Manipulierte Zimmer und Holundersirup statt Weisswein

Vom 14. bis 16. März trainierten über 140 angehende Hotel-Kommunikationsfachleute im Schulhotel Regina in Interlaken/ BE für ihr Qualifikationsverfahren.

Die vom Berufsverband Hotel, Administration & Management lancierten Trainingstage begannen jeweils um acht Uhr. Jeden Tag versammelten sich gut 50 Lernende aus der ganzen Deutschschweiz zur Begrüssung. Darauf folgte die Besprechung des Mittagessens, welches die Lernenden den geladenen Gästen servierten.

Weiss oder Rosa – es stand den Lernenden frei, wie sie den Tisch eindeckten. (ZVG)

Zusatzverkäufe generieren

Zur Vorspeise gab es wahlweise Suppe oder Salat. Beim Hauptgang konnten die Gäste aus drei Pennegerichten wählen. Als Dessert wurde Fruchtsalat oder Gebrannte Creme angeboten. Bei jedem Gang gab es Upselling-Optionen, etwa Speckstreifen oder geröstete Pinienkerne, welche die Hokos den Gästen schmackhaft machen sollten. Auch bei den Getränken war ihr Verkaufstalent gefragt. Um den Jugendschutz zu wahren, wurden Weiss- und Rotwein allerdings durch Holunderblüten- und Beerensirup ersetzt.

Strammes Programm

Noch bevor sie ihr Kommunikationstalent im Mittagsservice anwenden konnten, wartete bereits ein strammes Programm auf die Nachwuchskräfte. In Gruppen absolvierten sie im Turnus diverse prüfungsrelevante Aufgaben.


«Der Tag war mega! Jetzt weiss ich, wo noch Nachholbedarf besteht.»

Lavinia de Luca, HOKO-Lernende Hotel Bad Hron in Horn/TG


Während die einen Werbeträger zu gestalten hatten, bedienten andere im Front Office Gäste. Auf Deutsch, Englisch und Französisch machten sie Check-ins und -outs, sprachen Sightseeing-Empfehlungen aus oder behandelten Reklamationen. Letzteres allerdings nur in Deutsch und Englisch. Egal, ob sie im Back Office schriftlich Gästeanfragen beantworteten, die Warenannahme kontrollierten, Fachgespräche führ-ten oder Tische eindeckten – die Lernenden taten dies immer unter den Augen versierter Prüfungsexperten. Diese gaben ihnen im Nachgang jeweils auch Feedback und Verbesserungstipps. «Täglich waren über 20 Experten und Expertinnen im Einsatz», sagt Vera Höhn. Sie ist in Zürich Chefexpertin für den Beruf Hoko und leitete das Organisationskomitee, welches den gemeinsamen Trainingsevent im Schulhotel Regina organisierte. In diesem OK waren alle Hoko-Ausbildungsregionen der Deutschschweiz vertreten. Die QV-Trainingstage stiessen bei den Lernenden auf gute Resonanz. Joana Richner, Hoko-Lernende im Hotel Radisson Blu Zürich-Airport, sagte noch vor der Mittagspause: «Die Teilnahme hat sich gelohnt. Ich habe viel gelernt und gesehen, was ich noch verbessern kann.» Ähnlich erging es auch Tiago Aerni, Lernender im Hotel Trois Rois in Basel: «Ich war lange nicht mehr im Service und habe heute gemerkt: Ich muss noch einiges repetieren.»

Kobolde im Einsatz

Vom QV-Training profitierten aber nicht nur die Lernenden. Für Jasmin Hilpertshausen, die bald selbst als Expertin Prüfungen abnehmen wird, bot der Event die perfekte Gelegenheit, langjährigen Experten über die Schulter zu schauen. «Für mich war das Mitlaufen als Experten-Trainee sehr spannend. Ich habe viel gelernt über die geltenden Prüfungsstandards, aber auch über die Fragen und Reaktionen der Lernenden.»

Trotz hoher Konzentration und strengem Prüferblick hatten auch gestandene Expertinnen am QV-Training ihren Spass. Zum Beispiel wenn sie wie Kobolde Hotelzimmer manipulierten. Unter anderem verschoben sie Kleiderbügel, versteckten Gegenstän-de des vorherigen Gastes in Schubladen oder unterm Bett, legten nasse Handtücher ins Bad, klauten Kopfkissen aus dem Zimmer und machten sogar Fettflecken auf die Fensterscheibe. All das, um den Lernenden interessante, abwechslungsreiche und lohnende Zimmerkontrollen zu ermöglichen.

(Riccarda Frei)


Mehr Informationen unter:

hotelgastrounion.ch (Suchbegriff: QV-Vorbereitungstag)