«Ich habe schon für Lionel Messi gekocht»

Der ehemalige Küchenchef Torsten Götz taucht in Büros auf, um mit Angestellten zu kochen. Als TV-Koch und Caterer hat er damit Erfolg.

Torsten Götz entert mit seiner mobilen Küche Büros. (Cut & Shoot)

Torsten Götz, seit gut dreieinhalb Jahren touren Sie als TV-Koch in der Sat1-Sendung «Kitchen Case» durch die Schweiz. Kommt da nicht allmählich Langeweile auf?
Torsten Götz: Überhaupt nicht. Das Thema Kochen ist schier unerschöpflich. Ausserdem spornt mich der Erfolg von «Kitchen Case» an, immer wieder Rezepte zu kreieren.

Sie animieren Leute, in ihren Büros zu bleiben und sich dort eine gesunde Mahlzeit zu kochen. Nehmen Sie damit den Gastronomen nicht Mittagsumsatz weg?
Eine spannende Frage. In der ersten Betrachtung könnte man meinen ja, aber ich sehe es differenzierter. Mir geht es in meiner Sendung darum, die Menschen wieder zum Kochen zu bewegen. Das ist besser, als sich von einem Take-away mit leider oft ungesundem und schlechtem Essen den Mittag zu organisieren. Das Konsumverhalten der Menschen mittags hat sich total verändert, was es den Gastronomen sicher nicht einfacher macht. Ich bin aber der Meinung, dass Gastronomiebetriebe mit einem klaren Angebot und positiver Gastgeberkultur auch weiterhin auf ihre begeisterten Gäste zählen dürfen. TV-Kochsendungen hin oder her.

Wie haben eigentlich Berufskollegen reagiert, als Sie sich 2012 selbständig machten?  
Es haben mich sehr viele Kollegen für verrückt erklärt, eine so tolle Position als Küchendirektor im «Victoria Jungfrau Grand Hotel & Spa» aufzugeben, um mit meiner «Kulinarischen Genusswerkstatt» im Berner Oberland zu starten. Das entsprach damals nicht unbedingt dem Trend. Der Schritt in die Selbständigkeit war kein Schnellschuss, sondern ist längerfristig gereift, und ich war von Anfang an vom Erfolg der Sache total überzeugt.

War es damals schwer, als neuer Caterer an Aufträge zu kommen? 
Aller Anfang ist schwer, vor allem wenn man bei null anfängt. Sehr geholfen hat mir meine Berufserfahrung. Ausserdem war es von Anfang an klar, dass ich Zeit brauchen werde. Dies war auch im Betriebsbudget so eingeplant. 

Caterer gibt es wie Sand am Meer, was zeichnet Sie besonders aus?
Ich würde meinen, dass ich in 2012 ein Vorreiter war mit meiner Art von Erlebnisgastronomie. Mein Team und ich führen alle Anlässe nur durch, wenn ich persönlich dabei bin. Das heisst, ich verkaufe nicht nur unsere einzigartige und hochstehende Dienstleistung, sondern unsere Marke «Torsten Götz». Das schätzen die Kunden sehr.

«Als ich mich selbständig machte, haben mich Kollegen für verrückt erklärt.» 

 

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie? 
Total habe ich zirka 20 Mitarbeiter, fest angestellt sind nur zwei Personen. Alle anderen sind situativ mit dabei. Je nach Anlass und wie die Mitarbeiter Zeit haben. Ich bin sehr stolz auf alle Mitarbeiter, denn sie sind ein sehr grosser Teil unseres Erfolgs.

Sie müssen Löhne und Miete zahlen und immer wieder in Technik investieren. Lohnt sich das alles? 
Ich bin Unternehmer. Klar, muss es sich finanziell rechnen. Die Frage ist aber auch immer, wo setzt man seine Zufriedenheit an? Als eigener «Herr & Meister» und durch den Erfolg werden immer wieder Mittel und Möglichkeiten frei, um in neue Ideen und Projekte zu investieren. 

Sie sind ein Tausendsassa und viel unterwegs. Haben Sie gegenüber früher auch an Lebensqualität gewonnen?
Absolut! Ich bereue den Schritt nicht eine Minute. Mein Leben heute ist so abwechslungsreich und spannend.

Stimmt es, dass Sie einmal Barca-Star Lionel Messi privat bekochten?
Nun ja, ich habe das grosse Privileg, neben meinen vielen «ganz normalen» Gästen, auch für einige öffentlich bekannte Menschen tätig sein zu dürfen, darunter Fussballstar Lionel Messi. Das sind sicher immer ganz besondere Erlebnisse. Aber für mich sind das Menschen wie du und ich. Und so nehme ich diese Promis auch. Mit den Aufträgen ergeben sich zum Teil tolle Verbindungen. Und was extrem wichtig ist: Man spricht nie über Details.

Auch nicht, wie Lionel Messi privat ist?
(schmunzelt) Nein, Diskretion ist Ehrensache.

(Interview Jörg Ruppelt)


Zur Person

skv-Mitglied Torsten Götz ist Protagonist der TV-Sendung «Kitchen Case». Die achte Staffel wird ab Juni aufgezeichnet und ab September auf Sat 1 Schweiz ausgestrahlt. Der gebürtige Deutsche lernte im Schwarzwald Koch und arbeitete in renommierten Hotels, ehe er 2012 die «Kulinarische Genuss-Werkstatt» in Unterseen/BE gründete.