Homeoffice, eine Chance für Arbeitgeber und -nehmer

Generation Z, Digitalisierung, Fachkräftemangel – es gibt viele Faktoren, die unsere Gesellschaft und den Alltag beeinflussen und allenfalls neue Arbeitszeitmodelle nötig machen.

Vier Jahre nach Lehrabschluss hat gut die Hälfte der Gastgewerbler die Branche wieder verlassen. Hoteliers, Wirte und Personalverantwortliche überlegen, wie man diese Abwanderung eindämmen könnte. Die Motive für das Verlassen der Branche sind vielseitig. Doch ein Grund, der immer wieder genannt wird, ist die Arbeitszeit. Natürlich muss man im Gastgewerbe dann arbeiten, wenn Gäste da sind, und das ist nun mal über Mittag, abends, an den Wochenenden, Fest- und Feiertagen oder in den Schulferien. 

Dennoch gibt es Potenzial für neue, arbeitnehmerfreundlichere Arbeitszeitmodelle. In vielen Gastronomiebetrieben ist durch das Einführen eines Zwei- oder Dreischichtbetriebs die Zimmerstunde abgeschafft worden. Auch gibt es Betriebe, welche flexible Jahresarbeitszeitmodelle oder sogar Homeoffice-Möglichkeiten anbieten. Letztere eignen sich vor allem für Berufe im Front- und Backoffice. Aber auch ein Küchenchef, eine Hauswirtschaftsleiterin oder ein Restaurantleiter müsste zum Erledigen der administrativen Arbeiten nicht zwingend vor Ort sein. 

Homeoffice: Vor- und Nachteile 

In eigener Regie von zu Hause aus zu arbeiten, setzt voraus, dass man diszipliniert ist und sich selbst gut organisieren und motivieren kann. Wohnt man mit anderen Menschen zusammen, braucht es klare Regeln und Absprachen, damit man ungestört arbeiten kann. Der Arbeitsweg fällt weg, Arbeits- und Freizeit fliessen praktisch nahtlos ineinander. Es ist darum wichtig, selber für eine klare Trennung zu sorgen. Wer ausschliesslich von zu Hause aus arbeitet, läuft Gefahr, seine sozialen Kontakte zu verlieren, menschenscheu zu werden oder gar zu vereinsamen. Dieses Risiko senkt, wer regelmässig Kontakt zu den Arbeitskollegen hält und sich mit ihnen austauscht. Das kann man auch per Telefon, Skype, Whatsapp oder E-Mail.

Familie und Job unter einem Hut

Gerade junge Mütter und Väter könnten vermehrt im Gastgewerbe gehalten werden, wenn sie einen Teil ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigen könnten. So wie Alexia Räber. Sie arbeitet in einem 80-Prozent-Pensum in der Sales-&-Marketing-Abteilung eines Viersternehotels. 

Als ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter ein zweites Kind unterwegs war, wollte sie ihren Job aufgeben. «Ein Kind konnte ich gut je zwei einzelne Tage pro Woche bei den verschiedenen Grosselternpaaren lassen. Aber zwei Kinder!? Das wäre zu viel.»

Weil er sie nicht verlieren wollte, bot ihr Arbeitgeber Alexia Räber an, von zu Hause aus zu arbeiten. Zuerst sei sie davon nicht begeistert gewesen. «Der Kontakt zu Arbeitskollegen, Gästen und Firmenkunden hätte mir gefehlt. Ausserdem hatte ich Angst, den Anschluss im Team zu verlieren», sagt die junge Mutter. 

Nach einigen Gesprächen mit ihrem Chef und den Arbeitskollegen, aber auch mit ihrem Mann und den Babysittern hat sie eine für sich passende Lösung gefunden. «Ich arbeite zwei Tage fix von zu Hause aus. Die anderen beiden Tage sind die Kinder bei den Grosseltern, und ich kann flexibel entscheiden, ob und wie lange ich ins Hotel zum Arbeiten gehe.» So seien die Grosseltern nicht zu sehr gefordert, sie könne ihre Arbeitszeiten an den Tagesablauf  und die Befindlichkeit der Kinder anpassen und trotzdem aktiv  am Hotelleben teilnehmen. Win-win-Situation auf allen Ebenen.

(Riccarda Frei)