Umgenutzte Räume geben der Gastronomie neue Impulse

Wer seinen Gästen etwas Spezielles bieten möchte, eröffnet einen Betrieb an einem ungewöhnlichen Ort. Solche Konzepte bergen zwar viel Potenzial, sie verlangen aber auch Engagement, sei es für den Umbau oder das Angebot: sechs Beispiele, die etwas Besonderes bieten.

Auf der ganzen Welt gibt es spezielle Restaurants. Bei einigen steht das Aussergewöhnliche stärker im Zentrum als das kulinarische Angebot. In Singapur können Gäste zum Beispiel in der Kabine eines der grössten Riesenräder der Welt speisen. Oder im Asian Café Niu in München (DE) erhalten die Gäste Cappuccini in Regenbogenfarben mit essbarem Glitter. Dieses auch innen farbige Café wird gerne von jungen Menschen besucht, auch weil die Handybilder instagramtauglich sind.

Andere Betriebe setzen eher auf spezielle Zubereitungsmethoden wie das Restaurant El Diablo auf der spanischen Insel Lanzarote. Dort verwendet man eine Grillmethode, bei der das Fleisch und das Gemüse über einer Erdgrube gegrillt werden, die von der geothermischen Wärme eines Vulkans erhitzt wird.

Umnutzen und erhalten

Auch in der Schweiz gibt es Restaurants an speziellen Orten oder mit besonderen Konzepten. Einige befinden sich in Räumlichkeiten, die nicht mehr genutzt werden. Beispielsweise in einer Kirche wie das Restaurant Omnia im luzernischen Dierikon. Die Besitzerin Ursula Trucco bewahrte die ehemalige St.-Jakobs-Kapelle vor dem Zerfall. Eigentlich hätte die Gemeinde dafür sorgen müssen, dass diese erhalten bleibt. Laut Trucco fehlte jedoch das Geld oder das Interesse.

Im einstigen Luzerner Hallenbad Neubad befinden sich ein Bistro und ein Kulturbetrieb. Darin finden jährlich rund 300 Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Wissenschaft, Film und vielem mehr statt. Der Verein Netzwerk Neubad ist der Betreiber. Der Ort soll eine Plattform für Vernetzung und Debatte sein. Ein wichtiges Anliegen des Vereins ist zudem, dass Menschen mit Beeinträchtigungen Zugang haben.

Dieses sind zwei Beispiele für Restaurants an ungewöhnlichen Orten in der Schweiz. Andere Betriebe sind ungewöhnlich durch ihre Grösse wie die Spitalküche im Universitätsspital Zürich. Dort verarbeitet das Küchenteam für die Patienten, Mitarbeitenden und Gäste riesige Mengen an Lebensmitteln. Mehr Informationen zu den genannten und anderen Betrieben sind nachfolgend zu finden.

(Daniela Oeberli)


Das Hallenbad

Bistro Neubad, Luzern

Das «Neubad» ist ein Kultur- und Atelierhaus. Es wurde 2013 im ehemaligen städtischen Hallenbad eröffnet und der Verein Netzwerk Neubad betreibt es als Zwischennutzung. Es soll noch bis mindestens 2030 in dieser Form bestehen. Das Neubad verfügt über eine grosse Bühne im ehemaligen Pool, einen Club und ein Bistro. «Im Bistro bieten wir nebst einem lokalen und vielseitigen Getränke- und Essensangebot viel Raum für Menschen jeden Alters», sagt Geschäftsleiterin Nathalie Brunner. Die Terrasse zählt zu den schönsten in der Neustadt. Und für Familien steht ein grosser Kinderspielraum zur Verfügung. «Der 70er-Jahre-Charme und die spezielle Atmosphäre des früheren Badebetriebs ist spürbar.» Der Mittagstisch sei legendär, erklärt die Geschäftsleiterin weiter. Und ziehe Gäste aus der ganzen Stadt an. Im Service und in der Küche arbeiten rund 25 Mitarbeitende, im gesamten Kulturbetrieb etwa 70. Eine davon ist Denise Huber, die seit vielen Jahren für die Küche zuständig ist. Sie bietet täglich ein Mittagsmenü für rund 20 Franken an. Abends stehen verschiedene Speisen wie Burger oder Salate auf der Karte. Sonntags können die Gäste ausgiebig «zmörgele» oder brunchen. «Unser Bistro ist ein offener Ort mit ausgeprägter Gastfreundschaft», betont Nathalie Brunner.

neubad.org


Die Urnenhalle

Restaurant La Vie, Bern

Das Restaurant La Vie wurde in zwei denkmalgeschützten Urnenhallen auf dem Bremgartenfriedhof in Bern erstellt. Weil die Hallen nicht mehr genutzt wurden, hatte die Bernische Genossenschaft für Feuerbestattung die Aufgabe, diese zu sanieren. Mit der Sanierung und dem Einbau des Restaurants stehen die Räumlichkeiten nun den Friedhofbesuchenden und der Öffentlichkeit zur Verfügung. «Das ‹La Vie› ist schweizweit das erste vollwertige Restaurant auf einem Friedhof», erklärt Mirjam Veglio, Geschäftsführerin der Bernischen Genossenschaft für Feuerbestattung, die gleichzeitig Besitzerin des Restaurants ist. Der Betrieb ist vom Morgen bis frühen Abend geöffnet und bietet unter anderem Kaffee und Tee, Mittagsmenüs und Apéro an. Die Küche ist saisonal mit lokalen Produkten. Viele Gäste schätzen die Ruhe auf dem Friedhof und die angenehme Atmosphäre im Restaurant. «Beim Innenausbau haben wir viel in die Akustik investiert», sagt Mirjam Veglio. Aber wenn der Betrieb gut besetzt ist, dominiert das Leben mit all seinen Geräuschfacetten. Neben den Traueressen finden auch Firmenanlässe – im Juni sogar eine Hochzeitsfeier – statt. «Zudem hat die Genossenschaft eine Stelle geschaffen, die sich um kulturelle Anlässe kümmert. Vorgesehen sind Lesungen oder ruhige Konzerte», sagt Veglio. Fünf Mitarbeitende sind um das Wohl der Gäste besorgt. Als Geschäftsführer amtet Michael Kräuchi. Restaurant und Lounge bieten insgesamt Platz für fünfundreissig Personen. Im Wintergarten steht für vierundreissig Gäste Platz zur Verfügung und im Garten für dreissig.

restaurantlavie.ch


Die Gärtnerei

Hardys Tavolata, Stäfa/ZH

Hardy Lussi betreibt in der Gärtnerei Blumengarten in Stäfa seine eigene Trattoria. Am Morgen bietet er Kaffee, Tee sowie Softgetränke und wenige, aber qualitativ hochstehende Cornetti an. Am Mittag stehen Focaccia, Pinsa und frische Pasta auf der Karte. Der gelernte Medienfachmann betrieb, nachdem er sein Geschäft verkauft hatte, drei Jahre lang einen Foodtruck. Vor zwei Jahren erhielt er von Philipp Frei, dem Pächter der Gärtnerei, das Angebot, ein Bistro in einem Gewächshaus einzurichten. «Mir ist es wichtig, dass ich so viel wie möglich allein bestreiten kann. Und vor allem möchte ich persönlich für die Gäste da sein», erklärt der ehemalige Inhaber eines Fernsehsenders. Daher setze er auf ein kleines, aber qualitativ hochstehendes Angebot. Seine Gäste sind am vormittags häufig Mütter mit Kleinkindern oder Rentnerinnen und Rentner. Mittags und abends, wenn er Aperitif anbietet, seien die Gäste sehr durchmischt. Die Idee des Konzepts ist, dass die Kundinnen und Kunden der Gärtnerei sich nach dem Einkauf bei Hardy etwas Feines gönnen oder die Gäste die Gelegenheit nutzen, in der Gärtnerei und dem Blumenladen etwas Schönes zu kaufen. Hardys Tavolata bietet im Innenbereich rund 25 Sitzplätze. In den Sommermonaten gibt es draussen im Garten zusätzlich etwa zwölf Sitzplätze.

hardys-tavolata.ch


Das Universitätsspital

Gastronomisches Angebot, USZ Zürich

Thomas Marti ist Küchenleiter im Universitätsspital Zürich USZ. Er und sein 126-köpfiges Team bereiten täglich bis zu 5000 Mahlzeiten für Mitarbeitende, Besuchende und Patienten zu. Zudem bilden sie pro Lehrjahr zwei bis drei Lernende aus. «Ich schätze es, dass wir auf die Stimmung und die Genesung unserer Kundschaft einwirken können», sagt der eidgenössisch diplomierte Küchenchef. Im Moment beschäftige ihn neben dem Tagesgeschäft der Neu- und Umbau im USZ: «Ich kann Einfluss nehmen und bewirken, dass die Prozesse optimiert werden.» In diesem grossen Betrieb soll alles möglichst einfach funktionieren. Neben den normalen Gerichten bereiten 14 Diätköche pro Tag und Service 22 verschiedene Kostformen zu. Zusätzlich müssen zwischen 30 und 50 Spezialkostgerichte für Patienten mit Schluckstörungen oder Lebensmittelallergien zubereitet werden. Eine grosse Herausforderung sei das Einhalten der Hygienevorschriften. Dies sei sehr arbeitsintensiv. Damit in diesem Bereich keine Fehler passieren, ist eine Person für die Qualitätssicherung zuständig. «Trotz der grossen Dimensionen haben wir relativ viele Freiheiten und sind flexibel bei der Menüplanung.» Thomas Marti ist bereits seit 19 Jahren beim USZ angestellt. Mehr als die Hälfte seiner Mitarbeitenden sind auch schon seit mehr als zehn Jahren dabei. usz.ch


Die Herrenschneiderei

Bar und Modegeschäft Eniline, Bern

Die Bar Eniline ist in ein Modegeschäft integriert. «Wir verbinden zwei Welten miteinander: Mode und Gastronomie. Dadurch entsteht eine entspannte und inspirierende Atmosphäre», erklärt der Inhaber Jeremias Schlapbach. In seinem Geschäft könnten sich die Kunden Zeit nehmen einzukaufen und dabei etwas trinken. Zusätzlich nutzt er die Bar auch für öffentliche Anlässe wie Konzerte. Ein spezielles Detail in der Bar ist der Tresen: Das Frontblech war ursprünglich in der Kuppel des Bundeshauses verbaut. «Die Bar mit Modegeschäft entstand, weil wir das Einkaufserlebnis persönlicher und ganzheitlicher gestalten wollten», erklärt der Inhaber. Sein Bruder Benjamin und er wollten einen Ort schaffen, an dem man sich gerne aufhält. Selbstverständlich gebe es Synergien zwischen Bar und Modegeschäft: «Es kommt immer wieder vor, dass Gäste ursprünglich wegen der Bar herkommen und sich dann für die Mode interessieren – und umgekehrt.» Die Rückmeldungen der Gäste beziehungsweise der Kunden seien sehr positiv. Viele schätzen das ungezwungene Konzept und die besondere Atmosphäre. Die Bar, in der vier Mitarbeitende für das Wohl der Gäste sorgen, soll kein klassischer Gastronomiebetrieb, sondern eine Ergänzung zum Konzept sein.

eniline.ch


Die Kirche

Restaurant Omnia, Dierikon/LU

In Dierikon hat Ursula Trucco die ehemalige St.-Jakobs-Kapelle in ein Restaurant umgewandelt. Im Jahr 2018 kaufte sie das Gebäude für einen symbolischen Betrag von der Gemeinde. Die Kapelle, die 1862 erbaut und 1978 entweiht wurde, stand lange leer und befand sich in einem desolaten Zustand. «Der Innenraum war durchnässt, der Putz bröckelte und die Fenster waren beschädigt. Es fehlte an grundlegender Infrastruktur wie fliessendem Wasser, Heizung und Strom. Zudem musste Platz für Küche, Technik-, Lager- und Sanitärräume geschaffen werden», erinnert sich Trucco. Mit grossem Einsatz und hohen Investitionen baute sie die Kapelle um.

Seit 2020 betreibt sie dort das Restaurant Omnia. Ihr Konzept ist, die Bedeutung des Ortes in das gastronomische Erlebnis einzubinden. Das zeigt sich auch in der Menügestaltung: Die Gerichte sind nicht klassisch in Vor- oder Hauptspeisen gegliedert, sondern tragen Namen wie «Führe uns nicht in Versuchung», «Himmlische Ouvertüre» oder «Glück & Seligkeit». Ein Dreigangmenü wird zur «Heiligen Dreifaltigkeit». Angeboten wird eine saisonale, gutbürgerliche Küche, bei der fast alles hausgemacht ist. Im Innenraum des ehemaligen Kapellenschiffs stehen rund 85 Sitzplätze zur Verfügung, auf der Terrasse etwa 100. Für Anlässe bietet der Innenraum Platz für bis zu 100 Gäste. Insgesamt beschäftigt Ursula Trucco sechs Mitarbeitende. Im Dachgeschoss gibt es zudem einen Raum für Workshops, Sitzungen und Bewegungsangebote. «Als Sportlehrerin und Fitnesstrainerin liegen mir diese Angebote besonders am Herzen», sagt Trucco.

omnia-dierikon.ch