«Viele Teams fokussieren zu stark auf die Optik»

Damit beim Wettbewerb alles passt, lassen sich die Schweizer Kochnationalmannschaften von Experten beraten. Einer von ihnen erzählt, worauf er speziell achtet.

Kennt das internationale Wettbewerbsgeschehen genau: Marco Mehr. (ZVG)

Marco Mehr, Sie unterstützen die Schweizer Kochnationalmannschaften als externer Berater. Was bedeutet das?

Ich begleite die Probeläufe der Teams und beurteile die Gerichte aus Gästesicht – so, wie es auch die Juroren beim Wettbewerb tun. Meine Rückmeldung geht direkt an das Coaching-Team, welches dann seine Schlüsse daraus zieht.

Worauf achten Sie besonders?

Neben dem ersten Eindruck geht es um Präsentation, Farben und Formen. Aber auch um Texturen: Idealerweise weist ein Gericht eine grosse Vielfalt an Texturen auf, von weich über cremig und knusprig bis zu flüssig. Ein weiterer wichtiger Punkt sind Geschmackskombinationen: diese müssen zwar harmonisch daherkommen, sie sollen aber auch überraschend und neu sein.

Als Juror bei internationalen Wettbewerben wissen Sie, welche Punkte wichtig sind. Was geht häufig vergessen?

Oft liegt der Fokus stark auf der Präsentation und der Geschmack bleibt etwas auf der Strecke. Letzterer gibt jedoch mehr Punkte. Denn einem Gast ist ein sensationell schmeckender Teller wichtiger als ein besonders schöner.

Gibt es weitere Knackpunkte?

Oft stellt sich die Frage, wie viel Risiko man eingehen will. Viele Teams bewegen sich sehr nahe an den Grenzen des Reglements. So dürfen Lebensmittel zum Beispiel gerüstet, aber nicht geschnitten mitgenommen werden. Da sind die Grenzen manchmal fliessend. Dieses Risiko kann sich auszahlen, weil man schnell bis zu 30 Minuten spart. Gibt es Punktabzug, ist das aber besonders ärgerlich.

Welchen Eindruck haben Sie von den Schweizer Teams?

Einen sehr guten. Ihre Stärke ist die Konstanz, aber auch ihre saubere und minutiöse Arbeitsweise. Zudem zeigen sie eine spannende Kombination aus modernen Einflüssen und Handwerk. In der Schweizer Box wird noch gekocht – das ist nicht überall so. Werden nur noch Formen befüllt, bleibt das Handwerk auf der Strecke.

Wie sieht es mit dem von den Juroren gewünschten Überraschungseffekt aus?

Der ist auf jeden Fall vorhanden. Ich will nicht zu viel verraten, aber die Kochnati bereitet beispielsweise ein sehr spannendes Fischknusperli zu, welches Altbewährtes mit neuen Geschmackskombinationen und perfektem Handwerk vereint.

Schon bald geht es in die Endphase der Vorbereitungen auf die WM. Was ist in dieser Phase besonders wichtig?

Es gilt, die Komponenten bis ins Detail zu perfektionieren. Und eine Routine zu entwickeln, so dass die Abläufe auch unter Wettbewerbsbedingungen funktionieren. Zudem muss die Motivation nicht nur aufrechterhalten, sondern bis zum Wettbewerb auf die Spitze getrieben werden.

(Angela Hüppi)

hotelgastrounion.ch/skv


Zur Person

Marco Mehr ist Culinary Expert bei Wigl. Davor war er viele Jahre als Koch in verschiedenen Hyatt-Hotels in Asien tätig. Von 2005 bis 2009 war er Mitglied der Schweizer Juniorenkochnationalmannschaft. Heute ist er als Juror beim Culinary World Cup und der Koch-Olympiade im Einsatz.


Sponsoren der beiden Schweizer Kochnationalmannschaften

Hauptsponsor: Swica Gesundheitsorganisation

Co-Sponsor: G. Bianchi AG, Electrolux Professional

Ausrüster: Gastroimpuls, KAI/sknife, Kentaur Work Wear, Oehrli Berufsmode

Partner der Schweizer Kochnationalmannschaft: Aligro, Ben’s Original, Hero, Nectaflor, Pacojet, Saviva, Unilever Food Solutions

Partner der Schweizer Junioren-Kochnationalmannschaft: AMC International AG, Boiron, Emmi Food Service, Hug AG, Transgourmet/Prodega, Wiberg