«Wir sind sehr gut aufgestellt»

Die Bernensis Hotel AG in Interlaken feiert mit dem «Carlton-Europe» den 25. Geburtstag.

Der Hotelier ist im Berner Oberland aufgewachsen. (ZVG)

Stephan Maeder, 25 Jahre sind eine lange Zeit. Wie kam es damals zur Gründung der Bernensis Hotel AG?

Damals arbeitete ich bei einer Grossbank, die einen Hotelier beschäftigte, um die eigenen Hotels fachkundig zu betreuen. Dabei realisierte ich, dass ein Hotel nach dem anderen dichtmachte. Als dem Hotel Europe in Interlaken/ BE das gleiche Schicksal widerfahren sollte, tat ich mich mit Kollegen zur Bernensis Hotel AG zusammen und erstand es.

Um es vor dem Aus zu retten?

Ja, wir wollten das altehrwürdige Haus als Hotel weiterbetreiben. Im Jahr 2005 kam das benachbarte «Carlton» dazu. Seither heissen wir «Carlton-Europe».

Wie war es möglich, das Hotel erfolgreich zu führen?

Wir haben alle viel gearbeitet. Ich selber habe dort Hand angelegt, wo es nötig war. Und von Beginn weg haben wir den generierten Umsatz reinvestiert, statt Dividende auszuschütten.

Wie viele Aktionäre sind es?

Im Laufe der Zeit habe ich möglichst viele Aktien zurückgekauft. Zu Beginn hielt ich fünf Prozent der Aktien, heute 90 Prozent.

Wie feiern Sie das Jubiläum?

Ich schenke mir zum Geburtstag ein tolles Buch über unser Haus. Ich habe hierzu einen Historiker beauftragt, die 125-jährige Geschichte unserer beiden Häuser zusammenzutragen.

Sie bezeichnen Ihr Haus als Vintage-Betrieb. Warum?

Unser Haus ist eine grosse Brockenstube und eine Fundgrube für technische Geräte. Wir zeigen zum Beispiel die technische Entwicklung der Telefonie seit 1898 oder jene der Nähmaschine anhand originaler Geräte.

Sie positionieren das «Carlton-Europe» als Adults-only-Betrieb. Wie kam es dazu?

In Interlaken buhlen sehr viele Hotels um Touristen. Da machte ich mir Gedanken, wofür steht unser Haus? Wir sind weder ein Golf- noch ein Wellnesshotel. Aber wir beherbergen gerne den individuellen Einzelgast. So sind wir auf Adults only gekommen. Etwas, was in jener Zeit ein völlig anderer, unbekannter Ansatz war.

Wie kam das an?

Bei den Gästen sehr gut. Zu Beginn gab es aber auch Missverständnisse. Eine Journalistin kreidete uns an, Kinderhasser zu sein. Doch dem ist nicht so. Ich bin selber stolzer Vater.

Und eines Ihrer Kinder wird in Ihre Fussstapfen treten?

Das wäre toll, wenn es so kommen würde. Doch derzeit steht noch nichts fest. Auf jeden Fall hoffe ich, dass, falls es keine familieninterne Lösung geben würde, das Haus in seiner heutigen Form erhalten bliebe.

(Ruth Marending)


Mehr Informationen unter:

carlton europe.ch


Zur Person

Stephan JJ. Maeder absolvierte die Hotelfachschule in Lausanne. Nach verschiedenen beruflichen Stationen übernahm er 2001 das Hotel Europe in Interlaken.

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