Jeder kann spannende Geschichten erzählen

Social Media wurde vor der Corona-Krise von vielen Betrieben eher nachlässig behandelt. Durch den Lockdown haben soziale Medien, vor allem Instagram, an Relevanz und Anerkennung gewonnen. Jeder kann online viel bewirken – auch ohne grosses Budget.

  • (Unsplash)
  • Gabriele Bryant ist Spezialistin mit langjähriger Erfahrung in Online-Marketing und Social Media vor allem für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus.

Soziale Medien stellen heutzutage eine der wichtigsten Marketing-Disziplinen dar. Damit treten Betriebe in den Dialog mit ihren Anspruchsgruppen und machen ihnen die eigenen Dienstleistungen und Produkte schmackhaft.

Schaut man sich die Zahlen genauer an, lohnt sich das durchaus: Wie die Website Statista im Juni 2020 vermeldet, surfen in der Schweiz rund 8,28 Millionen Menschen im Internet; das entspricht 96 Prozent der Bevölkerung. Über die Hälfte verwendet soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Instagram – in absoluten Zahlen sind das 4,5 Millionen Menschen. Dabei ist Facebook mit einem Anteil an allen Seitenbesuchen von 63 Prozent noch immer die meistgenutzte Social-Media-Plattform. Seit 2017 verzeichnet sie aber rückläufige Nutzerzahlen. Instagram hingegen erfreut sich wachsender Beliebtheit. Sowohl die Interaktionsrate als auch die organische, also unbezahlte Reichweite sind höher als jene auf Facebook.

Instagram braucht wohl eine Strategie, ist aber keine Hexerei

Zeit und Mühe in soziale Medien zu investieren, kann sich auszahlen, wie man am Beispiel von Instagram gut erkennen kann: So haben 46 Prozent der App-Nutzer aufgrund der geteilten Beiträge schon ein Produkt gekauft oder eine Dienstleitung in Anspruch genommen. Öffnet man die App, sind im Feed auf einen Blick je nach Grösse des Smartphones sechs bis neun Beiträge erkennbar. Das sind ebenso viele Chancen, um bei seiner Community sowie bei potenziellen Followern einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und im besten Fall eine Interaktion herbeizuführen. Umso wichtiger ist es, eine klare Handschrift sowie Seriosität und Professionalität durchblicken zu lassen. Ein starker Auftritt erhöht die Reichweite, lockt neue Gäste an und ist der Imagebildung und Kundenbindung dienlich. Betriebe, die ihre Corporate Story wie einen roten Faden durch ihre Online-Aktivitäten ziehen und dabei eine konsistente Bildsprache verwenden, sind die erfolgreichsten. Sie lassen etwa hinter die Kulissen blicken, teilen Rezepte, stellen Mitarbeiter vor: Sie erzählen Geschichten, die auf der Kernbotschaft des Betriebes beruhen. Es reicht jedoch nicht, einfach etwas abzulichten und hochzuladen. Die Bilder sollen die Sinne berühren und beim Betrachter eine Emotion auslösen. Foto-Apps für das Smartphone wie Snapseed, Fotor oder Photoshop Express rücken Fotos ins beste Licht.

Von den hundert Topbrands weltweit pflegen 90 Prozent einen Instagram-Account. 80 Prozent der User folgen mindestens einem Unternehmen. Die Chance auf Erfolg ist also intakt. Doch wie bei allen Marketingaktionen ist eine gute Planung der Schlüssel zum Erfolg. Man gewinnt neue Follower und via Link auf die Website im Instagram-Profil womöglich auch neue Kunden und Newsletter-Abonnenten.

(Andrea Decker)


Employer Branding

Instagram ist dafür geeignet, seiner Community authentische Einblicke in den Betrieb zu gewähren und aufzuzeigen, welche Werte gepflegt werden. Die Mitarbeitenden sowie Aspekte ihrer Jobs werden in den Mittelpunkt gerückt. Gäste und Partner erkennen den Menschen hinter dem Business, was sich positiv auf die gegenseitige Wertschätzung auswirkt. Tipp: Humor macht nahbar und ist unterhaltsam. Employer Branding, das sich selbst nicht zu ernst nimmt, kommt gut an.

Inhouse versus Outsourcing

Sofern Know-how, Strategie und Ressourcen vorhanden sind, kann man selber erfolgreich aktiv sein. Outsourcing kostet zwar, man erhält aber ein Rundum-sorglos-Paket mit einer Strategie, hochwertigem Content, gebündelten Kompetenzen und höherem Return on Investment. Ebenso ist die Rechtssicherheit gewährleistet, die beispielsweise bei Verlosungen und Gewinnspielen nicht ausser Acht zu lassen ist.

Hash... what? Hashtags

Hashtags sind eine Kombination aus Raute-Symbol #, Buchstaben und Zahlen, die ohne Abstand aneinandergereiht werden: #leadinghotelsoftheworld. Damit kategorisiert man Content und wird leichter entdeckt. Pro Post können 30 Hashtags gesetzt werden. Wenn User nach einem bestimmten Hashtag suchen, wird ein Feed generiert, der alle Beiträge anzeigt, die diesen Hashtag für ihr Posting verwenden.

Rekrutierung

Viele Betriebe kämpfen mit Nachwuchsproblemen und Fachkräftemangel. Mit Instagram erreicht man vor allem junge Menschen, die sich durch Storytelling angesprochen fühlen. Die Videos müssen den Berufsalltag und die Mitarbeitenden vorstellen. Stellensuchende, die sich angesprochen fühlen, können sich auf ebenso kreative Art auf Instagram für die Stelle bewerben. Die Kosten sind minimal.

Instagram-Storys 

Die addierbaren 15-sekündigen Storys, die jeweils 24 Stunden ersichtlich sind, bieten mehr Interaktion als Bilder: Umfragen, Quiz-Feature, Chat oder Frage-Sticker erweitern die Dialogmöglichkeiten, da sie über das blosse Liken oder Kommentieren eines Beitrags hinausgehen. Die interaktiven Features liefern zudem aufschlussreiche Analysewerte, um ihre Zielgruppen noch besser zu bedienen.

Posten, Posten, Posten ...

Wer kann, soll mehrere qualitative Posts pro Woche absetzen. Gute Tageszeiten sind zwischen 8 und 10 sowie zwischen 18 und 20 Uhr. Dankbare Motive sind Innen- und Aussenaufnahmen aus spannenden Perspektiven, Mitarbeiter oder Detailaufnahmen wie Food, Textilien, Dekorelemente. Die Beiträge sollen inspirieren, aber nichts verkaufen wollen. Sympathisch ist, wer auch mal Lieferanten und Partner taggt.


GABRIELE BRYANT «NACH DER KRISE IST VOR DER NÄCHSTEN SAISON»

Wie wichtig ist Marketing in Krisenzeiten?
Auch wenn Krisensituationen Unsicherheit auslösen, ist man gut beraten, gerade dann auf strategische Kommunikation zu setzen. Denn wer während herausfordernder Zeiten die Beziehung zu seinen Gästen pflegt und sicht- und spürbar bleibt, wird jetzt, nach dem Lockdown, am ehesten wieder berücksichtigt. Viele jedoch stoppen in der Krise ihr Marketing, um Kosten zu sparen. Ich empfehle den Kunden, mit zielgerichteter Werbung und Kommunikation fortzufahren, können sie dadurch doch aktuell von einer grösseren Sichtbarkeit bei tieferen Anzeigenpreisen profitieren.

Nennen Sie uns ein Beispiel?
Ich rate meinen Kunden, Google- Adwords-, Instagram- und Facebook-Anzeigen zu buchen, um mit ihren aktuellen Angeboten bei den für sie relevanten Zielgruppen gesehen zu werden. Werbung auf Social-Media-Plattformen kostet nicht viel, erreicht aber punktgenau die anvisierte Zielgruppe. Der Erfolg von Anzeigen hängt ab von Faktoren wie Zeitpunkt, Marktumfeld, Produkt, Platzierung, Inhalt, Laufzeit, Budget und Landingpage.

Nicht jeder ist aber ein Social-Media-Profi und kann sich eine Beratung leisten.
Auf Instagram beispielsweise wird man in nur drei bis vier Klicks intuitiv durch die Werbeschaltung gelotst – das geht also ganz einfach. Zudem gibt es kostenlose Beratung in Form von Webinaren und Onlineseminaren, Checklisten und Blogbeiträgen.


Zur Person

Gabriele Bryant ist Spezialistin mit langjähriger Erfahrung in Online-Marketing und Social Media vor allem für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus. Sie unterstützt Unternehmen und Organisationen als strategische Beraterin und kreative Umsetzerin und ist zudem Dozentin. 2011 hat sie die Schweizer Hospitality Camps mitbegründet und führt sie seitdem jährlich durch.

Mehr Informationen unter: www.blumbryant.ch