Vor einem Jahr hat ein Duo der Lenk Lodge im Berner Oberland neues Leben eingehaucht. Dabei ist es aber nicht geblieben.
Die Lenk Lodge am Dorfrand ist ein kleines Refugium mit sechs Apartments sowie je einem Doppel- und einem Einzelzimmer. Die Grundmauern des Hauses gehen auf das Jahr 1921 zurück mit einem Anbau aus den 1970ern. «Unsere Vorgänger und bis heute Besitzer haben das Haus vor gut zehn Jahren gründlich renoviert und als Bed & Breakfast betrieben», erzählt Hotelier Raphael Simcic.

Ein grosser Garten mit Grillplatz und Aussenbestuhlung lädt in der warmen Jahreszeit zum Verweilen ein. (Bilder ZVG)
Er und seine Frau Magdalena Kossmann hielten vor mehr als einem Jahr Ausschau nach einem Betrieb, den sie nach ihrem Gusto weiterentwickeln wollten. Als Konzeptidee schwebte ihnen ein Ort vor, bei dem Nachhaltigkeit zentral ist und wo Gastfreundschaft, Entspannung, aber auch regionale Produkte und Materialien im Vordergrund stehen.
Unter ihrer Führung entwickelte sich die Lenk Lodge zu einem kleinen, persönlich geführten Boutiquehotel. «Unsere Produkte und Apartments bilden den idealen Rahmen für eine entspannende Zeit in unserem Haus», betont Raphael Simcic. Vor ihrer beruflichen Tätigkeit besuchten Simcic die Schweizerische Hotelfachschule Luzern SHL und Kossmann die Hotelfachschule Thun.
Als sich das Ehepaar auf dem Hotelimmobilienmarkt umsah, hatte es keine Eile, etwas Passendes zu finden. «Wir hatten beide tolle Jobs im Hotelbusiness, die wir nur kündigen wollten, wenn wir das Richtige gefunden hätten», so Raphael Simcic. «Bei der Lenk Lodge hat die Hardware auf den ersten Blick gestimmt.» Dieses für die Region typische Haus mit überraschendem Interieur hat das Paar im ersten Jahr einem Fine Tuning unterzogen. Dies vor allem im Erdgeschoss mit seinem Aufenthaltsbereich, der sich wie ein grosses Wohnzimmer präsentiert. Dort gibt es gemütliche Sitzgelegenheiten an Tischen und in der Lounge. Morgens wird hier das Frühstück serviert, abends verwandelt sich der grosse Raum ins vegetarische Restaurant LUH, in dem auch das Feuer im Cheminée entfacht wird. Und wer tagsüber einen Snack oder ein Getränk möchte, kann sich an der Honesty Bar bedienen, einem Kiosk mit Kühlschrank. «Es gibt Hotelgäste, die ein paar Tage bei uns sind, ohne dass sie das Haus verlassen. So wohl fühlen sie sich», weiss Simcic. Es kommen sowohl Individualgäste als auch Gruppen, vorab solche, die eine Unterkunft für ihre Yoga-Retreats suchen.

Das Erdgeschoss ist mal Restaurant, mal Frühstücksraum, mal Aufenthaltsraum.
Die Aufgaben in der Lodge sind klar geteilt. Während sich Kossmann um die Atmosphäre, Gästebetreuung und Abläufe kümmert, sind die Aufgabenbereiche von Simcic Strategie, Technologie und Weiterentwicklung. Dritte im Bunde ist seit einem halben Jahr Sjanca Oppliger, die als Küchenchefin ihre vegetarische Sharing-Küche im Restaurant LUH serviert. «Gemüse steht bei uns im Mittelpunkt. Wenn möglich, kochen wir in Bio-Qualität – bevorzugt mit Produkten von kleinen, regionalen Betrieben», so Sjanca Oppliger. Zuvor wirkte sie im mittlerweile geschlossenen Restaurant zur Goldige Guttere in Zürich als Küchenchefin. «Ich habe das gastronomische Virus von meiner Mutter geerbt, die in der Gastronomie tätig ist.» Nach dem Visual Art Studium in Basel arbeitete Oppliger unter anderem im Service, bis sie ihre Liebe für die Küche entdeckte.
Nach dem gelungenen Start der Lodge und der Eröffnung des «LUH» geht es weiter. Stratege Raphael Simcic ist es wichtig, dass die gastronomische Vielfalt im Dorf bestehen bleibt. So hat das Lenk-Lodge-Team Ende Dezember die Bar Vino Vino Lenk beim Bahnhof eröffnet.
(Ruth Marending)