Der Koch, der nicht jeden Geschmack treffen will

Wer im «De Matos» isst, muss gemäss Koch Oscar de Matos für alles offen sein. Sein Geheimrezept: Authentizität.

Oscar de Matos kocht in Luzern ein Menü, das von spanischen und japanischen Einflüssen geprägt ist. (Bilder Olivia Pulver)

Fünf Jahre lang erarbeiteten sich Oscar de Matos und Nadine Baumgartner im «Maihöfli» in Luzern einen Ruf weit über die Kantonsgrenzen hinaus. 16 Gault-Millau-Punkte und 1 Michelin-Stern – so die Bilanz ihres ersten eigenen Restaurants. 2023 dann der herbe Schlag für Luzerner Gourmets: Der Pachtvertrag lief aus, de Matos und Baumgartner gaben das «Maihöfli» auf. Heute kocht Robert Steuri in der ehemaligen Quartierbeiz – ebenfalls auf hohem Niveau.

De Matos und Baumgartner nahmen sich eine Auszeit. Sechs Monate reisten sie mit dem Camper durch die Welt und schöpften neue Energie und Kreativität. Nach kürzeren beruflichen Einsätzen im Schwarzwald und in Zürich wurde im Frühling 2025 bekannt: Die beiden kehren nach Luzern zurück, diesmal ins Kleinstadt-Quartier. «Wir haben hier nicht nur viele Stammkunden von früher, sondern auch unser privates Umfeld», sagen die beiden. Und: Das neue Lokal mit den geschwungenen Fenstern und den farbigen Zementfliesen sei einzigartig – es war Liebe auf den ersten Blick. Zudem bieten die Räumlichkeiten Platz für zwei verschiedene Konzepte: das Fine-Dining-Restaurant De Matos und das «Gilda», ein Café und eine Weinbar mit kleinen Häppchen.

08/15 gibt es woanders

Als «fucking crazy» bezeichnete «Gault Millau» Oscar de Matos vor ein paar Jahren. Das zieht sich auch im neuen Lokal durch. «Ich mache die Dinge immer ein wenig anders als andere», sagt der 43-Jährige, der seine Kochlehre im «El Bulli» bei Ferran Adrià absolviert hat. Seine Küche ist inspiriert von der japanischen und der spanischen. Der japanische Einfluss zeigt sich unter anderem daran, dass viel fermentiert wird. Neben Miso und Essig auch Produkte wie Spargeln, die so auch ausserhalb der Saison haltbar bleiben. Oscar de Matos liebt die Fermentation: «Sie gibt Produkten eine andere Tiefe und Intensität.»

Eines der Gerichte im Fine-Dining-Restaurant von Oscar de Matos: Topinambur mit Rettich, Ricotta und Beurre-Noisette-Vinaigrette.

Seine Geschmackskombinationen sollen überraschen: Blumenkohl mit Grapefruit, Haselnuss und Magnolie, Meerrettich mit Sauerkirschen. 08/15 gibt es nicht. «Das trifft nicht jeden Geschmack – muss es aber auch nicht», sagt Gastgeberin Nadine Baumgartner. «Wer zu uns kommt, muss offen sein für alles», so de Matos.

Unkompliziert und authentisch

Der Erfolg von de Matos und Baumgartner liegt aber nicht nur in der Kulinarik. 2025 wurde die Gastgeberin mit dem Michelin Service Award ausgezeichnet. Darauf angesprochen, sagt Nadine Baumgartner: «Ein Geheimrezept für guten Service haben wir nicht. Die Gäste sollen sich bei uns in unkomplizierter Atmosphäre wohlfühlen.» Überhaupt steht die Jagd nach Auszeichnungen, Punkten und Sternen im «De Matos» nicht im Vordergrund. «Wenn man authentisch ist und macht, was man liebt, kommt der Rest von selbst», so de Matos. Das scheint zu funktionieren: Das Restaurant erhielt auf Anhieb 16 Gault-Millau-Punkte und 1 Michelin-Stern.

Nach über einem Jahr hat sich das Gastgeber-Duo in Luzern wieder bestens eingelebt. Nur etwas mehr Bekanntheit würden sie sich wünschen. «Es braucht viel Zeit, bis sich herumgesprochen hat, was wir aktuell machen», sagt Nadine Baumgartner. Insbesondere das «Gilda» möchten sie bei der Luzerner Bevölkerung bekannter machen: «Hier kann man ganz unkompliziert etwas trinken und eine Kleinigkeit essen, das ist vielen noch nicht bewusst.» Für die beiden ist klar: Sie wollen in Luzern bleiben. Oscar de Matos sagt sogar: «Im besten Fall werden wir hier pensioniert.»

(Angela Hüppi)


Mehr Informationen unter:

dematos-luzern.ch