Die Schweiz zeigt bei den World Skills, was sie kann

Ein Weltmeistertitel und vier «Medals for Excellence» für eine besonders hohe Punktzahl: Die jungen Nachwuchstalente unserer Branche behaupten sich bei den diesjährigen World Skills in Shanghai (CN) auf internationalem Parkett. Hier ihr Rückblick auf den Wettkampf.

  • Bei der Eröffnungszeremonie: Die Schweizer Delegation läuft ein.
  • Gwenda Bösch (Bäckerei) kann fast alle Produkte so abliefern, wie sie es geübt hat.
  • Nicolas Imholz freut sich nach getaner Arbeit mit seinen Fans.
  • Nach vier Tagen intensivem Wettbewerb kommen Emotionen hoch.So auch bei Melina Reusser (Restaurant Service).
  • Zwölf Medaillen für die Schweiz: Fans feuern die Teilnehmenden bei der Schlusszeremonie an.
  • Die Weltmeisterin Fina Niebergall (Hotel Reception) im Wettbewerbseinsatz. Dieser fühlt sich für sie an wie ein normaler Arbeitstag mit einem tollen Team.
  • Regula Baschung (Konditorei) arbeitet an einem Schaustück. Besonders gut gelungen ist ihr im
    Wettbewerb das Praliné.
  • Regula Baschung mit ihrem Coach Yves-Alain Braichet.

Die Kategorie Hotel Reception ist an den World Skills eine sichere Bank für die Schweiz. Nach dem zweiten Rang 2022 für Tim Oberli und dem Titel 2024 für Carmen Többen schaffte es die Schweiz mit Fina Niebergall wieder aufs oberste Treppchen der diesjährigen World Skills im chinesischen Shanghai. Die 22-jährige Junior Assistant Front Office Manager vom Hotel La Réserve Eden au Lac in Zürich holte sich mit zwei Punkten Vorsprung auf die Lokalmatadorin Jiayi Wang Gold und damit den Weltmeistertitel. Insgesamt sicherte sich die Schweiz viermal Gold, zweimal Silber und sechsmal Bronze. Zu den zwölf Medaillen kommen noch 23 der begehrten «Medals for Excellence». Mit diesem Ergebnis erreichte die Schweiz hinter China und Südkorea den dritten Platz in der Nationenwertung. Damit wiederholten die Schweizer Starterinnen und Starter den Glanzerfolg von 2024, als man in Lyon (FR) ebenso den dritten Platz unter allen teilnehmenden Nationen erreichte.

Mit ihrem diesjährigen Auftritt an den World Skills unterstrichen die insgesamt 42 jungen Schweizer Berufsleute einmal mehr, wie breit und hochstehend die eidgenössische Berufsausbildung im internationalen Vergleich nach wie vor ist. Auch wenn es diesmal in weiteren gastgewerblichen und Bäcker-Confiseur-Kategorien nicht fürs Treppchen reichte, zeigten die vier Starterinnen und Starter aus unseren Branchen starke Leistungen. Nicolas Imholz aus Isenthal/UR schaffte es im Skill Cooking auf den sechsten Platz. Regula Baschung aus Beromünster/LU erreichte in Pâtisserie and Confectionery den elften Rang, Gwenda Bösch aus Stallikon/ZH im Skill Bakery Rang zehn. Melina Reusser aus Thun/BE wurde im Restaurant Service achte. Alle vier Berufsleute nehmen eine «Medal for Excellence» mit nach Hause. Mehr über ihren Einsatz in dieser Ausgabe.

Konditorei

Regula Baschung

Als am ersten Wettkampftag die Sirene zur Mittagspause ertönte, flossen bei Regula Baschung die Tränen. «Vieles war anders gelaufen als geplant», sagt die Teilnehmerin des Skills Pâtisserie and Confectionery. Ihr Coach Yves-Alain Braichet sprach ihr Mut zu. Mit Erfolg: Am Nachmittag fand die Pâtissière zurück in den Wettbewerb. «Auch wenn nicht mehr alles perfekt gelang, lieferte ich sämtliche Arbeiten rechtzeitig ab und konnte motiviert in den zweiten Tag starten.»

«Der Start war holprig. Umso mehr freue ich mich über die Auszeichnung Medal for Excellence.»

Regula Baschung

Besonders überzeugte Baschung laut Coach Braichet mit ihrem Praliné. Auch bei einer Überraschungsaufgabe zeigte sie ihr Können: Für ein Schaustück musste sie ein Schokoladenschild beschriften. «Sie hat für mich mit Abstand den schönsten Schriftzug gemacht», sagt ihr Coach. Die grösste Herausforderung stellte hingegen das Zuckerschaustück dar. Der Zucker zog nicht richtig an, sodass sich das Werk nach wenigen Minuten bog.

Umso schöner war der Abschluss der Berufsweltmeisterschaften: Baschung erreichte in ihrem Skill Rang elf und erhielt eine «Medal for Excellence». «Mit dieser Auszeichnung hatten wir nach dem schwierigen Start nicht mehr gerechnet», sagt Braichet. Auch seine Kandidatin freut sich über das Ergebnis: «Mit dieser Auszeichnung bin ich sehr zufrieden.» Aus Shanghai nimmt Baschung wertvolle Erfahrungen, neue Bekanntschaften und viel Stolz auf ihren Beruf mit.

(ade)


Küche

Nicolas Imholz

Vier Module musste Nicolas Imholz in der Kategorie Küche absolvieren: Fine Dining, Bistro im Street-Food-Style, Skilltest und Sensorik. In jedem Modul war auch eine Mystery-Zutat integriert, von der er und sein Coach Mario Garcia erst zwei Tage vor dem Wettkampf erfuhren. So mussten im Bistro-Modul beispielsweise Szechuan-Gurken in die Vorspeise integriert werden. Nicolas Imholz schickte einen Taco mit den marinierten Gurken sowie Mayo, Tofu und Röstzwiebeln.

«Ich konnte mein Mindset stärken und habe gelernt, auch unter enormem Druck fokussiert zu bleiben.»

Nicolas Imholz

Am Ende erreichte Imholz mit dem sechsten Rang einen Platz in den Top Ten sowie eine «Medal for Excellence». «Anfangs war ich etwas enttäuscht, weil ich den Podestplatz unbedingt wollte», sagte er nach der Siegerehrung. «Doch wenn ich jetzt auf meine Platzierung zurückschaue, denke ich, dass ich stolz sein kann.» Unabhängig vom Rang seien die World Skills ein Wahnsinnserlebnis gewesen: «Ich habe neue Bekanntschaften gemacht und vieles dazugelernt, sowohl menschlich als auch fachlich.» Unter anderem habe er sich mental stark entwickeln können. Das wird ihm auch Ende November zugutekommen. Dann steht für Nicolas Imholz nämlich bereits der nächste grosse internationale Wettbewerb an: als Teil der Schweizer Kochnationalmannschaft will er in Luxemburg den Weltmeistertitel verteidigen.

(ahü)


Hotel Reception

Fina Niebergall

In der Kategorie Hotel Reception hat Fina Niebergall Gold gewonnen. Die Hotel-Kommunikationsfachfrau EFZ erreichte 729 Punkte und setzte sich damit knapp vor Jiayi Wang aus China durch, die auf 727 Punkte kam. Im Siegerinterview zeigte sich Fina Niebergall überwältigt von ihrem Erfolg: «Es ist eine Auszeichnung für die harte Arbeit, die ich geleistet habe. Diese Medaille weckt auch ein bisschen Nationalstolz in mir, weil ich zeigen konnte, wie spannend die Schweizer Hospitality ist.»

«Ich habe bis zum Schluss jede Minute gekämpft und alles gegeben. Dies hat sich jetzt ausgezahlt.»

Fina Niebergall

Fina Niebergall sagte weiter, dass sie viele neue Freundschaften in Shanghai schliessen konnte: «Der Wettbewerb hat sich gar nicht als solcher angefühlt. Es war eher wie ein normaler Arbeitstag mit einem tollen Team.» Man habe sich gegenseitig angespornt, viel gelacht und auch geweint. Die fünf Module, die sie während der World Skills absolvieren musste, hat Fina Niebergall mit Bravour geschafft. Es waren dies Gästebetreuung und Kommunikation, Verwaltung und Backoffice, Beschwerdemanagement und Problemlösung, Regionale Beratung (Concierge und Local Area Promotion) sowie verschiedene Mystery-Aufgaben. «Ohne meine Familie, meinen Mental Coach Anna-Lena Körner und meinen Coach Egidio Marcato hätte ich es nie so weit geschafft», so Niebergall.

(doe)


Restaurant Service 

Melina Reusser

«Ich bin mega stolz auf Melina», sagt Noemi Zoss. Sie hat die Restaurantfachfrau als Coach an die World Skills begleitet. Der Wettbewerb sei hart gewesen und die Konkurrenz stark. «Melina hat alles gegeben und eine super Leistung gezeigt.»

«Die Stimmung in Shanghai war absolut einzigartig. Mein Highlight waren meine Gäste.»

Melina Reusser

Leider habe sie nicht alles ganz so abrufen können, wie sie es sich vorgestellt habe, sagt Melina Reusser selbst. «Trotzdem hatte ich viel Spass und die Stimmung rund um den Wettbewerb herum war absolut einzigartig.» Ein Highlight waren für die 20-Jährige aus Thun/BE die Gäste, die sie an den vier Tagen bedienen konnte. Die Teilnehmenden absolvierten Aufgaben vom À-la-carte-über einen Bankett- bis zum Fine-Dining-Service. Zudem waren Weinservice, Cocktails und Kaffeekreationen gefragt. Über den gesamten Wettbewerb zählten sauberes Arbeiten und souveränes Auftreten. Coach Noemi Zoss lobt die Organisation vor Ort: «Die Voraussetzungen waren super, was die Auslegung der Arbeitsbereiche und die vorhandenen Materialien betraf.» Die Podestplätze im Skill Restaurant Service besetzten am Ende China, Singapur, Indonesien und Dänemark. Melina Reusser erreichte mit 707 Punkten Rang acht und sicherte sich eine «Medal for Excellence». Aus Shanghai wird sie viele positive Erfahrungen mitnehmen – beruflich wie auch persönlich.

(agu)


Bäckerei

Gwenda Bösch

Gwenda Bösch konnte an den World Skills in Shanghai umsetzen, was sie intensiv trainiert hatte. Besonders ihr Schaustück und die Produkte aus Croissantteig gelangen der Teilnehmerin im Skill Bakery hervorragend. «Meiner Meinung nach hat Gwenda 90 Prozent ihrer Arbeit so abgeliefert, wie wir sie trainiert hatten», sagt ihr Coach Ramona Bolliger.

«Das Jahr der Wettkampfvorbereitung war intensiv, aber ich möchte die Erfahrung nicht missen.»

Gwenda Bösch

Eine Herausforderung stellte hingegen das chinesische Dinkelmehl dar. «Dort haben wir sicher Punkte eingebüsst», sagt Bolliger. Am Ende erreichte Bösch den zehnten Rang und erhielt eine «Medal for Excellence». Für ihren Coach zeigt der Wettbewerb auch, wie stark sich die internationale Konkurrenz entwickelt hat. Seit den World Skills in Lyon (FR) hätten viele Länder einen grossen Qualitätsschritt gemacht. «Wenn wir in die Medaillenränge kommen wollen, können wir uns keine Flüchtigkeitsfehler erlauben.» Ihr Fazit ist klar: «Wir müssen dranbleiben!»

Nach den intensiven Wettkampftagen zeigte sich Gwenda Bösch im Interview zufrieden: «Ich bin sehr erleichtert, dass der Wettbewerb vorbei ist.» Besonders viel bedeutete ihr die Unterstützung vor Ort: Ihre Familie, Freunde und sogar Mitarbeitende aus ihrem Betrieb waren angereist, um ihr den Rücken zu stärken. Neben den Erfahrungen aus dem Wettbewerb bleiben ihr damit auch wertvolle gemeinsame Erinnerungen.

(ade)