Mateo Hoefligers Hartnäckigkeit hat sich gelohnt: Letztes Jahr reichte es noch nicht fürs Finale, nun hat er die Schweizer Meisterschaft für Kochlernende gewonnen.

Fokussiert platziert Gusto26-Gewinner Mateo Hoefliger die Komponenten seines Hauptgangs auf die Teller. (Bilder ZVG)
Richtig realisiert habe ich es noch nicht. Aber es fühlt sich nach dem intensiven Training in den letzten Monaten crazy an. Seit Januar hatte ich kaum Freizeit und kochte das Menü neunmal unter Wettbewerbsbedingungen zur Probe. Am Samstagnachmittag nach dem Gusto konnte ich mir dann wieder einmal zwei Stunden auf dem Snowboard gönnen. Aber das intensive Training hat sich gelohnt. Auch wenn beim Wettkochen nicht ganz alles so geklappt hat wie beim Proben.
Ich hatte zwischendurch auf die falsche Uhr geschaut und dachte fälschlicherweise, ich sei im Verzug. Das brachte mich kurzzeitig durcheinander und führte zu Flüchtigkeitsfehlern. Am Schluss schickte ich den Hauptgang auch noch ein paar Minuten zu spät. Entsprechend hatte ich nach dem Wettkochen eigentlich kein Topgefühl. Aber da war ich mir gegenüber wohl zu kritisch.
Das hat mich sehr gefreut, denn darauf legte ich viel Wert. Das entspricht auch meiner Überzeugung: Ich koche lieber reduzierter, dafür auf den Punkt gebracht. Im Vergleich zu anderen Finalteilnehmenden hatte ich weniger Komponenten auf dem Teller, dafür konnte ich in diese viel Handwerk investieren.
Dass Tim Mälzer das machte, war eine super Überraschung. Die Suppe selbst war für mich dann nicht so eine Hexerei. In meinen Probeläufen im Ausbildungsbetrieb «Casino Bern» erhielt ich von Florian Bettschen oder Marcel Schori, die mich unterstützt haben, jeweils auch spontan etwas aus dem Kühlraum und konnte die Suppe üben. Topinambur war jedoch nie dabei.
Dass ich, abgesehen von drei Kornblumen auf der Suppe, nichts auf dem Teller hatte, das nur für die Optik war. Alles hatte einen Zweck und trug zum Geschmack bei. Und dass wirklich alle Komponenten meinen Ideen entsprangen. Natürlich erhielt ich Feedback beim Ausarbeiten und später beim Proben. Kreiert und zusammengestellt habe ich aber alle Komponenten selbst.
«Ich kann allen nur empfehlen, bei Gusto mitzumachen.»
Zuerst schrieb ich mir ganz viele Ideen für einzelne Komponenten auf, ohne diese zu werten. Anschliessend sortierte ich diese über Wochen aus. Erst viel später begann ich überhaupt mit dem Kochen. Aber schon dieser Prozess war äusserst lehrreich. Allgemein hat mich Gusto sehr viel weitergebracht. Einerseits persönlich: Ich lasse mich in der Hektik inzwischen viel weniger aus der Ruhe bringen. Aber auch fachlich. Man kocht im Alltag ja selten auf diesem Level. Und es war eine perfekte Vorbereitung auf das Qualifikationsverfahren zum Lehrabschluss, das Anfang Juni ansteht.

Details aus Mateo Hoefligers Siegergericht: der geschmorte Lammhuftdeckel an Thymianjus und das Randen-Mille-Feuille.
Ich würde gerne in der Sternegastronomie arbeiten und weitere Erfahrungen sammeln. Vielleicht löse ich im Herbst auch bereits meinen Gusto-Preis ein und gehe für den zweiwöchigen Stage ins Restaurant Alinea nach Chicago (US). Darauf freue ich mich sehr. Voraussichtlich 2028 steht dann das Militär an. Danach schaue ich weiter. Irgendwann möchte ich sicher im «Maison Hornberg» meiner Eltern einsteigen. Dort sind meine Wurzeln.
Die Erinnerung an eine mega intensive, aber auch schöne Zeit. Ich kann allen nur empfehlen mit-zumachen. Es ist ein einmaliges Erlebnis, vom Training über den toporganisierten Anlass bis zu den vielen neuen Leuten, die man kennenlernt. Wir hatten es unter den Finalteilnehmenden super und von der Siegerehrung in Bern habe ich ebenfalls die eine oder andere Visitenkarte mit nach Hause genommen. Mal schauen, was sich daraus ergibt.
(red)
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