Weder Goldrand noch Diamantverzierung lassen Wein besser schmecken. Viel wichtiger ist die Form und das Volumen des Kelches. Kenner bevorzugen filigrane, mundgeblasene Weingläser.

Mit einem Fuss aus 180 Gramm massivem Gelbgold, verziert mit Diamanten von 10,1 Karat, ist das Champagnerglas «Imperial» das wohl teuerste Weinglas. Es ist ein Einzelstück und wechselte für 75 000 Euro den Besitzer. Doch seine schmale Flötenform ist für den Genuss von Champagner wohl kaum geeignet. Denn auch exklusive Champagner brauchen Raum, um ihre Aromen voll entfalten zu können.
Äusserst dekorativ sind die Gläser aus der Kollektion Primerose von Arnstadt Kristall in Arnstadt (DE). Mundgeblasen und von Hand mit Rosen in brillantem Tiefschliff dekoriert, sind sie in diversen Farben erhältlich. Ein Rotweinglas-Unikat mit 24 Karat Goldrand kostet 435 Euro ab Manufaktur. In schweren geschliffenen Gläsern kommen fast nur kräftige Weine zur Geltung.
Exklusiv und teuer sind auch die mundgeblasenen Kristallgläser von Moser in Karlsbad (CZ). Das Rotweinglas mit 750 Milliliter Fassungsvermögen aus der Linie Decent erinnert in seiner Form an das ebenfalls mundgeblasene Burgunderglas von Zalto in Gmünd (AT). Das Moser-Glas ist mit 220 Euro jedoch viermal teurer als das Zalto-Glas. Speziell an der Linie Decent ist der Perlschliff an den Rändern des Kelches und der Bodenplatte. Entworfen nach einer Idee des Pfarrers und Weinkenners Hans Denk geniessen die Denk’Art-Gläser von Zalto Kultstatus. Dies nicht erst, seit das «Wall Street Journal» sie als ultimative Weingläser in den Olymp der sechs perfekten Dinge erhob.
Riedel in Kufstein (AT) hat eine 270-jährige Geschichte in der Glasherstellung. 1958 legte Claus Josef Riedel mit speziell für einzelne Rebsorten entwickelten Gläsern den Grundstein für moderne Weinglaskultur. Heute bietet Riedel auch maschinengefertigte Gläser an, die von mundgeblasenen kaum zu unterscheiden sind. Ein Glas der Linie Riedel Superleggero kostet etwa 45 Franken.
Nach einer Veränderung der Partnerstruktur bei Zalto gründete der Designer Kurt Josef Zalto im Jahr 2019 die Josephinenhütte. Deren Gläser – mit einem markanten Knick im Kelch – sind bei Weinenthusiasten hoch im Kurs. Darin sollen Charakter und Robustheit etwas mehr zur Geltung kommen. Ein Glas Josephine No 3 für Rotwein ist je nach Anbieter für 80 bis 110 Franken erhältlich. Ein Preisvergleich lohnt sich.
Das teuerste der funktionalen Weingläser stammt von Zwiesel Fortessa in Zwiesel (DE). Ein Exemplar des Bordeaux-Rotweinglases Air Sense kostet 130 Franken. Konzipiert wurde dieses vom schwedischen Designerduo Carl Philip Bernadotte (Prinz von Schweden) und Oscar Kylberg. Gewöhnungsbedürftig ist die Glaskugel auf dem Boden des Kelchs. Sie hat einen Dekantiereffekt und verstärkt die Intensität der Aromen.
(Gabriel Tinguely)