So kriegen die Jungen Lust auf Jobs in der Hotellerie

Nach einer Woche des Schnupperns im Hotel Vanessa in Verbier ist Karina klar: Sie möchte eine Lehre in der Hotellerie absolvieren.

  • Wie ein Profi: Valentin Bender serviert einen Espresso. (Bilder ZVG)
  • Amélie Herminjard holt in der Küche einen Mittagsteller ab.

«Voilà, zum Wohl!», wünscht Valentin Bender und serviert dem Gast einen Espresso. So, wie man das von einem Profi erwarten darf. Doch Valentin ist kein Profi, sondern ein Schüler, der vor der Berufswahl steht. In welcher Branche will er sich ausbilden lassen? Ist er ein künftiger Gastgeber in einem Restaurant oder in der Hotellerie?

Um herauszufinden, ob in ihm ein verstecktes Gastro-Talent schlummert, besuchte er gemeinsam mit 25 weiteren Jugendlichen das viertägige Schnuppercamp, organisiert vom Walliser Hotelier-Verein und vom Nachwuchsmarketing von Hotelleriesuisse. Das beliebte Camp wurde dieses Jahr bereits zum 21. Mal durchgeführt.

Camp soll ein reales Bild der Branche vermitteln

Dieses Jahr verbrachten die Teilnehmer – 7 männlich, 19 weiblich, zwischen 12 und 14 Jahren –  die Schnuppertage vom 21. bis 24. Januar im Walliser Skiort Verbier. «Ziel ist es, jungen Menschen eine Möglichkeit zu bieten, die abwechslungsreichen und herausfordernden Berufe des Gastgewerbes kennenzulernen», erklärte Nicolas Dévaud, Hauptleiter des Lagers. «Wichtig ist es zudem, dass die Teilnehmer ein Camp erleben, welches ihnen ein reales Bild über die Berufe der Hotellerie und Gastronomie vermittelt.» Am Ende des Camps sollte dank der gewonnenen Eindrücke entschieden werden können, ob ein Beruf in der Branche angesteuert wird oder nicht.

Die Jugendlichen durften nach den eigenen Berufswünschen wählen und bei zehn Hotels, fünf Restaurants, einem Tourismusbüro oder dem Skigebiet-Betreiber Probe arbeiten. Sie übernachteten in den Hotels Mirabeau und La Rotonde. «Am Morgen und am Nachmittag mussten sie zur Arbeit», erzählt Dévaud. «Dazwischen hatten sie Zimmerstunde. Wie in der Realität.» Mit Schlittelplausch, Kletternachmittag und weiterem Programm wurde den Camp-Teilnehmern ein vielseitiges Rahmenprogramm geboten. Dévaud: «Es hat Spass gemacht, gab keine Grüppchenbildungen, alle waren zuverlässig.»

Amélie kann sich Zukunft in Restaurant vorstellen

Auch die Verantwortlichen der Betriebe, die während dieser Tage Schnupperstellen anboten, zogen ein positives Fazit. Michel Thomas, Wirt im Restaurant Les Chamois, meinte über Valentin Bender und Amélie Herminjard: «Sie haben toll mitgezogen. Es macht meinem ganzen Team Freude, mit so jungen, motivierten Leuten zu arbeiten.  Ich denke, wir haben die beiden von der Branche überzeugt.» Tatsächlich bestätigte Amélie Herminjard, während sie für einen Gast den Mittagsteller aus der Küche abholte, dass sie sich eine Zukunft in einem Restaurant vorstellen könnte.

Karina Alvarez Carvalho, die im Restaurant des Fünfsternehotels Le Chalet d’Adrien mithelfen durfte, weiss nun: «Das möchte ich auch in Zukunft machen. Es war eine sehr schöne Erfahrung. Am liebsten mochte ich es, Menschen zu bedienen, sie zu fragen, was sie möchten und ihnen diesen Wunsch dann zu erfüllen.» Stolz präsentierte sie ihren Eltern beim Abholen am Schlusstag ihren Arbeitsort.

Vielversprechende Quote – unsichere Camp-Zukunft

Ihnen und den anderen Eltern zeigte Patrick Bérod, Direktor des Walliser Hotelier-Vereins, ein ehrliches Bild der Branche auf. Er sprach von den schönen Seiten: Man habe spannende Karrieremöglichkeiten, könne reisen. Doch er blendete auch weniger romantische Seiten nicht aus.Wie viele Camp-Teilnehmer werden schliesslich den Weg in Richtung Hotellerie, Gastronomie oder Tourismus einschlagen? Laut Lukas Gasser, bei Hotelleriesuisse im Nachwuchsmarketing tätig, sind es rund 40 Prozent. Gasser: «Eine sehr gute Quote, wenn man bedenkt, dass wir für das Camp ausschliesslich Teilnehmer im Erstkontakt mit der Branche auswählen.»

Ob das Camp nächstes Jahr zum 22. Mal durchgeführt werden kann, ist offen: Dafür bräuchte es noch 10 000 Franken vom Kanton, um 40 Prozent der Lagerkosten zu decken. Dieser Betrag wurde für 2019 noch nicht gesprochen.

(Benny Epstein)


Mehr Informationen unter:

www.hotelleriesuisse.ch