Nach fünf Jahren in der Grängierstuba in Grengiols/VS bricht Waldemar Schön ins Hochgebirge auf. Der Kommunikation hat er den Rücken gekehrt – als Fussballreporter bei Radio SRF bleibt er jedoch am Ball.
In der Tat sanken die Umsätze 2025 um bis zu 15 Prozent, nachdem sie in den vorangegangenen Jahren jedes Jahr um rund 20 Prozent zugenommen hatten. Wir waren eigentlich auf einem guten Weg. Aber die Eröffnung eines neuen Betriebes gleich gegenüber unserem Restaurant, notabene in einem 400-Seelen-Dorf abseits der grossen Verkehrswege, war der Grund. Gewiss, wir hätten kämpfen können. Aber die Tatsache, dass die Gemeinde den Konkurrenzbetrieb mit einem Zustupf von 50'000 Franken an öffentlichen Mitteln erst möglich gemacht hat, war für mein liberales Empfinden eine Schippe zu viel.
Es tut mir leid für die unzähligen Stunden und das eigene Kapital, das meine Frau und ich in den Betrieb investiert haben. Es tut mir leid um die Verpächterfamilie, mit der wir ein ausgezeichnetes Verhältnis hatten und haben. Vor allem aber tut es mir leid um die Stammgäste, die einen Treffpunkt verloren haben und die uns - und wir sie - sehr vermissen. Meine Frau und ich haben den Laden mit vollem Einsatz und sehr viel Herzblut betrieben. Das haben uns die Gäste mit ihrer Treue und Dankbarkeit mehr als zurückgezahlt. Für dieses Erlebnis sind wir dankbar und blicken ohne Groll zurück.
In der laufenden Wintersaison habe ich eine ganz neue Aufgabe in einem Sportgeschäft eines Freundes auf der Riederalp übernommen. Wobei: So anders als das Gastgeberdasein ist es auch nicht. Denn der Kontakt mit Menschen und die Möglichkeit, Kunden mit einer guten Dienstleistung glücklich zu machen, ist vergleichbar mit einer Beiz. Aber ehrlich gesagt fehlen mir der Küchenstress und die Fantasie beim Kochen jeden Tag.
Dem ist so: Die Bortelhütte im Simplongebiet. Ich habe diese Hütte schon vor 17 Jahren geführt und dort meine Frau kennengelernt. Es ist eine Wanderhütte mit Schlafplätzen und einfacher Gastronomie.
Wie schon in der Grängierstuba werde ich voll auf lokale und regionale Produkte setzen. Natürlich macht es die Lage der Hütte, die nur per Helikopter beliefert werden kann, schwierig, eine «frische» Küche anzubieten. Trotzdem kann man dank Techniken wie Sous-vide-Garen und Schockfrosten sehr viele Dinge im Voraus zubereiten und so praktisch frisch auf den Tisch bringen. Zudem werde ich völlig auf industriell hergestellte Süssgetränke verzichten und stattdessen mit dem kristallklaren Bortelwasser auf Morand-Sirup und frischen Eistee setzen. Bier im Offenausschank wird zusätzlich beitragen, dass Helikopterflüge für Getränke, Leergut und Abfallentsorgung auf ein Minimum reduziert werden können. Wanderhütte, Regionalität in der Küche und Nachhaltigkeit bei Getränken und Beschaffung bilden in meinen Augen eine perfekte Einheit.
Hoffentlich mehr Skitouren laufen als es diesen Winter der Fall war… Im Ernst: Ich weiss es noch nicht.
Ich habe meine Kommunikationstätigkeit vor sechs Jahren an den Nagel gehängt. Es hat für mich nicht mehr gepasst und in dieser Branche sollte man sich tunlichst davor hüten, sein Verfallsdatum zu überschreiten. Ich hatte keinen Spass mehr an den immer gleichen Abläufen und den ewiggleichen Lösungsansätzen bei Kommunikationsproblemen in Firmen und anderen Organisationen.
Ja, ich nenne das «Psychohygiene für einen alten Radiofreak». Es gibt kein direkteres Medium als Radio und darin gibt es nichts Schöneres, als bei einem Livespiel Bilder für die Ohren des Publikums zu malen, Emotionen zu wecken und meinem liebsten Hobby, dem Fussball, zu frönen. Dass man dafür noch bezahlt wird, ist ein sehr angenehmer Nebeneffekt.
Für uns Journalisten stellt YB die beste Verpflegung zur Verfügung – immer zwei verschiedene Pasta und oft noch ein Süppchen dazu. Die beste Stadionverpflegung ist für mich natürlich ein echtes Raclette im Tourbillon in Sitten. Da ja in Sion neuestens auch noch so etwas wie Konstanz und eine erstaunliche präsidiale Ruhe herrschen, schmeckt der Johannisberg zum Raclette gleich doppelt so gut.
(rup)