«Diese Initiative ist für uns Hoteliers der blanke Hohn!»

Eine links-grüne Initiative will in Luzern die Anzahl der Hotelbetten deckeln. Miriam Böger, Co-Präsidentin von «Zentralschweiz Hotels» ist entsetzt. Im Interview mit der HGZ erklärt sie, weshalb sie vor allem von SP-Nationalrat David Roth enttäuscht ist.

Miriam Böger ist Direktorin des Art Deco Hotel Montana und Co-Präsidentin von «Zentralschweiz Hotels».

Miriam Böger, was ging Ihnen als erstes durch den Kopf, als Sie am Wochenende von der Initiative «Luzerner Tourismus in Balance» gehört haben?

Meine erste Reaktion war Verwunderung, gefolgt von Ernüchterung und purer Enttäuschung. Es überrascht mich einmal mehr, dass in einer Stadt wie Luzern, die vom Tourismus lebt und profitiert, eine solche Initiative ins Leben gerufen wird. Die Forderung einer Deckelung an Anzahl Hotelbetten in der Stadt halte ich für wenig zielführend. Solch starre Vorgaben würden den Wandel und die Erneuerung unserer Hotellerie ausbremsen, anstatt innovative Lösungen fördern. Auch finde ich es einigermassen unverständlich, dass ausgerechnet SP-Politiker David Roth der Initiative ein Gesicht gibt.

Das müssen Sie näher erklären.

Gerne. David Roth hat nach seiner Wahl in den Nationalrat im November 2023 ein Videointerview auf seinen Wunsch in einer Suite im Montana gegeben. Damals war bei ihm noch die Rede von «Kaufkraft stärken» und dem «Schutz von Arbeitnehmenden» sowie einer «Stärkung der klassischen Hotellerie». Dies in Abgrenzung zu Airbnb-Angeboten.

Hatten Sie bereits Reaktionen von Hotel-Direktionskolleginnen und -kollegen? 

Ja, viele sind nicht nur irritiert, sondern auch verärgert. Es ist offensichtlich, dass die Initiative am tatsächlichen Bedarf eines nachhaltigen Tourismus vorbeigeht. 

Die Initiative kommt nicht aus heiterem Himmel: Seit Jahren ist der «Overtourism» in Luzern immer wieder ein Thema. Der Tourismus verdränge Einheimische. Was sagen Sie dazu?

Der Tourismus schafft in Luzern und Umgebung vor allem Arbeitsplätze und bietet Entwicklungsmöglichkeiten. Viele Mitarbeitende unserer Branche starten ohne formale Ausbildung und übernehmen später verantwortungsvolle Führungspositionen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels erfüllt der Tourismus eine wichtige soziale Aufgabe: Er integriert Menschen in den Arbeitsmarkt, fördert Teilhabe und trägt zur wirtschaftlichen Stabilität einer ganzen Region bei. Uns ist das Thema Overtourism natürlich bekannt, und wir nehmen die Bedürfnisse der Einheimischen ernst. Die Pressemitteilung von Ferdinand Zehnder vom Tourismus Forum Luzern (TFL) bringt es für mich auf den Punkt: «Jetzt (nach der Regelung für Airbnb-Angebote) auch noch Hotels an die kurze Leine zu nehmen, ist kein Augenmass, sondern ideologischer, populistischer Übereifer.» 

(Bild Schweiz Tourismus)

Die Initianten fordern wortwörtlich: «Der Neubau eines Hotels oder eines anderen touristischen Beherbergungsbetriebs ist nur zulässig, wenn gleichzeitig ein bestehender Beherbergungsbetrieb derselben Hotelkategorie dauerhaft aufgegeben wird. Die Anzahl Hotelbetten eines Neubaus darf nicht höher sein als die Anzahl der Betten des ersetzten Betriebs.» Was sagen Sie dazu?

Die vorgeschlagene Deckelung der Hotelbetten adressiert nicht die eigentlichen Ursachen der Belastung in der Innenstadt. Sie trifft stattdessen genau jene Gäste, die am meisten zur lokalen Wertschöpfung beitragen und am wenigsten zum Gedränge an den Hotspots. Der Vorstoss lässt die eigentlichen Ursachen der Infrastruktur- und Innenstadtbelastung unberührt. Luzern verzeichnet weit mehr Tages- als Übernachtungsgäste und die Initiative ändert daran gar nichts. Für all jene Hotels, welche sich gemäss Bau- und Zonenordnung der Stadt Luzern in der Tourismuszone befinden, so auch das Art Deco Hotel Montana, ist die Initiative der blanke Hohn. Wir sind rechtlich verpflichtet, als Hotel/Restaurant im Tourismusbereich öffentlich betrieben zu werden und dürfen in unserer Liegenschaft keine Wohnungen schaffen. Diese Auflage ist bereits heute eine erhebliche Einschränkung; kommt dann noch ein zusätzliches Ausbauverbot hinzu, ist die Planwirtschaft perfekt. Und solch eine Planwirtschaft war selten erfolgreich.

Das «Tourismus Forum Luzern» fordert statt einer Deckelung des Angebots, dass der freie Markt spielen solle. Ist das auch Ihre Meinung

Absolut, dies kann ich zu 100 Prozent unterstützen.

Was wären die Folgen für die Luzerner Hotellerie, sollte die Initiative angenommen werden?

Das hätte gravierende Folgen für die Luzerner Hotellerie. Strukturwandel würde verhindert werden, und es könnten Investitionen ausbleiben. Welcher Eigentümer, welche Unternehmerin wird noch investieren wollen, wenn ihm und ihr immer wieder Hindernisse in den Weg gelegt werden? So wird die Wettbewerbsfähigkeit Luzerns als Destination leiden. 

Stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel?

Natürlich stehen hier Arbeitsplätze auf dem Spiel, besonders in Betrieben, die sich weiterentwickeln wollen oder die auf neue Konzepte setzen. Auch traditionelle Betriebe wie das Montana werden in ihrem Fortkommen behindert und werden sich wohl oder übel eine Erhöhung ihrer Lohnsummen noch stärker überlegen müssen.

Gibt es seitens «Zentralschweiz Hotels» bereits Überlegungen, die Initiative aktiv zu bekämpfen?

Wir möchten sachlich und konstruktiv argumentieren und setzen darauf, dass die Öffentlichkeit erkennt, wie wichtig eine flexible und moderne Hotellerie für Luzern ist. Wir sollten uns alle hinterfragen, wann wir das letzte Mal die Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee unterstützt haben oder auf einen der umliegenden Berge gefahren sind. Wohl kaum bei Nebel, eher selten an einem Mittwochmorgen. Ein Tourist hingegen, dem ein begrenztes Zeitfenster zur Verfügung steht, wird sich ein solches Vergnügen auch leisten, wenn die Voraussetzungen nicht zu 100 Prozent optimal sind. Was ich damit sagen will: Nur mit Einheimischen werden unsere traditionellen Bergbahnen und die Dampfer-Flotte auf dem See kaum überleben können.

(rup)