«Die Tradition mit Innovationen pflegen»

2025 wurde der gebürtige Nigerianer Culinarium-König. Was brachte ihm der Titel und welchen Tipp gibt er dem aktuellen König?

Babatunde Adewale ist stolz, Teil der reichen Schweizer Käsekultur zu sein. (ZVG)

Babatunde Adewale, was bedeutet Ihnen der Titel und was hat er Ihnen gebracht?

Der Titel Culinarium-König 2025 bedeutet uns – meine Frau und ich führen die Schafmilchkäserei Koster in Wald/ZH gemeinsam – sehr viel. Und das auf verschiedenen Ebenen. Diese Auszeichnung zu erhalten, war auf der geschäftlichen Ebene äusserst positiv. Wir konnten unseren Betrieb präsentieren, unsere Produkte in bestem Licht zeigen, wichtige Kontakte knüpfen, bekamen viel Aufmerksamkeit – auch von Medien – und konnten unseren Bekanntheitsgrad steigern. Wir hatten bereits vor der Titelvergabe Anfragen von exklusiven Geschäften, die unsere Käse ins Sortiment aufnehmen wollten. Die Auszeichnung brachte uns aber eine bessere und weitreichendere Sichtbarkeit.

Sie erwähnten vorhin verschiedenen Ebenen. Welche gibt es denn noch?

Auf der persönlichen Ebene war es eine ganz besondere und einzigartige Freude, mit dem Titel Culinarium-König 2025 geehrt zu werden. Die Auszeichnung ist eine Bestätigung, dass wir mit unseren Produkten und unserer Betriebsphilosophie auf dem richtigen Weg sind. Gleichzeitig ist es eine Wertschätzung unserer bisherigen Arbeit. Hinzu kommt noch eine gesellschaftliche Ebene. Ich war meines Wissens der erste Ausländer – auf jeden Fall aber der erste Afrikaner – der am Wettbewerb teilnahm. Ihn gleich noch zu gewinnen, das ist ein gewaltiges Erlebnis: für mich, meine Frau, unsere Kinder und für Menschen mit Migrationshintergrund.

Wie meinen Sie das?

Ob helle oder dunkle Haut, es gibt auf beiden Seiten Vorurteile und Vorbehalte, die abgebaut gehören. Ich bin für beide Seiten ein Beispiel dafür, dass man in der Schweiz unabhängig von Herkunft und Hautfarbe mit Fleiss, harter Arbeit, Durchhaltevermögen und einer positiven, offenen Einstellung Erfolg haben kann und wertgeschätzt wird. Das sogar in einem urtypisch schweizerischen und traditionsreichen Beruf wie dem des Käsers.

Erleben Sie selbst Vorbehalte wegen Ihrer Hautfarbe?

Ja, das kommt vor. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass, wenn ich freundlich und offen auf die Menschen zugehe und ihnen – manchmal auch mehrmals – die Chance gebe, mich kennenzulernen, sich Vorurteile und Scheu auflösen. Es entsteht dann Platz für schöne Begegnungen sowie echte Freundschaften.

Wie sind Sie Käser geworden?

Durch meine Frau Aninia. Sie ist Milchtechnologin. Kennengelernt haben wir uns in London, wo ich als Verkäufer arbeitete. Zuerst pendelte Aninia zwischen Wald und London, dann zog ich zu ihr in die Schweiz. Ursprünglich war geplant, dass ich nur vorübergehend in der Schafmilchkäserei meines Schwiegervaters mitarbeite. Doch das Käsen hat mich einfach nicht mehr losgelassen.

«Ich verstehe die Schweizer Kultur gut. Sie ist inzwischen ein Teil von mir.»

Was fasziniert Sie so an der Käseherstellung?

Alles. Die Zusammenarbeit mit den regionalen Milchproduzenten, der Herstellungsprozess, das Entwickeln neuer Kreationen, das Vermarkten unter unseren Marken «Baba» und «Cheese Doctor». Besonders fasziniert mich jedoch, dass Käse in der Schweiz ein so wichtiges Kulturgut ist. Ich liebe, Teil dieser Kultur zu sein. Die Schweizer Käsetradition zu pflegen und sie mit neuen Kreationen zu bereichern, macht mir Freude. Generell fühle ich mich sehr eng mit der Schweizer Kultur verbunden. Ich bin jetzt auch selber Schweizer, genauer gesagt Appenzeller. Gleichzeitig freue ich mich, in Wald auch eine nigerianische Tradition pflegen zu können, indem wir den Familienbetrieb weiterführen und weiterentwickeln.

Apropos entwickeln, gibt es Pläne für neue Produkte?

Wir sind laufend daran, unser Sortiment durch saisonale oder trendige Produkte interessant und neu zu halten. Zum Beispiel bieten wir im Winter einen Ingwer-Shot mit Ananas auf Johannisbeer-statt Apfelsaftbasis an. Im Sommer gleichen wir Milchüberschüsse durch die Erweiterung des Sortiments aus und stellen beispielsweise Schafmilch-Trinkmolke und Schafmilchglace her. Als kleines Familienunternehmen haben wir den Vorteil, schnell und flexibel Trends aufnehmen und umsetzen zu können. Das tun wir gerne, sprechen aber erst über das Produkt, wenn es verkaufsbereit ist.

Dieses Jahr wurde Tom Adler von Localfish zum Culinarium-König gekrönt. Welchen Tipp geben Sie dem neuen König?

Jeder Unternehmer hat seine Philosophie, seine Erfahrungen und sein Wissen. Ich masse mir nicht an, jemandem Tipps zu geben, bin aber immer offen für Gespräche und Austausch. Wir können immer alle voneinander lernen und so nur profitieren.

(Riccarda Frei)


Zur Person

Babatunde Adewale führt mit seiner Frau Aninia Adewale-Koster seit 2020 die Schafmilchkäserei Koster GmbH in Wald/ZH. Das Paar hat zwei schulpflichtige Kinder. In seiner Freizeit engagiert sich der Käser bei der örtlichen Feuerwehr, treibt mit seinen Kindern Sport und geniesst die Familienzeit.
schafmilchkaeserei.ch

Wunschbriefkasten

Über welches Thema möchtest du in der nächsten Ausgabe lesen?