Barchef Michael Müller weiss, welche Drinks die Gäste auf der Sommerterrasse des «Château Gütsch» in Luzern glücklich machen. Drei Kreationen präsentiert er hier.

Die American Bar empfängt viele Hotelgäste und Touristen, zählt aber auch zahlreiche Stammgäste aus der Stadt. (Bilder Jakob Ineichen)
Seit knapp acht Jahren arbeitet Michael Müller, genannt Mike, im Hotel Château Gütsch. Unzählige Drinks hat er schon für die Gäste gemixt, die in der American Bar des legendären Schlosshotels über den Dächern von Luzern die Aussicht genossen haben. 80 Plätze gibt es auf der Aussenterrasse, im Innenbereich umfasst die Bar rund 45 Plätze. Die Gäste in der American Bar trinken am liebsten Cocktails und Mocktails. Diese machen laut Michael Müller rund 70 Prozent der Bestellungen aus. Davon sind wiederum 40 Prozent alkoholfreie Drinks.
Zu den Bestsellern auf der Sommerkarte gehört der Signature-Drink mit dem klingenden Namen Nemesis. Der Cocktail ist Tiki-inspiriert und kombiniert zwei Sorten Rum mit Mangopüree, Limette und Yuzu-Zimt-Cordial. «In seiner ursprünglichen Variante war dieser Drink sehr heimtückisch», erzählt der Barchef. «Man konnte viel davon trinken, ohne seine Stärke zu merken.» Damals kam auch der Name Nemesis auf. Die Version, die nun auf der Karte steht, wird allerdings mit Crushed Ice geshakt und serviert, was ihn etwas entschärft. Am Schluss gibt Michael Müller noch ein paar Tropfen Bitter auf den Drink, um ihm etwas mehr Komplexität zu verleihen. Die knallige orange Farbe von «Nemesis» weckt Sommergefühle. «Wir möchten wieder etwas vom Minimalismustrend wegkommen, der die Barszene in den letzten Jahren geprägt hat», sagt Müller. «Es darf auch mal farbenfroh sein und eine etwas längere Zutatenliste haben.» Der Barchef nutzt gerne Fruchtkomponenten, setzt auf hausgemachte Shrubs und Cordials. «Ich arbeite auch sehr gerne und häufig mit dem Küchenteam zusammen. Sie geben mir Tipps für Geschmackskombinationen und helfen mir, wenn ich eine ihrer Maschinen verwenden möchte.»
Michael Müller kommt aus einer Gastronomen-Familie. Er ist halb Ägypter und halb Schweizer und wuchs in Kairo auf, bis er mit 18 Jahren in die Schweiz kam – mit dem Ziel, Hoteldirektor zu werden. Nach dem Studium am International Management Institute in Luzern arbeitete er unter anderem an der Réception und später im Fine-Dining-Service im Hotel Palace Luzern, wobei er oft an der Bar aushalf. Als der Barchef ging, stand Müller auf einmal alleine hinter dem Tresen und musste sich sein Bar-Wissen erarbeiten: «Am Anfang habe ich viel Kritik bekommen, weil ich nicht wusste, wie man gute Cocktails mixt.» Heute ist das anders. Im Herbst 2025 wurde der 34-Jährige zum Barkeeper des Jahres bei den Swiss Bar Awards gekürt. «Jetzt möchte ich den Fokus darauf legen, mein Team zu fördern, im Alltag und bei Wettbewerben.»
Es sei ihm wichtig, dass nicht die gesamte Karte von ihm komme, sondern auch seine Mitarbeitenden diese mitprägen. So haben zum Beispiel Antonio Sorrentino und Salvatore Messina ihre Japan-Leidenschaft in den Sommerdrink Michibiki einfliessen lassen.

Michael Müller arbeitet seit 2018 im «Château Gütsch». Zuvor war er im Hotel Palace in Luzern tätig.
Der «Michibiki» verbindet den japanischen Whisky-Blend Hibiki Harmony mit einer zusätzlichen Rauchnote von Lapsang-Souchong-Tee. Limettensaft und Kumquat-Cordial bringen Frische und Zitrusaromen rein. Der Drink wird geworfen, also mit Abstand zwischen zwei Bechern hin und her gegossen. So wird die Flüssigkeit gekühlt, ohne viel Eis zu verwenden, das den Drink verwässert. Auch der «Michibiki» steht auf der Bestsellerliste der American Bar im «Château Gütsch». Bei den Gästen sehr beliebt sind auch Klassiker und Trend-Getränke wie Espresso Martini, Negroni, Old Fashioned und im Sommer natürlich Aperol Spritz. Das Bar-Team setzt um, was die Gäste möchten. «Früher habe ich zu gewissen Dingen auch mal Nein gesagt», erzählt Michael Müller. Wie dazu, mit dem teuersten Tequila Margaritas zu mixen. «Heute sehe ich das anders. Man darf nicht arrogant sein – wenn die Gäste bereit sind, 45 Franken für einen Margarita zu bezahlen, machen wir das gerne.»
Noch lieber mixt das Team aber einen Drink von der Signature-Karte. Darauf ist jeweils vermerkt, in welchem Glas der Drink serviert wird, ausserdem ein paar Stichwörter zu Geschmacksnoten und eine kurze Beschreibung. «Detox your mind, body and contact list», zu Deutsch «Entgifte deinen Geist, deinen Körper und deine Kontaktliste», steht zum Beispiel beim Mocktail «Detox». Dieser kommt als sommerlich frischer Highball daher und ist ein Drink für das gute Gewissen. Er enthält Gurke, Zitronensaft und Zitrus-Cordial und wird aufgefüllt mit sprudelndem Sodawasser. Frische Minze kommt als Dekoration obendrauf und bringt noch mehr Frische in die Nase. Obwohl der Detox auf der Mocktail-Karte steht, bestellen ihn die Gäste auch gerne mit Schuss. «Unsere amerikanischen Gäste trinken ihn zum Beispiel häufig mit Tequila, aber auch andere helle Spirituosen sind möglich.»
Der Barchef selbst trinkt im Sommer am liebsten einen Sherry Tonic. Ein guter Sommercocktail soll seiner Meinung nach erfrischend sein, und nicht zu süss. «Sofern man mit hochwertigen Zutaten arbeitet und den Gästen keine Zuckerbomben serviert, die nur aus Säften und Sirupen bestehen, ist meiner Meinung nach alles möglich.»
(Alice Guldimann)


