Menü im Herzen der Rebanlagen. Tomatenkuchen, Zucchini-Wrap mit geräucherter Forelle, Champignon-Tatar, doppeltes Entrecôte oder Grillgemüse sowie Törtchen, Früchte und Schokolade lassen bereits jetzt den Mund wässrig werden. Inbegriffen ist auch der Panoramablick auf die Walliser Alpen sowie die Abendstimmung.
Johannisberg, Petite Arvine, Humagne Rouge oder Cornalin sowie Weine aus rund 60 weiteren Rebsorten werden auch ausserhalb des Wallis gerne getrunken. Zum Beispiel in Zürich, wo Swiss Wine Valais am Donnerstag und Freitag, 27. und 28. August, von 18 bis 23 Uhr, Gäste einlädt, die nicht ins Rhonetal reisen können. Die Tavolate finden unter dem Vordach des ehemaligen Bahnhofs Letten am Ufer der Limmat statt. Wo sich einst Billetschalter und Wartehalle befanden, ist heute «Transhelvetica» domiziliert. Das Magazin Transhelvetica – die Kunst des Reisens – und Swiss Wine Valais pflegen seit Jahren eine enge Partnerschaft.
Die Tavolate am Letten beginnen mit kühlem Rosé zum Aperitif und musikalischer Unterhaltung. Am langen Tisch serviert Küchenchef Jérémie Crettol als Vorspeise einen authentischen Walliser Teller. Darauf folgt Raclette vom Holzfeuer und ein erfrischendes Dessert mit Aromen aus dem Wallis. Crus der Weinkellereien Mandolé, La Madeleine und Jean-René Germanier stehen den ganzen Abend über im Mittelpunkt.
Mit Bildern grosser fröhlicher Tafelrunden inmitten der Weinberge lancierte der Walliser Dachverband Swiss Wine Valais im 2019 eine Werbekampagne unter dem Motto «Tavolata». Überall in der Schweiz veranschaulichten Plakate mit Bildern davon die verbindende Kraft des Weins.
Die Grundidee besteht darin, und hat sich bis heute nicht verändert, Walliser Winzerinnen und Winzer und deren Partner mit ihren Gästen an einer langen Festtafel zu versammeln, um ihnen ein Menü und verschiedene Weine mit Terroir-Bezug zu servieren. Erinnerungen an die eine oder andere Tavolata, welche Touristen mitnehmen, steigern die Bekanntheit der Walliser Weine nachhaltig.
Sandrine Mages, Leiterin Kommunikation bei Swiss Wine Valais
Stimmungsvoller könnte das Bild nicht sein: Wenn sich die langen Reihen der Rebstöcke im Abendlicht golden färben, die Berge am Horizont in sanften Blau- und Grautönen verschwimmen und der Duft von Kräutern, Erde und reifen Trauben durch die Luft zieht, beginnt im Wallis eine ganz besondere Zeit. Immer mehr Winzerinnen und Winzer laden Gäste zu Tavolate mitten in ihren Rebbergen ein. Was andernorts als kulinarischer Trend gilt, ist hier Ausdruck einer tief verwurzelten Kultur: Gemeinsam essen, gemeinsam trinken, Geschichten teilen und die Landschaft mit allen Sinnen erleben.
(mm/gab)