300 Tonnen Lebensmittel und 4400 Mahlzeiten: Berner Bio-Offensive wirkt

Die zweite Berner Bio-Offensive ist nach fünf Jahren abgeschlossen. Die Verantwortlichen sind zufrieden. Obwohl die Gastronomie beim Stichwort Bio nach wie vor vorsichtig ist.

Das Projekt fokussierte darauf, möglichst direkte Lieferbeziehungen zwischen Berner Bio-Landwirtinnen und -Landwirten und der Gemeinschaftsgastronomie aufzubauen. (Bio Suisse)

Ziel der Offensive war es, die Wertschöpfung regionaler Bio-Produkte zu steigern. Dank Projekten, Kooperationen, Bildungs- und Ernährungsangeboten sowie innovativen Geschäftsmodellen konnten neue Marktzugänge erschlossen und bestehende Strukturen gestärkt werden. Zu den wichtigsten Erfolgen zählt die integration von 300 Tonnen Berner Bio-Rohware in Wertschöpfungsketten, wie es in einer Mitteilung heisst. Es entstanden 35 neue Lieferbeziehungen und 650 Akteurinnen und Akteure wurden miteinander vernetzt. 

Auch die Gemeinschaftsgastronomie war ein wichtiger Bestandteil der Offensive. Laut Mitteilung werden heute 4400 Bio-Mahlzeiten täglich in der Gemeinschaftsgastronomie serviert. Das entspricht gemäss dem Projektbericht einem Mindestumsatz von circa 700'000 pro Jahr. Besonders eng war die Zusammenarbeit mit der Gastronomie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften. Unter strategischer und operativer Begleitung der Berner Bio-Offensive erhielt deren Mensa als erste Schweizer Gemeinschaftsgastronomieküche das Label «Bio Cuisine» mit einem Stern (30 bis 60% Bio-Anteil). Sie produziert täglich 400 bis 500 Menüs für verschiedene Standorte der Berner Fachhochschule.

Umstellung ist nicht leicht

Die Integration von Bio-Produkten in der Gastronomie zeigte sich laut dem Bericht aber nicht unbedingt einfach: «Deutlich wurde, dass Regionalität und Swissness in der Wahrnehmung vieler Gastronomiebetriebe höher gewichtet werden als der Bio-Status eines Produkts.» Bio sei «Nice-to-have», keine strategische Priorität. Entsprechend erfordere der Einstieg in Bio einfache, eng begleitete Schritte mit klar erkennbaren Vorteilen. «Produktumstellungen gelingen besonders gut bei Kategorien mit geringer Umstellungsbarriere, wie Wein, Tofu, Hülsenfrüchten oder Trockenprodukten, Fleisch (ganze Tiere), wohingegen Bio-Gemüse aufgrund saisonaler und logistischer Faktoren herausfordernd bleibt», schlussfolgert der Bericht.

Ein weiteres Learning betrifft die Labelpolitik: Das Bio-Cuisine-Label werde zwar als hilfreiches Qualitäts- und Steuerungsinstrument wahrgenommen, gleichzeitig aber als administrativ anspruchsvoll und kostspielig erlebt. «Die bestehende Ausgestaltung - insbesondere die 30-Prozent-Schwelle am Wareneinkaufswert und der damit verbundene Aufwand – wirkt für viele Betriebe eher abschreckend.» Um den Bio-Anteil in der Gastronomie zu fördern, brauche es umfassende Unterstützung vom Einkauf, Leistungserstellung, Absatz bis zur Kommunikation. Niedrige Einstiegsschwellen für Labels und Anerkennungssysteme, gestufte Anerkennungsmodelle und unterstützende Fördermassnahmen seien erwünscht, wie zum Beispiel Vorgaben seitens Kantone, Gemeinden und Städte zu gesunder Ernährung in Betrieben der Gemeinschaftsgastronomie.

Es geht weiter

Regierungsrat Christoph Ammann, Wirtschafts-, Energie- und Umweltdirektor des Kantons Bern, sagt zum Erreichten: «Wir haben gezeigt, dass mehr Berner Bio auf die Teller kommt, wenn die richtigen Leute zusammenarbeiten. Jetzt ist das Netzwerk geknüpft und kann auch ohne die aktive Unterstützung des Kantons weiter bestehen.» Mit dem Abschluss der Bio-Offensive sind die Grundlagen für die Weiterführung gelegt: Bestehende Organisationen übernehmen die Netzwerke und Kooperationen und entwickeln diese weiter. So werden beispielsweise die Beratungsangebote für Gastronomiebetriebe zur Integration lokaler Rohstoffe weitergeführt.

(mm/agu)