Raphael Herzog ist seit seiner Lehre aktives Mitglied des Berufsverbands Hotel Administration Management. Heute ist er Direktor eines exklusiven Luxushotels in Saas-Fee.
Raphael Herzog: Ich wurde im Rahmen des Branchenkunde-Unterrichts von zwei sehr charmanten und äusserst überzeugenden Damen als Mitglied geworben. Und zwar von Heidi Noth, Fachlehrerin, und Sandra Windlin, Geschäftsführerin des Vereins kaufmännische Grundbildung der Branche Hotel-Gastro-Tourismus HGT. Beide waren zudem Vorstandsmitglieder des Berufsverbands Hotelempfang, wie der bvham damals noch hiess. Ihre guten Argumente, aber auch ihre Begeisterung und ihr Engagement für die Mitarbeitenden im Front- und Back-Office sowie für die Berufsbildung hat mich so fasziniert, dass ich sofort Mitglied wurde.
Bloss Mitglied zu sein, war mir zu wenig. Ich wollte mich einbringen, die Berufsbildung mitgestalten und den Berufsstolz fördern. Ich wollte den Kontakt mit anderen Berufsleuten pflegen und mich austauschen. Vor allem aber wollte ich sehen und erleben, wie das politische System funktioniert, wie ein Verband die Interessen seiner Mitglieder vertreten und so eine Branche prägen kann. Dass der damalige Vorstand unterbesetzt war und die reine Damenrunde gerne einen Mann im Team haben wollte, begünstigte meinen raschen Einstieg als neues Vorstandsmitglied etwas.
Die Arbeit im Vorstand ist immer ein Teamergebnis. Während meiner Zeit im Vorstand sind einige gute Projekte umgesetzt worden. Zum Beispiel das Starter-Kit für Lehrbeginner der kaufmännischen Grundbildung. Das Image des Berufsverbands Hotelempfang wurde in dieser Zeit aufpoliert. Der Verband bekam mit «Berufsverband Hotel Administration Management» einen neuen Namen, der alle Berufe und Hierarchiestufen einschliesst, die nicht in einem der anderen, zur Hotel & Gastro Union gehörenden Berufsverbände abgedeckt sind. Zudem habe ich versucht, in der Region Graubünden ein Netzwerk aufzubauen.
Ja, und zwar auf ganz unterschiedliche Weise. Ich habe spannende Menschen kennen gelernt. Ich konnte viele Erfahrungen und schöne gemeinsame Erlebnisse sammeln. Die Arbeit im Vorstand des bvham hat meinen Horizont erweitert. Und sie hat mein politisches Verständnis geschärft. Noch heute schätze ich die Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch, zur Weiterbildung und die spannenden Symposien sehr, die der bvham bietet.
Ich war zwei Jahre lang als Leiter Kommunikation mit dem «Monti» unterwegs. Wobei man bei einem Zirkus dieser Grösse natürlich überall mithilft. Zu meinen Aufgaben gehörte unter anderem das Leiten eines Teams aus fünf Personen, die Terminplanung und andere administrative Aufgaben sowie das Betreuen der Übernachtungsgäste. Familien konnten wochenweise einen Wohnwagen mieten und den Zirkus auf der Tournee begleiten.
Beides ist Showbusiness und absolute Teamleistung. Im Zirkus und im Hotel muss man hart arbeiten, um Erfolg zu haben. Es braucht in beiden Betrieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich mit Begeisterung einsetzen, die bereit sind, jeden Tag hochstehende Leistung zu erbringen. Sie müssen rasch, flexibel und unkompliziert reagieren sowie über ein gutes Improvisationstalent verfügen.
Ich muss zugeben, so gut es mir jetzt in Saas-Fee und zuvor in Arosa gefallen hat, das WEF mit seinen extrem intensiven, spannenden und adrenalingeladenen Arbeitstagen vermisse ich. Am WEF habe ich gelernt, unkonventionell zu denken und Unmögliches möglich zu machen. Und wie viel ein Team leisten kann, wenn es abteilungsübergreifend Hand in Hand arbeitet.
Im Gegenteil, das Wort Zirkus im Lebenslauf ist ein Blickfang. Es weckt bei den meisten Menschen Neugier und positive Assoziationen. Meine Zirkuserfahrung ist ein super Alleinstellungsmerkmal und ein perfekter Türöffner. Wie mir einige meiner Arbeitgeber erzählten, dachten sie: «Der war beim Zirkus – der kann anpacken.»
Nein, Neigung. Ich habe seit jeher ein Faible für Luxushotels. Besonders kleine, exklusive Hotels mit vielen Sternen sprechen mich an. Ich mag es einfach, Gäste mit einem individuellen, persönlichen Service zu verwöhnen. Das kann ich nun im «The Capra», Saas-Fee, intensiv tun. Und die Gäste goutieren das. Wir haben zwar erst am 18. Dezember 2015 eröffnet und doch ist es uns bereits gelungen, eine ansehnliche Stammkundschaft aufzubauen. Ausserdem sind wir schon in Karl Wilds Hotelrating-Buch «Die 150 besten Hotels» gelistet.
Bewahrt die Neugierde und die Freude, mit Menschen für Menschen zu arbeiten. Vernetzt euch mit Berufskollegen, zum Beispiel durch eine Mitgliedschaft in einem Berufsverband. Und seid Euch bewusst: Schöne, luxuriöse Hotels gibt es auf der ganzen Welt. Den grossen Unterschied machen die Mitarbeitenden.
(Interview: Riccarda Frei)
Raphael Herzog ist 1984 geboren. Er hat seine kaufmännische Grundbildung mit Berufsmatura im Hotel Schützen in Rheinfelden absolviert. Nach der Lehre arbeitete er sich ins Marketing des Hotels Schützen und der dazugehörenden Klinik ein. Anschliessend an die Rekrutenschule erfüllte sich Herzog einen Bubentraum. Er zog zwei Jahre mit dem Zirkus Monti durch die Schweiz. Sein Arbeitsplatz war der Büro- und Kassenwagen. Danach konzentrierte er sich wieder auf seine Laufbahn in der Luxushotellerie. Herzog absolvierte die Schweizerische Hotelfachschule Luzern, arbeitete in Hotels in Kapstadt, Südafrika, und in Los Angeles, bevor er sich wieder in der Heimat etablierte. Le Vieux Manoir, Murten, Steigenberger Hotel Belvédère, Davos, und Arosa Kulm Hotel sind drei weitere Etappen auf seinem Weg. Hier hat er seine Sporen als Direktionsassistent und Vizedirektor abverdient. Seit 2015 ist er Direktor des Hotels The Capra in Saas-Fee.
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