Soll man Handys im Restaurant verbieten?

Lautes Telefonieren oder Fotografieren am Tisch wird von Gästen, aber auch von Gastgebern, oft als störend empfunden. Soll ein gesetzliches Handyverbot in Schweizer Restaurants eingeführt werden? Die Meinung darüber ist in der HGZ-Redaktion gespalten. Redaktorin Daniela Oegerli spricht sich dafür, Verlagsleiter Jörg Ruppelt dagegen aus.

Daniela Oegerli

Redaktorin Hotellerie Gastronomie Zeitung
Mitglied des Berufsverbands Hotellerie & Hauswirtschaft

PRO: Ich würde ein Verbot begrüssen, denn Handys sind überall, im Zug, beim Einkaufen, auf der Strasse und im Restaurant. Viele Leute können gar nicht mehr ohne. Aus meiner Sicht gibt es Orte, an denen ein Handy nichts zu suchen hat. Zum Beispiel die Unsitte, das Handy im Restaurant auf den Tisch zu legen und alle paar Minuten einen Blick darauf zu werfen, finde ich, gelinde gesagt, unschön. Die Aufmerksamkeit hat dann nicht das Gegenüber, sondern das mobile Gerät. Noch schlimmer finde ich die Leute, die im Restaurant am Tisch telefonieren. Womöglich in einer solchen Lautstärke, dass alle Gäste mitkriegen, was sie oder er der Person am anderen Ende der Leitung mitteilt. Denen rate ich: «Geht vor die Tür, es interessiert niemanden, was ihr wo, mit wem und wann erlebt habt.»

Niemand muss ununterbrochen und überall erreichbar sein. Und in dem Moment, wo man mit jemandem im Restaurant sitzt, ist nichts wichtiger als das Gegenüber sowie die Speisen und die Mitarbeitenden. Ich habe schon oft beobachtet, wie sich Menschen in der Gaststätte gegenübersitzen und statt sich zu unterhalten, auf den Bildschirm schauen. Dann frage ich mich, warum geht man zusammen aus und unterhält sich doch nicht miteinander.

«Im Restaurant gehört das Handy in die Tasche und nicht auf den Tisch.»

Daniela Oegerli

Einige begründen das Handy auf dem Tisch damit, dass sie das Essen fotografieren möchten, um die Fotos danach in den sozialen Medien zu verbreiten. Dabei hat sich die Küchenbrigade Mühe gegeben, etwas Feines zuzubereiten. Die Aufmerksamkeit gilt dann nicht dem Gericht, sondern dem Bild für Instagram, Snapchat oder für was auch immer. Ich halte das für völlig überflüssig. Meistens kommen diese Fotos in einer derart schlechten Qualität daher, dass man der Gastronomin oder dem Gastronomen eher einen Bärendienst erweist, als dass sie Werbezwecken dienen. Das Handy sollte im Restaurant auf lautlos gestellt, in der Tasche und nicht auf dem Tisch sein.

(doe)


Jörg Ruppelt

Leiter Hotellerie Gastronomie Verlag
Mitglied des Berufsverbands Service-Restauration Schweiz

CONTRA: Von Staats wegen die Benutzung eines Handys in Restaurants zu verbieten, halte ich für ausgemachten Blödsinn. Ein striktes Verbot schadet der Gastronomie. Wenn sich Gäste oder Gastgeber daran stören, dass andere laut telefonieren, kann man sie höflich darum bitten, dies zu unterlassen. Wenn Gäste lieber am Smartphone kleben, statt sich mit dem Gegenüber zu unterhalten, ist das deren Privatsache. Ein Urteil über smartphonesüchtige Gäste zu fällen, masse ich mir nicht an. Und schon gar nicht fordere ich eine gesetzliche Busse oder gar einen polizeilichen Rausschmiss. Ein generelles Verbot fände sowieso keine Mehrheit. Es ist zwar schon sechs Jahre her, aber eine Befragung eines namhaften Online-Reservationssystems unter 1700 Gästen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kam zum Schluss, dass drei Viertel der Befragten ein Verbot ablehnen würden.

«Viel Spass, wenn der Service das Menü ins Chinesische übersetzen muss!»

Jörg Ruppelt

Gastronomen, die sich über den Handykonsum ihrer Gäste ärgern, können das Googeln und Fotografieren am Tisch selbst unterbinden. Beispiel: Gaggan Anand. Der indische Starkoch lässt in seinem gleichnamigen Restaurant in Bangkok seit Anfang Jahr keine Smartphones mehr zu. Die 290 000 Follower auf Instagram sind ihm piepegal. Er kann es sich offensichtlich leisten, andere Gastronomen können es nicht. Menübilder, die in die digitale Welt hinausgeschickt werden, sind unbezahlbare Lockvögel. Wer aus der Ferne kommt und die Speisekarte nicht lesen kann, zückt sein Handy und lässt das Menü sekundenschnell in die eigene Muttersprache übersetzen. Sollen Gäste bei Verständnisproblemen zukünftig nur noch die Restaurationsfachleute zurate ziehen dürfen? Viel Spass – und was das kosten dürfte, wenn die Mitarbeitenden Chinesisch-Sprachkurse belegen müssten! Die digitale Speisekarte ist sowieso auf dem Vormarsch. Das Smartphone ist unverzichtbar. Das Ding bleibt auf dem Tisch!

(rup)