«Sie waren nicht fahrlässig, Sie waren höflich»

Cyberangriffe, Datendiebstahl und Betrug sind reale Gefahren. Wie man damit umgeht, weiss der Experte für Social Engineering.

Herr Büschlen, im November führen Sie mit zwei weiteren Experten den Online-Kurs «Operative Resilienz im Hotelbetrieb» durch. Was ist darunter zu verstehen?

Im Kern geht es um die Fragen: Was machen wir, wenn ein Sicherheitsvorfall eintritt? Und: Funktioniert mein Betrieb dann noch? Im Kurs verbinden wir Cyber-Security, menschliche Faktoren und Krisenmanagement. Wir zeigen, welche Bedrohungslagen tatsächlich existieren, wo Anspruch und Realität auseinanderklaffen und wie ein Hotel seine Widerstandsfähigkeit mit vernünftigem Aufwand verbessert. Dazu betrachten wir Mensch, Technik, Organisation sowie physische Sicherheit. Das passt zur Realität eines Hotels, wo ein Problem selten sauber sortiert daherkommt.

Roger Büschlen ist Mitinitiator von Red Teaming Schweiz. Social Engineering und Sicherheitsmassnahmen im operativen Alltag sind sein Schwerpunkt. (ZVG)

Apropos Realität eines Hotels: Viele haben Sicherheitspläne. Greifen die in der Praxis auch?

Um das zu prüfen, führen wir Hoteltests durch. Wir schauen: Wie sicher ist der digitale Auftritt des Hotels? Welche digitalen Türen sind offen? Wie weit kommt eine fremde Person im Haus? Gelangt sie ungehindert auf Gästeetagen oder ins Backoffice? An welche Informationen kommt sie heran? Und was passiert, wenn Mitarbeitende bemerken, dass etwas nicht stimmt? Dabei haben wir festgestellt: Häufig fehlt es nicht an Sicherheitsmassnahmen. Prozesse und Technik sind vorhanden, aber im laufenden Betrieb greifen sie anders, als auf dem Papier geplant. Genau das verstehen wir unter operativer Resilienz: Nicht nur einen Plan haben, sondern wissen, ob und wie er funktioniert.

Gibt es noch weitere Erkenntnisse aus Ihren Hoteltests?

Wir haben gesehen, wie menschliche, organisatorische und digitale Schwachstellen ineinander greifen. Die Frage lautet daher nicht: Wie verhindern wir den nächsten Hackerangriff?, sondern: Was kann unseren Betrieb ernsthaft beeinträchtigen, und wie können wir dieses Risiko minimieren?

Gibt es bei den Risiken Unterschiede zwischen Hotels, Restaurants und Spitälern?

Natürlich. Ein Restaurant kann einen Kassenausfall zur Not mit Zettel und Stift überbrücken. Bei einem Hotel mit 100 Anreisen am Tag sieht das anders aus. Und bei einem Spital können ausgefallene Systeme die Versorgung von Patienten unmittelbar betreffen. Hotels haben zudem die Besonderheit, dass Offenheit und Dienstbeflissenheit zum Geschäftsmodell gehört. Das kann ausgenützt werden. Meist handeln Mitarbeitende nicht fahrlässig, sondern waren bloss gastfreundlich und höflich.

Was können Betriebe tun, um Sicherheitslecks aufzudecken?

Man muss aus Sicherheit keine Wissenschaft machen. Es reicht zu klären: Was passiert, wenn unser Property-Management-System PMS morgen nicht funktioniert? Können Externe vom Gäste-WLAN aus in interne Systeme eindringen? Wissen Mitarbeitende, dass sie zu einem Gast auch Nein sagen dürfen?


«Die Kunst besteht darin, Sicherheit so zu organisieren, dass der Gast möglichst wenig davon merkt.»


Hier setzt unsere Arbeit als Partner für Resilienz und Sicherheit an. Wir schreiben nicht nur Konzepte, wir prüfen auch gemeinsam mit den Betrieben, was in ihrem Alltag wirklich funktioniert.

(rif)


Kursprogramm und Anmeldung unter:

hotelgastrounion.ch


Kurs «Operative Resilienz im Hotelbetrieb»

Cyberangriffe erkennen, verhindern und falls doch ein Schaden entsteht, in der Krisensituation handlungsfähig bleiben: Das lernen die Teilnehmenden in diesem Kurs. Er findet online statt und wird in zwei Modulen durchgeführt. Dies am 11. und 17. November jeweils von 9 bis 12 Uhr. Für Mitglieder der Hotel & Gastro Union kostet die Teilnahme 312 statt 390 Franken.