«Eisgekühlte Getränke sind in der Hitze keine gute Idee»

Temperaturen von um die 40 Grad Celsius werden in der Schweiz zunehmend Realität. Emily Grossmann vom Beratungsunternehmen Hospitality Inside Out gibt Tipps, wie man die Hitzetage im Gastgewerbe bestmöglich übersteht.

Vor allem in den Städten, wo wenig Grünes vorhanden ist, wird die Hitze unerträglich. (Bild Pexels)

Die Hitzewelle von Ende Juni liegt erstmal hinter uns. Welche Ansätze haben Sie in den vergangenen Tagen in der Gastronomie gesehen?

Viele arbeiten mit Lösungen, die den Körper akut abkühlen, zum Beispiel ein nasses Tuch im Nacken. Das ist etwas, was sicher schnell helfen kann. Es gibt aber weitere Ansätze, wie man sich in der Hitze Abhilfe schaffen kann.

Viel Wasser trinken ist einer der ersten Hinweise, die zum Beispiel auch der Bund in seinen Hitzewarnungen gibt. Was sollte man dabei beachten?

Man würde in diesen Tagen zwar gerne eiskalte Getränke zu sich nehmen, das ist aber leider nicht ideal. Der Körper muss viel mehr arbeiten, um die kalte Flüssigkeit auf Eigentemperatur zu bringen. Das sorgt wiederum dafür, dass man mehr schwitzt. Es muss kein warmer Tee sein, aber auf Eisgekühltes sollte man verzichten. Im schlimmsten Fall kann es die Überhitzung verstärken und das Fass zum Überlaufen bringen.

Wer viel schwitzt, verliert aber nicht nur Wasser.

Genau. Es ist sehr wichtig, die Elektrolyte-Zufuhr nicht zu vergessen. Beim Schwitzen verlieren wir auch Salz. Da kann eine simple Bouillon aushelfen, um den Salzgehalt im Körper zu erhalten. Oder auch salzige Snacks können sinnvoll sein. Fehlen die Elektrolyte, kommt es zunehmend zu Erschöpfung und anderen körperlichen Symptomen.

Neben Bouillon und Salz-Crackern – worauf sollte man beim Essen achten?

Man sollte sicher darauf achten, möglichst leicht zu essen. In der Gastronomie gibt es für die Mitarbeitenden oft viele Kohlenhydrate. Das geht schon, aber es sollten eher kleinere Portionen sein. Ziel ist, dass der Körper möglichst wenig Verdauungsarbeit leisten muss. Auch wasserhaltige Früchte sind in der Hitze sehr hilfreich, wie Wassermelone oder Äpfel.


Emily Grossmann will dazu beitragen, Krankheitstage und Erschöpfung in der Branche zu minimieren. 


Wie sollte man die Pausen planen?

Bei der Hitze macht es Sinn, häufiger kleine Pausen einzulegen statt eine grosse. Dann hat man Zeit, Wasser oder Bouillon zu trinken und der Körper kann etwas herunterfahren.

Was gilt es bei der Arbeit im Aussenbereich zu beachten?

Die goldene Regel «Nie leer laufen» gilt bei Hitze umso mehr. Wer mehr Schritte geht, schwitzt auch mehr. Man sollte seine Laufwege so planen, dass man seine Energie möglichst konservieren kann. Sonnenschirme sollten möglichst nur dann geöffnet sein, wenn Gäste da sind. Darunter staut sich sonst die Hitze, was die Arbeit für die Mitarbeitenden im Service noch ein paar Grad wärmer macht.

Welche Berufskleidung hilft bei Hitze?

Ein leichtes Unterhemd nimmt den ersten Schweissausbruch auf und bietet eine Art Schutzschild. Es hält die Haut und auch das Oberhemd länger trocken. Wenn es der Dresscode erlaubt, kann man eine etwas lockerere Bluse tragen, damit nicht alles so eng anliegt und der Körper ein bisschen abkühlen kann. Zudem gibt es verschiedene kühlende Hilfsmittel für den Nacken oder die Handgelenke, die den Komfort bei der Arbeit etwas erhöhen können.

Wie lassen sich die Arbeiten in der Küche planen, um die Auswirkungen der Hitze zu minimieren?

Jeder Ofen, der läuft, heizt den Raum noch mehr auf. Wenn möglich, sollte man alle Vorbereitungen, die Hitze erfordern, in den frühen Morgenstunden oder am Abend erledigen. Was unter normalen Bedingungen schon heiss ist, wird in einer Hitzewelle zu einem wahrlichen Backofen. Eine etwas verkleinerte Karte kann auch dazu beitragen, dass die Küche nicht komplett überlastet wird.

Was tun, wenn man merkt, dass man selbst oder eine Arbeitskollegin ans Limit kommt?

Eine Notfallpause einlegen, wenn möglich in einem kühleren Raum. Nacken und Handgelenke kühlen, trinken und Salz zu sich nehmen. Nach zehn Minuten schauen, ob es wieder geht. Wenn Symptome wie Schwindel oder Übelkeit auftreten, sollte man sich hinlegen und die Füsse hochlagern.

Was können Führungskräfte tun, um ihre Teams in einer Hitzewelle zu unterstützen?

Wichtig ist vor allem die Kommunikation, dass es in Ordnung ist, wenn bei 40 Grad Aussentemperatur nicht alles gleich schnell läuft wie sonst.  Teamleiter sollten dazu ermutigen, mehrere kleinere Pausen zu machen und genug zu trinken. Und darauf hinweisen, wo die Mitarbeitenden Bouillon, Getränke und Abkühlungsmöglichkeiten finden.

(Alice Guldimann)


Hitzeerkrankungen erkennen: Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzschlag

Wer in der Hitze aktiv ist, nicht genügend trinkt und auf Sonnenschutz achtet, riskiert eine starke Überhitzung und unter Umständen schwere gesundheitliche Folgen. So unterscheiden sich Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzschlag: 

  • Sonnenstich: Entsteht durch übermässige Sonnenbestrahlung des Kopfes, was zu einem Wärmestau und einer Reizung der Hirnhäute führt. Es kommt zu Kopfschmerzen, Nackensteifheit, Übelkeit und Schwindel. 

  • Hitzekrämpfe: Kurze, schmerzhafte Muskelkrämpfe, die bei starker körperlicher Anstrengung in heisser Umgebung auftreten, durch Verlust von Flüssigkeit und Elektrolyte. Sie können auch ein frühes Zeichen von Hitzeerschöpfung sein. 

  • Hitzeerschöpfung: Eine Folge von Überwärmung, Dehydration und Salzverlust. Zu den Symptomen gehören Kopfschmerzen, Übelkeit, Muskelschwäche, Schüttelfrost und eine erhöhte Temperatur. 

  • Hitzschlag: Die Körpertemperatur steigt über 40 Grad, es kommt zu Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung, Halluzinationen und Krämpfen; die Haut ist rot, heiss und trocken. Hier handelt es sich um einen lebensgefährlichen Notfall. 

Sowohl bei Sonnenstich als auch bei Hitzekrämpfen und Hitzeerschöpfung sollte man sich in einen kühlen Raum begeben, abkühlen, trinken und Elektrolyte zufügen. Gegebenenfalls die Beine hochlagern. Tritt keine Besserung auf oder bei besonders schweren Symptomen einen Arzt aufsuchen. Bei Bewusstlosigkeit oder Verdacht auf einen Hitzschlag handelt es sich um einen medizinischen Notfall (Tel. 144) und muss sofort ärztlich behandelt werden. 

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Hospitality Inside Out

Bei Hospitality Inside Out steht die Gesundheit von Mitarbeitenden im Gastgewerbe im Fokus. Emily Grossmann, Absolventin der Ecole Hôtelière de Lausanne, gründete das Unternehmen am 1. Juli 2026 und bietet Talks, Schulungen und direkt einsetzbare Werkzeuge für stressige Situationen im Gastroalltag. Hospitality Inside Out unterstützt Hotelgruppen, eigenständige Betriebe und Führungskräfte in der gesamten DACH‑Region. Grossmann will dazu beitragen, die Fluktuation, Krankheitstage und Erschöpfung in der Branche zu reduzieren.

 

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