Die Geschichte des Merlot im Tessin weitererzählen

Seit 120 Jahren wird im Tessin Merlot angebaut. Für die Zukunft stellt sich die Frage, wie diese Rebsorte weiterentwickelt werden kann.

Sie arbeiten mit der Natur und keltern beste Weine. Sie sind Winzerfreunde, tauschen sich regelmässig aus und unterstützen sich gegenseitig. Und sie sind «Dodas», zwölf im Tessiner Dialekt. Anfang März präsentierten zwölf Winzerinnen und Weinhandwerker im Refektorium des LAC in Lugano/ TI die erste Dodas-Kollektion: eine Holzkiste mit je einem Wein ihrer Weingüter.

Sie sind die «Dodas»: Winzerinnen und Weinhandwerker von zwölf Weingütern, die zu den besten des Tessins zählen. (ZVG)

In einem ersten Teil der Präsentation sprach Johanna Dayer, Mitarbeiterin an der Fachhochschule für Reb- und Weinbau in Changins/VD, über aktuelle Herausforderungen. Wenn der Konsum abnehme und Diskussionen gehässiger würden, sei es wichtig, Beziehungen zu knüpfen und gemeinsame Werte zu bekräftigen. «Sich Natur, Technik und Markt zu stellen, fordert Entschlossenheit, Ausdauer und Präzision», sagte Johanna Dayer. Trotzdem müsse man aufhören, zu technische Reden zu halten, welche den Wein langweilig machen. «Wein muss Freude bereiten», stimmte sie den «Dodas»-Winzerinnen und -Winzern zu.

Merlot hat Vergangenheit

Im zweiten Teil zeichnete der Ampelograph und Rebgenetiker José Vouillamoz die Geschichte des Merlot nach. Unter dem Namen «Merlau» tauchte dieser im Jahr 1783 erstmals auf. Die heutige Schreibweise geht auf 1824 zurück. Erst 2008 wurde die Abstammung mittels Genanalyse entschlüsselt: Merlot entstand aus einer natürlichen Kreuzung von Cabernet Franc und Magdeleine Noire des Charentes.

Nach dem Einfall der Reblaus ins Tessin wurden Merlot-Reben gepflanzt und 1906 der erste Wein gekeltert. Erste grössere Pflanzungen erfolgten im Rebberg des Castello di Morcote und in Castelrotto/ Vallombrosa.


«Klone, Unterlagsreben und Terroirs sind die Faktoren der Zukunft.»

José Vouillamoz, Rebosortengenetiker


Dank der Mischung aus alpiner Kühle, hoher Sonneneinstrahlung und mediterraner Wärme entstehen heute aussergewöhnlich elegante und mitreissende Weine.

Hat Merlot auch Zukunft?

Das grösste Problem ist die Klimaerwärmung. «Heute treffen sich optimale Werte von Säure, Zucker und Aromen meist noch zur gleichen Zeit», sagte José Vouillamoz. «Erreichen diese drei Werte zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihr Optimum, können sehr unharmonische Weine entstehen.» Doch der Wissenschaftler ist auch zuversichtlich. «Heute werden im Tessin fünf Merlot-Klone angebaut, doch in Sammlungen gibt es über 300 davon. Daraus die besten zu wählen und mit passenden Unterlagsreben für unterschiedliche Terroirs zu kombinieren, bedeutet sehr viel Arbeit.»

(Gabriel Tinquely)


Mehr Informationen unter:

dodas.ch