Huttwiler Ikone ist wieder auferstanden

Die «Krone Huttwil» ist ein Haus mit Geschichte. Seit 1750 prägt sie den Ort im Emmental.

Im ganzen Haus sind Böden und Decken weitmöglichst original. (Bilder ZVG)

Wer die Bahnhofstrasse in Huttwil/ BE entlang geht, dem begegnet eine Anzahl ehemaliger Dorfrestaurants. Einzig die Schriftzüge verraten, welcher Betrieb sich dort einst befand. Auch die «Krone» erlebte dieses Schicksal.

Dann aber nahm sich die ortsansässige, im Holzbau tätige Familie Therese und Andreas Ruch dem national geschützten Haus an und renovierte es über zwei Jahre hinweg – dies in enger Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege. Hautnah erlebte dies Caroline Knöpfel. Die Absolventin der Hotelfachschule in Passugg/GR betrieb gegenüber ein kleines Café. «Es war interessant, die einzelnen Schritte des Umbaus zu verfolgen.» Weil die 28-Jährige, die Mitglied des Berufsverbandes Hotel, Administration & Management ist, bei ihren Beobachtungen ins Gespräch mit der Bauherrschaft kam, zeichnete sich bald ab, dass Knöpfel als Gastgeberin übernehmen würde.

Anekdoten zum Umbau

Weil die «Krone» einige Jahre leer stand, drängte sich eine Totalrenovation auf. «Alles wurde herausgerissen, was noch brauchbar war, sorgfältig aufgefrischt und wieder originalgetreu eingebaut», erzählt Caroline Knöpfel bei einem Rundgang durchs Haus. Gleichzeitig wurde die Technik auf den neusten Stand gebracht und so verbaut, dass sie heute nach der Wiedereröffnung nicht zu sehen ist. Immer wieder hält Knöpfel inne, überall fallen ihr Anekdoten zum Umbau ein. Wie zum Beispiel jene, als sie in letzter Minute verhindern konnte, dass der Architekt bei den Badezimmern die Türen weglassen wollte. «Für mich ist es ein No-go, in einem Doppelzimmer die Badtür wegzulassen.» Deshalb haben die Nasszellen heute eine Schiebetür mit Milchglasoptik. «Für den Unterhalt ist das eine gute Lösung, weil sie leicht zu reinigen sind.»

Jedes der elf Gästezimmer erzählt seine eigene Geschichte. Originale Tapetenfragmente, alte Böden und Täfer wurden in Stand gestellt und mit modernem Komfort kombiniert. Auch die Gastronomieräume im Erdgeschoss mit ihren historischen Decken und Böden wurden sorgsam renoviert. Als Beispiel nennt Caroline Knöpfel das Täfer im Saal. «Hier stellten die Restauratoren ein Gerüst auf und pinselten in tagelanger Arbeit den Russbelag weg, der sich über die Jahre angesammelt hatte.» Entstanden ist dieser, als im Innern noch geraucht wurde.

Blick ins Zimmer «Blauer Traum» mit Blaunuancen bei Tapete und Täfer.

In anderen Bereichen, vor allem bei den Fussböden, wurden alle Teile nummeriert und extern aufbewahrt. Nach der Isolation und dem Einbringen der Rohre für die Bodenheizung wurden sie im Originalzustand wieder zusammengesetzt. «Das war ein richtiges Puzzlespiel», erinnert sich Caroline Knöpfel.

Bei den Renovationsarbeiten geholfen hat der Hintergrund der Familie Ruch. «Da sie aus dem holzverarbeitenden Bereich ist, konnte sie Arbeiten übernehmen, für die es heute kaum noch kundige Handwerker gibt.»

Bei den Fenstern beispielsweise sind die alten mit einem isolierenden neuen Aussenfenster ergänzt worden. Alle Räume werden über ein smartes Raumklima belüftet. Ein neu eingebauter Lift verbindet die fünf Etagen. «Wir haben uns für einen hydraulischen Aufzug entschieden, der keinen fest eingebauten Schacht braucht, leise ist und mit Strom betrieben wird», so Knöpfel.

Besondere Dachziegel

Dieser Strom kommt von den auf dem Dach verbauten Solarziegeln. «Soviel ich weiss, sind wir schweizweit der einzige Gastronomiebetrieb, der diese Ziegel verbaut hat», betont Caroline Knöpfel. Die Denkmalpflege hätte es zwar gern gesehen, wenn die bisherigen original rötlichen Biberschwanzziegel geblieben wären, aber: «Solche, die wir hatten, werden nicht mehr produziert.» Weil die «Krone» nahe am Bahngleis steht, war das Dach auf historischen Fotos immer schwarz. «Weil auch die Solarziegel schwarz sind, wurden sie schliesslich bewilligt, weil sich das Dach gleich präsentiert wie auf diesen Fotos.»

Die produzierte Energie wird in zwölf Batterien im Keller gespeichert. «Das System ist so eingestellt, dass vor allem über Mittag und am Abend, wenn in der Küche Vollbetrieb ist, Strom aus den Batterien entladen wird.»

Die «Krone» hat nun seit einem halben Jahr wieder für die Bevölkerung geöffnet. «Vor allem der Restaurantbereich ist abends sehr gut angelaufen. Es ist aber noch zu früh, um aussagekräftige Zahlen nennen zu können», so Knöpfel. Die Auslastung der Hotelzimmer hat in ihren Augen noch viel Potenzial: «Wir sind ständig daran, unser Haus auf entsprechenden Plattformen aufzuschalten.» Geholfen haben ihr einige Events im Campus Huttwil, wo regelmässig Sportveranstaltungen stattfinden.

(Ruth Marending)


Mehr Informationen unter:

krone-huttwil.ch


Fakten und Zahlen

Restaurant Modern interpretierte, gutbürgerliche Küche; 60 Prozent der Produkte stammen von regionalen Bauern

Sitzplätze 40 in der Gaststube, 20 im Wintergarten und 30 aussen

Mitarbeitende 10

Kosten Umbau Knapp 5 Millionen Franken

 

 

 

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