«Bleiben sie zu Hause, der Wein kommt zu Ihnen»

Der Winzer aus dem zürcherischen Freienstein ist nie um eine Idee verlegen.

Andreas und Prisca Schwarz sind als Videoblogger auf HG+ zu sehen. (ZVG)

Andreas Schwarz, Bars und Restaurants sind geschlossen. Wie läuft das Geschäft?
Andreas Schwarz:
Es ist furchtbar. Wir haben beste Weine abgefüllt. Ja, sogar verboten gute Weine, die Sie eigentlich probieren müssten. Doch nicht nur Restaurants und Bars sind geschlossen, auch alle Weinanlässe und alle Weinmessen sind abgesagt.

Welche Folgen hat das für Sie?
Das ist eine schwierige Frage. Ich denke, wir haben Glück. Unser Wein wird mit zunehmender Reife nur besser. Finanziell haben wir ein Polster. Winzer werden immer wieder mit Krisen konfrontiert. Als Folge des Spätfrosts 2017 hatten wir eine um 60 Prozent kleinere Ernte. Das tat weh. 

«Wein ist mit Emotionen verbunden. Die bieten wir auch online.»
 

Sie sind in den sozialen Medien präsent. Was haben Sie sich jetzt ausgedacht? 
Ja, mit selbstgedrehten Videos nehmen wir unsere Fans mit in die Reben, in den Keller und zeigen, was wir machen. Nach ersten holprigen Versuchen haben meine Frau Prisca und ich den Videodreh mittlerweile ganz gut im Griff. Nun wollen wir etwas ausprobieren, das wir noch nie gemacht haben: eine online Weinverkostung. 

Zuschauen, wie Sie Ihre Weine verkosten. Ist das nicht langweilig? 
Nicht mit uns (lacht). Wir haben uns das schon ausgedacht, als das Coronavirus noch kein Thema war. Aus unserem Sortiment haben wir zwei Weinkisten mit je sechs Flaschen zusammengestellt, die wir unseren Kunden nach Hause liefern. Vorerst sind wir an vier Freitagen auf unserem Youtube-Kanal online und öffnen jeweils drei dieser Weinflaschen. Für die erste Kiste waren dies der 27. März und der 3. April. Aus der zweiten Kiste, die noch bestellt werden kann, öffnen wir die Flaschen am 10. und 17. April.  

Können sich die Mitverkoster irgendwie einbringen?
Auf jeden Fall. Mit #schwarzwein können alle, die wollen, mitwirken, Fotos ihrer Verkostung schicken und Kommentare abgeben. Dies auf Instagram, Facebook oder per Mail an schwarz(at)weingutschwarz.ch. Machen Sie mit und haben Sie eine gute Zeit! 

Wie war die Stimmung bei der ersten Online-Verkostung? 
Die Stimmung war genial, wir konnten echt viel Schwung und Unterhaltung zu unseren Kunden bringen. Die wiederum haben grossartig mitgemacht, uns mit Fragen bombardiert und auf Facebook und Instagram auch zahlreiche Fotos gepostet.

Ein Höhepunkt in dieser speziellen Situation. Mit welchen Gefühlen blicken Sie in die Zukunft? 
Ich darf das fast nicht sagen. Doch ich blicke eigentlich fast sorglos in die Zukunft. 

Weshalb?
Ich denke, dass der Online-Verkauf massiv zunehmen wird. Da sind wir mit unserem Videoblog und der Präsenz auf Online-Kanälen gut aufgestellt. Wir werden mit unseren Online-Verkostungen auf jeden Fall weitermachen, bis niemand mehr vom Coronavirus spricht.

Viele Winzer sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Wie arg steht es um den Schweizer Weinbau?
Diese Frage musste kommen. Doch da passe ich und spreche weder Lob noch Tadel aus.

Gibt es zu viel Schweizer Wein auf dem Markt?
Auch da muss ich leider passen. Als Winzer bin ich selbständiger Unternehmer. Meine Frau Prisca und ich haben uns ein Netzwerk aufgebaut, über das wir unsere Weine direkt verkaufen können.  

Was zeichnet Ihre Weine aus?
Wir keltern innovative und reine Weine. Wir verwenden traubeneigene Hefen und verzichten auf Zuckerbeigaben, tierische Schönungsmittel und sonstige Sachen, die nicht in den Wein gehören. Und ab und zu haben wir eine ganz verrückte Idee

Erzählen Sie. 
Wie Hobby-Brauer, die zu Hause eigenes Bier brauen, wollten wir einen Wein nur mit Haushaltsmitteln keltern. Dafür haben wir die Badewanne mit ganzen Pinot-Noir- und Malbec-Trauben gefüllt, mit Backhefe vergoren, von Hand gepresst und vor Luft, dem grössten Feind, geschützt. Das Ergebnis begeisterte und wurde als Sonderedition in Magnumflaschen gefüllt. 

Welches ist heute Ihr grösster Wunsch? 
Ich wünsche mir, dass die aktuell gelebte Solidarität anhält und dass die Schweizer Bevölkerung jetzt und nach Corona vermehrt heimische Produkte einkaufen wird.

(Interview Gabriel Tinguely)
 

Andreas Schwarz stellt drei Weinkisten für die Onlineverkostungen vom 10. und 17. April zur Verfügung. Senden Sie das Kennwort «Weinkiste» bis zum 3. April an redaktion@hotellerie-gastronomie.ch. Es entscheidet das Los.


Zur Person

Andreas Schwarz, 43, lernte Winzer in der Forschungsanstalt Wädenswil, bei Daniel Huber in Monteggio/TI und Urs Pircher in Eglisau/ZH. Während Praktika im Barossa Valley in Australien und im Bordelais hat er gut aufgepasst. 2003 übernahm er den elterlichen Betrieb. Andreas Schwarz ist verheiratet und hat drei Kinder.