In der amerikanischen Wüstenstadt Las Vegas weisen Millennials und die Digitalisierung den Weg aus der Flaute.
«Es fehlt an nationalen und internationalen Touristen, die Bettenbelegung sinkt, wir können mit den Preisen anderer Orte nicht mithalten …» Die Aussage stammt nicht etwa von Schweizer Tourismusdirektoren, sondern von den CEOs der grossen Casinoketten und Hotels in Las Vegas. Nun hat die Casinostadt eine gastronomische Neuausrichtung gewagt und lädt in ehemaligen «all you can eat»-Lokalen zu Pekingente und mexikanisch-chinesischen Fusionsgerichten – zu Preisen wie in der Schweizer Spitzengastronomie – ein.
Vegas setzt dabei auf die Kernzielgruppe der Millennials und deren Ansprüche an die Gastronomie: Bei der Bestellung werden die Zutaten der Gerichte den eigenen Präferenzen, Diätgewohnheiten oder der Tageslaune angepasst. Der Servicefachmann ergänzt bei Interesse die Herkunft der Zutaten und nimmt allfällige Änderungswünsche jederzeit gerne entgegen. Die bestellten Gerichte werden von den Gästen aus allen Perspektiven fotografiert und nebst Selfies per WhatsApp, Instagram, Snapchat und Co geteilt. Das Online-Feedback bei Tripadvisor und Opentable gehört immer dazu und bringt dem Restaurant neue Gäste. Bei der kulinarischen Neuausrichtung in Las Vegas sind zwei Faktoren zentral: Die Millennials als Zielgruppe und die Digitalisierung. «Den Millennials muss es mehr als nur schmecken», sagt die Millennial-Menus-Studie.
Millennials haben nicht nur die grösste Kaufkraft, sie haben auch ganz andere Ansprüche an die Gastronomie und die Kulinarik. Sie wollen alles über die Produkte wissen und recherchieren können. Weil sie gerne Verschiedenes probieren, mögen sie kleinere Portionen. Es soll aus lokalen, wertigen und nachhaltigen Produkten gekocht und nicht nur aufgewärmt werden. Sie wollen Zutaten und Gerichte flexibel anpassen können und dabei auf nichts verzichten. Weder auf Kulinarik, Naturerlebnis, Freunde oder Entertainment. Und schlussendlich wollen sie ihr Essen teilen können: physisch und in den sozialen Medien.
Las Vegas setzt bezüglich Digitalisierung auf die neuesten Trends – nicht nur für die Millennials, sondern für die eigene Auslastung, das Marketing und die Bilanz. Tischreservation per Web und App sind seit Jahren möglich.
Wer zu Stosszeiten reservieren möchte, dem werden kostenlos Drinks in der Bar oder Punkte von Incentive-Systemen offeriert, sollte er sich entscheiden, später oder früher zu dinieren. Die Menüs auf den Bildschirmen vor den Lokalen passen sich den Tageszeiten und den verfügbaren Produkten an. Um die Auslastung der Tische zu maximieren, kann per App vorbestellt werden. So wird das Essen innert weniger Minuten nach Tischbezug serviert. Bestellungen werden digital eingegeben; das Personal ist per Mikrofon und Knopf im Ohr stets verbunden.
Was jedoch inmitten der TV-Köche und Stargastronomen in Las Vegas nicht vergessen werden darf, ist der Service: Jeder Kunde – ob im informellen Steakhouse STK oder im Sternelokal Wing Lei – wird überall mit Namen begrüsst und mit Namen bedient. Die persönliche Note zählt. Dazu gehört das standardisierte Kennenlerngespräch, beginnend mit «How’s your day going so far?».
Wer in Las Vegas Millennials ignoriert oder sich mit der Gastfreundschaft zurückhält, wird auch dort vom Markt bestraft.
Allein das Angebot der Speisen und die Freundlichkeit der Mitarbeiter reichen heutzutage nicht mehr, um erfolgreich zu sein.
(Gastbeitrag von Stephan Lendi, redigiert von Sarah Sidler)
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