Tobias Tröhler ist einer der Gründer der App Taste Match. Diese empfiehlt Restaurants nach persönlichen Vorlieben, nicht nach Sternebewertungen und Werbebudget.

Tobias Tröhler gehört zum Gründungsduo von Taste Match. (Bilder ZVG)
Mein Co-Gründer Dave und ich waren in München, um ein Fussballspiel zu sehen. Am nächsten Tag wollten wir brunchen gehen. Auf verschiedenen Plattformen haben wir viel Zeit damit verbracht, nach einem passenden Restaurant zu suchen. Und haben uns dann gefragt, ob es keine Anwendung gibt, die einem diese aufwendige Suche erspart und nach den eigenen Vorlieben Restaurants empfiehlt. Als wir wieder zuhause waren, haben wir begonnen, zu recherchieren. Und haben gemerkt, dass es diese Plattform tatsächlich noch nicht gibt. Dann haben wir uns drangesetzt, erste Elemente entworfen und einen Prototyp erstellt.
Wir haben gemerkt, dass es von der Nutzerseite her ein grosses Interesse gibt. Spotify, Netflix und Co, die gehen alle in genau diese Richtung, personalisierte Empfehlungen abzugeben. Bei den gängigen Restaurant-Plattformen spielen Sterne-Bewertungen die grösste Rolle. Die sind aber nicht immer aussagekräftig. Und eine schlechte Bewertung kann riesige negative Auswirkungen haben.
Wir haben von Beginn an viele Interviews geführt, auch mit Gastronomen. Die Nutzersicht ist eines, aber wir sind ein Marktplatz und wir brauchen beide Seiten. Wir wollten wissen, wie Gastronomen und Gastronominnen heute mögliche Gäste ansprechen und was es ihnen schwer macht, ihre Tische zu besetzen. Und wir wollten wissen, welche Tools ihnen dafür noch fehlen. Uns ist bewusst, dass die Gastronomie keine Branche ist, in der die Margen hoch sind. Wir wollen dazu beitragen, dass Restaurants die richtigen Personengruppen erreichen.
Wir haben uns zunächst gefragt, worauf schauen die Leute, wenn sie ein Restaurant suchen? Zusammen mit der Fachhochschule Graubünden haben wir eine Umfrage mit über 1000 Leuten aus Deutschland und der Schweiz durchgeführt. Aus den Ergebnissen haben wir 40 Labels definiert und einen eigenen Algorithmus für die Personalisierung entwickelt. Die Labels gehen von der Inneneinrichtung über das Angebot – vegetarisch, Fleisch, Weinkarten, etc. – über Trendfaktoren sowie die Lage. Jeder Nutzer absolviert zu Beginn ein Bilderquiz. Dabei wird ihnen ein bestimmter Taste-Typ zugeordnet, zum Beispiel Food-Pionier oder Traditionsliebend. Mit den Likes und der Nutzung der App schärft sich das Nutzerprofil dann immer weiter und kann sich auch verändern.

So sieht die App Taste Match aus.
Wir haben da nur drei Kriterien, mit denen wir gestartet sind. Die Betriebe müssen Sitzplätze haben, ein Abendessen anbieten und eine Website haben, von der wir die Informationen beziehen können.
Uns ist es wichtig, dass für die Gastronomen kein Zusatzaufwand entsteht. Wir holen alle Informationen zu Standort, Öffnungszeiten und Angebot von der Website. Die Betriebe werden erfasst und können gefunden werden, ohne dass sie etwas dafür tun müssen. Sofern die Website up-to-date gehalten wird, sind bei uns auch die aktuellen Daten publiziert. Diese werden täglich aktualisiert, zum Beispiel für wechselnde Menükarten.
Das eine ist ein Supporter-Paket. Die Betriebe haben dann die Möglichkeit, in ihrem Profil ihre Philosophie zu erfassen und sie werden als authentifiziert gekennzeichnet. So können sie zeigen, dass sie wirklich dahinterstehen. Dann gibt es das Visibility-Package für mehr Sichtbarkeit in gewissen Gefässen. Zum Beispiel erscheint ein Restaurant dann als Highlight der Woche. Allerdings nur bei denjenigen Personen, zu denen der Betrieb auch passt. Transparenz ist uns hier sehr wichtig. Ebenfalls, dass die Listings für die Nutzer unabhängig bleiben und nicht davon beeinflusst sind, ob ein Betrieb etwas bezahlt oder nicht.
Aktuell haben wir etwas über 50 zahlende Betriebe. Wir merken, dass die Gastronomen offen dafür sind, weil viele mit unbesetzten Tischen oder kurzfristigen Absagen zu kämpfen haben. Es ist aber auch so, dass oft nicht viel Geld vorhanden ist. Und auch wir stehen noch am Anfang und können keine fixe Zahl an Reservationen garantieren. Die Nutzerinnen und Nutzer von Taste Match sind deshalb für uns aktuell der wichtigste Fokus. Wir müssen ihnen einen Mehrwert bieten können, die App muss in den Köpfen eingeprägt sein, als «Die App» für die Restaurantsuche und Reservationen. Dafür brauchen wir auch eine gewisse Grösse und müssen die Menschen überall abholen können.
Wir sind jetzt gerade daran, die Automatisierung der Erfassung neuer Betriebe hinzubekommen. Bis jetzt lief ein Teil automatisiert, andere Betriebe haben wir von Hand gelabelt, was viel Aufwand bedeutet. Wenn diese Automatisierung läuft, wollen wir nicht mehr einzelne Städte, sondern Regionen dazunehmen. Ziel ist, bis im Herbst die ganze Schweiz abzudecken. Nachher wollen wir mit der Expansion ins Ausland starten. Wohin genau und wie schnell das gehen soll, ist aber noch nicht fix.
Wir bauen gerade das Reservationssystem Aleno in die App ein. Als Nutzer wird man dann zum Beispiel sehen können, in welchem seiner Lieblingsrestaurants in Zürich am Freitag noch Plätze frei sind. Ausserdem wollen wir, dass die Nutzer flexibler sind, was die zugewiesenen Labels betrifft. Präferenzen können variieren. Je nach Laune und Anlass sucht man ein anderes Restaurant. Weiter wollen wir, dass man Restaurantlisten künftig besser teilen und abonnieren kann. Das könnten zum Beispiel auch Influencer nutzen, die ihre Empfehlungen mit ihren Followern teilen möchten. Die Entwicklung ist also noch lange nicht abgeschlossen.