Für immer mehr Gastronomiebetriebe ist es wichtig, nicht nur eine ausgewogene Getränkekarte zu haben, sondern mit der eigenen Marke die Gaumen der Gäste zu verwöhnen.
Das Berner Oberland gilt als Hochburg der Schweizer Bierkultur. Hier haben sich zahlreiche Mikrobrauereien angesiedelt. Eine davon ist die «Jungfraubräu» in Brienz. Durch das Fünfsternehaus Victoria-Jungfrau & Spa in Interlaken ist die Brauerei zu einem Auftrag der besonderen Art gekommen: Kreation und Produktion des neu zu schaffenden Bieres Victoria. Beim Flaschenbier Victoria handelt es sich um ein Pale Ale Bock, eine Mischung aus englischem Pale Ale und deutschem Bockbier. Das Hotel bietet damit den Gästen neben dem «Menü Vo Hie», das vorwiegend aus lokalen Zutaten besteht, sowie den regionalen Weinen und Oberländer Spirituosen auch ein eigenes Bier an. Dominik Gyger, Bar Manager des Hotels, freut sich: «Mit diesem Bier können wir die stetig steigende Nachfrage nach Craft Beer stillen. Und dass das ‹Jungfrau Bräu› die Hälfte des Namens von unserem Hotel teilt, ist ein willkommener Zufall.»
Nicht nur das eigene Bier, sondern gar die eigene Brauerei hat «Der Teufelhof Basel» am Rheinknie. In Anlehnung an das Mutterhaus ist für die erste Bierkreation der Name «Heller Engel» entstanden, ein naturtrübes, aromatisches Bier aus Pilsner Malz. Das Pendant dazu ist der «Dunkle Teufel», ein süffiges, nicht allzu bitteres, dunkles Bier. Ein drittes vervollständigt die Palette: der «Bengel», bei dem das Pilsner Malz und wenig Sauermalz die Grundlage bilden.
Jüngst lancierte «Teufelhof»-Hotelier Raphael Wyniger, Inhaber des Basler Gast- und Kulturhauses, mit «Rheinbrand» zudem eine neue Spirituosenmarke. Inspiriert vom mystischen Fluss Rhein werden zukünftig Spirituosen mit Ingredienzien, welche den Rhein entlang angebaut oder produziert werden, lanciert. Erstes Produkt ist ein Gin, hergestellt im Aargau. Das Wasser kommt von der Rheinquelle, die Bergkräuter aus dem Bündnerland, die Kirschen aus dem Baselbiet, die Holunderblüten aus dem Elsass und das Meersalz aus Rotterdam.
Mit diesen «hauseigenen» Getränken folgen beide Hotels einem Trend, der immer stärker um sich greift: Personalisierung. Ein Beispiel ist die Aktion von Coca-Cola. Während drei Jahren konnten 0,2-Liter-Glasflaschen mit 30 000 gängigen Namen und Kosenamen beschrieben werden. Ein anderes Prinzip der Individualisierung wählte Ferrero mit der Kampagne «Nutella Unique». Die Gläser wurden mit speziellen Etiketten versehen, die aus jedem ein Unikat machten. Ermöglicht wurde das Ganze durch eine innovative Technologie. «Die Personalisierung der Produkte ist ein wichtiger Trend. Davon wird es in Zukunft immer mehr geben», meint Jens Rothenstein, Senior Projektmanager am Institut für Handelsforschung IFH Köln, das auf den Handel im digitalen Zeitalter spezialisiert ist.
(Ruth Marending)