Schweiz Tourismus hat die Auswirkung des Golfkriegs auf die Logiernächte analysiert.

Diesen Sommer gilt es, Annullationen, so hart sie aus wirtschaftlicher Sicht sind, wohlwollend zu akzeptieren. (Adobe-Stock)
Der Krieg im Nahen Osten hat spürbare Folgen für den Tourismus. Seit dem 28. Februar ist der Luftraum über der Golfregion geschlossen. So setzt die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss gehört, sämtliche Flüge nach Dubai (AE) und Tel Aviv (IL) bis Ende Mai aus. Flüge nach Abu Dhabi (AE), Riad (SA) und Maskat (OM) fallen voraussichtlich bis zum 24. Oktober aus. «Weil auch der Luftraum über der Ukraine und Russland geschlossen ist, gibt es eine Route über den Kaukasus mit begrenzter Kapazität», sagte Andreas Hardeman vom World Economic Forum WEF in einem Webinar von Schweiz Tourismus. Dubai, Abu Dhabi und Doha als Umsteigedrehscheiben für ein Drittel der Touristen aus Asien fallen weg. «Fluggesellschaften, welche Direktflüge anbieten, fliegen lange Umwege», so der Aviatik-Experte des WEF. «Die Flugzeit von Bangkok nach Zürich dauert heute fast fünf Stunden länger als noch vor einem Monat.» Aufgrund Tausender Extrakilometer und eines-Mehrverbrauchs an Kerosin sind die Ticketpreise zwischen 10 und 20 Prozent gestiegen. Flüge werden annulliert und einige Fluggesellschaften haben sogar Teile ihrer Flotte stillgelegt.
Für die fünf Marktsegmente Schweiz, Europa, Golfstaaten, Amerika sowie Asien und Pazifik hat Schweiz Tourismus je zwei Szenarien erarbeitet. Im Szenario eins, mit einer Normalisierung der Situation im Mai, wird mit einem allgemeinen Rückgang der Logiernächte um ein Prozent gerechnet. Simon Bosshart, Leiter Märkte Ost bei Schweiz Tourismus, sieht negative Auswirkungen auf das Reiseverhalten nach dem Ramadan, rechnet jedoch mit einer Erholung durch Last-Minute-Reisen im Sommer.
Simon Bosshart, Leiter Märkte Ost bei Schweiz Tourismus
Normalisiert sich die Situation im Nahen Osten erst im September, rechnet Schweiz Tourismus mit einem Rückgang der Logiernächte um bis zu zehn Prozent. Im Sommer 2026 würden kaum Touristen aus den Golfstaaten in die Schweiz reisen können. Obwohl diese nur 1,9 Prozent aller Logiernächte generieren, ist ihr wirtschaftlicher Beitrag überdurchschnittlich gross. Mit 400 bis 500 Franken pro Kopf und Tag geben sie mehr als doppelt so viel aus wie der Durchschnitt aller Reisenden.
Steigende Preise und der star-ke Franken könnten Europäer abhalten, ihre Ferien in der Schweiz zu verbringen. Hält der Krieg an, könnten Amerikaner anstatt nach Europa zu reisen, sich für die Fussballweltmeisterschaft zu Hause interessieren. Und die zusätzlichen Strapazen einer Europareise würden viele Asiaten abschrecken. Diese orientierten sich an Reisezielen in ihrer Region.
Martin Nydegger nennt die aktuelle Situation «The Long Wait», eine Verschiebung der Nachfrage. «Wir hoffen nicht, dass Buchungen hinausgezögert und am Ende nicht gemacht werden», sagt der Direktor von Schweiz Tourismus. «Wir bleiben auf allen Märkten präsent, um die Zuverlässigkeit und Sicherheit der Schweiz als Reisedestination in den Vordergrund zu rücken.»
(Gabriel Tinguely)