Die Lokremise ist ein Zeitzeuge aus der Hochblüte von St. Gallen. Seit fünf Jahren gibt es dort in der Brasserie Lok französische Küche.

Der Schweizer Künstler John Armleder hat im Eingangsbereich eine Spiegel-Bar geschaffen. (Bilder ZVG)
Lange Zeit lag die Lokremise hinter dem Bahnhof St. Gallen brach, bis im Jahr 2010 eine neu gegründete Stiftung das Gebäude renovierte und mit Kunstveranstaltungen und Gastronomie wiederbelebte. Zehn Jahre später, zum Jubiläum, wurde die Gastronomie erneuert. Und da kommt Mehmet Daku ins Spiel, der heutige Geschäftsführer der Brasserie Lok. «Meine Partner Samuel Vörös und Marcel Walker haben ein Grundkonzept entwickelt, das wir gemeinsam ausgearbeitet und bei der Stiftungsleitung eingereicht haben», erinnert sich Daku. Der Grundgedanke war, Gerichte von jenem Ort anzubieten, wohin vor über 100 Jahren die Lokomotiven mit den edlen Stoffen der Gallusstadt fuhren. Der Ort war Paris.
Mit diesem Konzept stiegen die drei ins Rennen. Doch die Konkurrenz war gross: «Wir waren damals nicht die Einzigen, die sich bewarben. 50 Bewerbungsdossiers wurden eingereicht.» Umso grösser war die Freude, als das Trio den Zuschlag erhielt. «Unser Konzept der französischen Brasserieküche überzeugte die Zuständigen.» Auf die Idee der typisch französischen Küche kamen die drei Freunde, weil die Lokremise der Ort war, wo die Lokomotiven einst instand gesetzt wurden. Danach konnten sie ohne Panne die Web- und Spitzenkunst in die Seine-Stadt bringen. Mehmet Daku fügt mit einem Schmunzeln an: «Und dies ohne Halt im heute so wichtigen Zürich.»
«Als die Zugmitarbeitenden damals aus Paris zurückkamen, brachten sie das französische Lebensgefühl im Gepäck mit», weiss Mehmet Daku, der einst im benachbarten «Lagerhaus», einem ebenfalls ausgedienten Industriegelände, die Kochlehre absolvierte. In der Brasserie Lok lässt das 25-köpfige Team um Daku das französische Lebensgefühl mit Klassikern auferstehen. «Bei uns schmecken die Gäste Frankreich in jedem der sorgfältig zubereiteten Gerichte.»
Auf der Karte stehen Hors d’oeuvres wie bretonische Austern oder provenzalische Bouillabaisse. «Das meistbestellte Gericht ist Entrecôte mit Café de Paris und Frites Maison», so Daku. Dies auch als vegetarische Variante auf Pilzbasis. «Viele unserer Gäste kommen aus der Kulturszene und sind affin für vegetarische Varianten.» Auch bei einem anderen, typisch französischen Gericht musste die Küchencrew umdenken: «Zur französischen Küche gehört Foie gras. In der Deutschschweiz ist dies ein schwieriges Gericht.» Deshalb gibt es zwar Foie gras, aber aus ungestopfter Entenleber. «Wir beziehen diese von der Alpstein-Freiland-Ente aus dem Appenzellerland und wissen, dass die Tiere zu Lebzeiten nicht gequält wurden.» Im Getränkebereich gibt es zwar edle Rotweine, vor allem aus dem Bordelais. Doch das meistverkaufte Getränk ist Champagner. «Das hat uns überrascht», so Daku. Er fügt an: «Wir bieten bewusst Champagner und Crémant an, da diese besser zu unserem französischen Konzept passen.»
Champagner braucht es auch an den weit im voraus ausgebuchten Sonntagsbrunchs. «Wir servieren ab halb zehn Uhr ein grosszügiges Buffet mit kalten und warmen Speisen im Preis von 68 Franken, bei dem ein Glas Champagner eingeschlossen ist.»

So sah es früher in der Halle aus, wo sich heute das Bistro Lok befindet.
Die Lokremise im historischen Rundbau von 1903 gilt als grösstes erhaltenes Lokomotiv-Ringdepot der Schweiz. Es vereint Tanz, Theater, ein Programmkino, zeitgenössische Kunst und Gastronomie. Die Brasserie ist durch den Industriebau und den grossen Raum ideal für Apéros riches, runde Geburtstage oder Hochzeiten. Highlight sind die fahrbaren Tische und Bänke, die auf den ehemaligen Schienen montiert sind.
Wie beliebt die Brasserie Lok ist, zeigt das Gästeaufkommen mit rund 70 000 Gästen jährlich. Es gibt 120 Sitzplätze innen und noch mal so viele auf der Terrasse. «Bei Bedarf können wir die Kapazitäten sowohl innen als auch aussen verdoppeln», hält Mehmet Daku fest.
(Ruth Marending)