Die Schweiz gilt als Wasserschloss und verfügt über viel kostbares Trinkwasser. Doch wenn es um den Preis geht, zählt nicht die Qualität des Wassers, sondern jener der Verpackung.

Auf dem globalen Wassermarkt gibt es unzählige exklusive und sehr teure Mineralwässer. Einige sind schon seit Jahrzehnten auf dem Markt, andere gibt es schon nach kurzer Zeit nicht mehr. Das laut «Guinness-Buch der Rekorde» teuerste Mineralwasser der Welt ist Acqua di Cristallo Tributo a Modigliani. Der hohe Preis entsteht primär durch die mit 24-karätigem Gold und Diamanten besetzte Flasche. Der Inhalt ist eine Mischung aus Quellen in Frankreich, auf den Fidschi-Inseln und Gletscherwasser aus Island. Eine 750-Milliliter-Flasche fand bei einer Auktion für 60 000 Dollar einen neuen Besitzer. Dies 2010 bei einer Auktion der Planet Foundation des mexikanischen Unternehmers Fernando Altamirano, der die Flasche auch designt hat.
Doch hält man sich nicht an den Guinness-Buch-Eintrag, findet man im Internet noch andere ähnlich teure, oftmals sogar noch teurere Mineralwasserflaschen. So kostet die Special Edition von Beverly Hills 9OH2O bis zu 100 000 Dollar. Der hohe Preis bezieht sich auch hier nicht auf den Inhalt, sondern auf die aufwendig mit Diamanten und Weissgold besetzte Flasche. Fazit der teuersten Mineralwässer: Es spielt keine Rolle, wie der Inhalt schmeckt, einzig Verpackung und Design zählen. Es liegt auf der Hand, dass diese Kunstobjekte nur wenigen Superreichen vorbehalten sind.
Angesichts der globalen Erwärmung, der Wasserverschmutzung durch Überbevölkerung und Industrie bekommt Wasser einen immer bedeutenderen Stellenwert. Obwohl mehr als zwei Drittel der Erde von Wasser bedeckt sind, sind nur weniger als drei Prozent trinkbar. Rund zwei Milliarden Menschen haben laut Unicef weltweit keinen regelmässigen Zugang zu sauberem Wasser.
Die Schweiz ist in Bezug auf Mineralwasser gut aufgestellt, gibt es doch hierzulande unzählige Quellen. Alle haben einen guten Ruf. Und doch haben in den letzten 20 Jahren die Importe von Mineralwässern in die Schweiz stark zugenommen. Gemäss dem Verband Schweizerischer Mineralquellen und Soft-Drink-Produzenten wurden 2004 284,4 Millionen Liter Wasser importiert. Nur 20 Jahre später waren es bereits 458,1 Millionen, also rund 174 Millionen Liter mehr. Und dabei hätte die Schweiz durchaus gesundes Wasser zu bieten: Auf seinem jahrelangen Weg durch Fels und Gestein nimmt Mineralwasser natürliche Stoffe wie Natrium, Kalzium oder Magnesium auf. Die Baselbieter Mineralquelle Eptinger gilt als das Wasser mit dem höchsten Anteil an Magnesium. Das bündnerische Passugg hingegen ist mit über 125 Jahren die älteste Mineralwassermarke der Schweiz. Das Wasser wird aus der Theophil-Quelle bei Passugg gewonnen. Ihr Name geht auf Theophil von Sprecher zurück. Er legte den Grundstein zur kommerziellen Nutzung.
(Ruth Marending)