Michael Wirz, Leiter Brandschutzschulungen bei K.A.B. Brandschutz, erklärt, warum theoretisches Wissen zwingend durch praktische Übungen ergänzt werden muss.
Die Gefahr unterschätzen ist das Hauptproblem. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Feuer ausbricht, ist statistisch gesehen klein. Aber wenn es passiert, ist das Problem plötzlich gross. Ein weiterer Fehler ist die ungenügende oder fehlende Vorbereitung auf einen möglichen Brandfall.
Durch Prävention. Sie fängt bei Vorschriften an, geht weiter zu passenden Löschprodukten wie Feuerlöscher und Löschdecken in ausreichender Menge am richtigen Ort und endet mit der Schulung der Mitarbeitenden vor Ort, damit sie wissen, was sie im Ernstfall wie zu tun haben.
Die Ausstattung muss regelmässig überprüft und das bestehende Brandschutzkonzept hinterfragt werden. Passen unsere Massnahmen und Brandschutzprodukte noch? Hat sich im Betrieb baulich etwas verändert? Sind alle Mitarbeitenden richtig geschult? Dabei geht es nicht darum, dass möglichst viele irgendetwas, sondern die wenigen vor Ort im richtigen Moment das Richtige tun.
Ja, die gibt es. Bei Beherbergungsbetrieben hat das Evakuieren der Gäste höchste Priorität. Es gibt allerdings Situationen, etwa in der Küche, wo der Versuch sofort zu löschen Vorrang hat. Übungsschwerpunkte sind daher nicht nur für die Betriebsgattung zu definieren, sondern auch für verschiedene Betriebsbereiche.
Bewohnende und Mitarbeitende von Pflegeeinrichtungen kennen sich. Sie wissen, welche Beeinträchtigungen bestehen und können entsprechend reagieren. Gäste und Mitarbeitende eines Hotels hingegen kennen sich kaum. Sie sprechen oft verschiedene Sprachen und kommen aus unterschiedlichen Kulturen. Das kann bei einer Evakuation eine grosse Rolle spielen und muss berücksichtigt werden.
Die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden, dies gerade in Anbetracht der teilweise hohen Personalfluktuation. Ganz egal welche technischen Möglichkeiten, Werkzeuge und Strategien im Betrieb vorhanden sind, sie nützen alle nichts, wenn die Mitarbeitenden sie in der Praxis nicht korrekt anwenden können.
Die Hauptgefahr bei Feuer ist immer der Rauch. Ein Feuer kann nur lokal brennen, aber der Rauch verteilt sich schnell überall. Sind bei einem Brand Verletzte oder Tote zu beklagen, ist die Hauptursache meistens eine Rauchgasvergiftung.
Feuer in Fritteusen ist mit gut ausgebildeten Mitarbeitern ein lösbares Problem. Denn das Feuer ist zunächst sehr lokal und hauptsächlich auf die Küche begrenzt. Mit einem speziellen Fettbrand-Feuerlöscher lässt sich so ein Brand rasch löschen. Ganz wichtig: Brennendes Fett niemals versuchen, mit Wasser zu löschen!
Das Wichtigste ist, den Blick und das Bewusstsein für die richtige Ausstattung, die situationsbezogenen richtigen Löschmittel und Brandschutzeinrichtungen zu haben. Das kann eine Rauch-/Wärmeabzugs-Anlage sein oder auch die Ausbildung der Mitarbeitenden. Ein weiterer Tipp: An die sogenannten «Integralen Gesamttests» denken. Diese gehen trotz gesetzlicher Vorgaben oft vergessen. Bei dieser systemübergreifenden Funktionskontrolle wird das Zusammenspiel aller technischer Brandschutzeinrichtungen in der Realität mit Szenarien durchgespielt und protokolliert.
Praktische Übungen. Man muss Feuerlöscher und Löschdecke selber in die Hand nehmen und einen Löschversuch starten können. Hitze, Rauch, Distanz zum Brandort, Einsatz des Löschmittels – nur so bekommt man ein Gefühl dafür, was im Ernstfall passiert.
Man sieht sofort, wie ihr Selbstvertrauen wächst, einen Feuerlöscher beherzt in die Hand zu nehmen, diesen zu entsichern, auf das Feuer zuzugehen und ihn dann auch selbst einzusetzen. Das und die Arbeit im Team sind die wesentlichen Bestandteile jeder Brandschutzschulung.
Es soll allen Anwesenden ein gutes Basiswissen so vermitteln, dass sie bei einem Entstehungsbrand gut reagieren und richtig alarmieren können. Dann ist schon viel erreicht. Besonders wichtig ist es, Theorie mit praktischer Übung mit echten Geräten und Feuer zu verknüpfen. Eine gute Schulung findet nach Möglichkeit beim Kunden vor Ort statt. Hier sind die Teilnehmenden «zu Hause» und die Trainer können problemlos auf die Gegebenheiten vor Ort eingehen. Naturgemäss verkürzt sich durch das Training im eigenen Betrieb die Abwesenheit der Mitarbeitenden und der Betrieb kann auch während der Schulung aufrechterhalten werden. Und zu guter Letzt, aber auch wichtig: Die Schulungen sollen seriös und aktuelles Wissen vermitteln, gleichzeitig den Teilnehmenden aber auch Spass machen. So bleiben diese aufmerksam und motiviert. Zudem wird ganz nebenbei der Teamgeist gefördert.
Ich empfehle eine Schulungsdauer von 90 Minuten, maximal zwei Stunden. Längere Sequenzen bringen nichts. Besser ist es, alle zwei Jahre einen kürzeren Auffrischungskurs zu machen, als alle fünf Jahre eine längere Schulung. So können auch neue Teammitglieder aktiv in den Brandschutz einbezogen werden.
Die Kosten hängen von verschiedenen Faktoren ab, wobei die Teilnehmerzahl den grössten Preistreiber darstellt. Als Faustregel würde ich sagen: Ein mittelgrosser Gastronomiebetrieb muss pro teilnehmende Person zwischen 60 und 100 Franken alle zwei bis drei Jahre budgetieren.
Mit einer VR-Brille können diverse Brandszenarien durchgespielt werden. Gelöscht wird mit einem echten, mit Sensoren ausgestatteten Feuerlöscher. Diese Methode ist eine gute Alternative, wenn kein Platz im Freien für eine Brandschutzübung zur Verfügung steht. Allerdings spürt man im virtuellen Raum weder die Hitze noch die Wucht einer Fettbrandexplosion. Daher empfehlen wir, wenn immer möglich, eine echte, praktische Brandschutzschulung im Freien.
Eine grosse technische Umstellung für Anwender sind die PFAS-freien Löschschäume, wobei diese Änderungen sich nicht wesentlich auf die Schulungen auswirkt. Auch gibt es veränderte Gefahrenpotentiale, auf die wir die Schulungsinhalte und -module natürlich laufend anpassen. Ein Beispiel dafür ist der korrekte Umgang mit Akkus.
(Riccarda Frei)