In einem Bieler Altstadtlokal gibt es frisches Fleisch, Snacks und Kaffee. Einmal im Monat wird die Fleischtheke zum DJ-Pult.
«Metzgerstochter» nennen Kristina Djuranovic und Paul Ojeda ihr Lokal. Es kombiniert das Metzgereiangebot mit einem Bistro, Events und Catering. Für das Paar fing alles mit einem Pop-up am Bieler Lakelive-Festival an. Dort servierten sie XXL-Burger, für die Kristinas Vater schon stadtbekannt war. «Chez Djuranovic» heisst dessen Metzgerei – eine der letzten, die in Biel verblieben sind. «Nach dem Festival wussten wir, dass wir etwas Eigenes aufbauen wollen», erzählt Kristina Djuranovic.

Das Konzept «Metzgerstochter» spricht auch ein jüngeres Publikum an. (ZVG)
Als im letzten Herbst in der Altstadt ein Lokal frei wurde, war der Entscheid schnell gefällt und die Verträge unterzeichnet. Zuvor befand sich am Rathausgässli 4 ein Deko-Geschäft mit Bistro. Dieses Konzept hat das Paar dazu inspiriert, etwas Ähnliches zu machen. «Wir wussten, dass wir Fleisch anbieten wollten. Wegen der Beziehung zu meinem Vater und weil es in der Altstadt keine Metzgerei mehr gab.»
Heute gibt es im Sortiment von «Metzgerstochter» ein kleines, aber feines Fleischangebot. Von Merguez über Cordon bleu und Ragout bis hin zu Entrecôte. «Das Angebot ist nicht immer gleich. Wir testen noch aus, was gut funktioniert und was weniger», sagt Kristina Djuranovic. Unter anderem beziehen sie Cordon bleu, Merguez oder Cevapcici bei ihrem Vater. «Wir haben aber auch schon eigene Lieferanten. Uns und auch unserer Kundschaft sind Schweizer Bio-Qualität und Nachhaltigkeit wichtig.» Das Angebot ist deshalb auch begrenzt. «Im Bereich Bio-Poulet ist es zum Beispiel sehr schwierig, Partnerbetriebe zu finden. Deshalb gibt es bei uns aktuell kein Poulet.» Die Kunden, die zu ihnen kommen, hätten dafür Verständnis, dass es nicht immer alles gibt. Wer spontan kommt, lässt sich vom Angebot inspirieren, für konkrete Wünsche sind Vorbestellungen möglich. «Mein Wunsch wäre, dass wir eines Tages ganze oder halbe Tiere einkaufen können, dafür reicht das Volumen aktuell aber noch nicht.»
Derzeit steht hauptsächlich Paul Ojeda im Laden, da Kristina Djuranovic noch als Lehrerin tätig ist. Der gebürtige Peruaner musste sich die Begrifflichkeiten rund um die Schweizer Fleischküche zuerst einprägen. «Ich wusste nicht, was Geschnetzeltes ist oder ein Entrecôte», erzählt er. «Gemeinsam mit Kristinas Vater habe ich aber viel gelernt, auch, wie man Fleischstücke richtig pariert und verarbeitet.» Am Mittag gibt es im Bistro Focaccia-Sandwiches mit hausgemachtem Roastbeef. «Wir wünschen uns, dass das Angebot noch etwas bekannter wird», sagt Ojeda. «Leider ist die Bieler Altstadt unter der Woche etwas ausgestorben.»

Kristina Djuranovic und Paul Ojeda führen das Geschäft gemeinsam. (ZVG)
Um ebendiese Altstadt wieder mehr zu beleben, findet jeden ersten Freitag im Monat der sogenannte First Friday statt. Die Läden öffnen Abends bis 22 Uhr, dazu kommt ein Programm mit Konzerten und anderen Events. «Metzgerstochter» serviert die beliebten Riesenburger. Und hinter der Fleischtheke steht ein DJ. «Als Bielerin ist mir wichtig, der Stadt etwas zurückzugeben und zu zeigen, was Biel zu bieten hat.» Das will sie auch mit dem Instagram-Profil von «Metzgerstochter» erreichen. Kurz vor der Eröffnung des Geschäfts ging einer ihrer Posts viral und lockte Gäste aus Thun, Bern und sogar Basel an. Wichtig ist dem Paar auch die Solidarität unter den Geschäften in der Stadt und in der Region. So gibt es im Bistro zum Beispiel nur Wein vom Bielersee. Das Brot für die Focaccia-Sandwiches kommt von der Bieler Bäckerei Bell N Bread, die ausschliesslich Sauerteigbrot herstellt.
Kristina Djuranovic, Geschäftsführerin
«Es freut uns, wie gut unser Angebot ankommt.» Besonders die Marktgänger freuen sich laut Kristina Djuranovic, dass es wieder eine Metzgerei in der Altstadt gibt. Abseits vom normalen Bistro- und Metzgereibetrieb probieren sie aktuell vieles aus. Fondue-Chinoise-Abende zu besonderen Anlässen, Sonntagsbrunch, aber auch Caterings und Pop-ups an Strassenfesten in der Region. «Wir sagen im Moment zu fast allem Ja, um herauszufinden, was sich geschäftlich lohnt und uns Spass macht.»
(Alice Guldimann)
@metzgerstochter.biel